Nach dem Bruch seines rechten Handgelenks auf Phillip Island hält der ehemalige MotoGP-Arzt Dr. Claudio Costa ein Comeback von Jorge Martin zumindest beim nächsten Rennen in Malaysia für unmöglich. Das Team um den Spanier versucht dennoch, das Unmögliche möglich zu machen. Sein Physiotherapeut gibt Einblick: So soll die medizinische Sensation gelingen.

Privatarzt gibt grünes Licht: Jorge Martin plant MotoGP-Comeback ohne Operation

Nachdem klar wurde, dass beim Sprint-Sturz in Australien 'nur' das rechte Handgelenk brach, folgte der Austausch mit Martins Vertrauensarzt in Madrid, dem die Diagnosedaten zugeschickt wurden. Laut der spanischen 'Marca' gab Dr. Ignacio Roger de Ona, der auch Titelrivale Marc Marquez bereits mehrfach behandelte, grünes Licht, ohne Operation das schnelle Comeback zu wagen.

Australien-GP abgesagt, Jorge Martin plant Blitz-Comeback! (09:05 Min.)

Nun liegt es in der Verantwortung von Martins Physiotherapeut Aitor Tomas, den kühnen Plan in die Tat umzusetzen. Gegenüber dem spanischen Ableger von Motorsport.com gab der Betreuer des 'Martinators' Einblick in die Tage bis Sepang. Martin verweilt bereits in Kuala Lumpur. Am Dienstag stößt ein weiterer - namentlich nicht genannter - Physio als Unterstützung zu ihm, mit dem der Aprilia-Pilot bereits in der Vergangenheit arbeitete.

Jorge Martins rechte Hand bis Donnerstag in intensiver Behandlung

"Wir werden den Prozess in zwei Phasen unterteilen", erklärte Tomas. Der erste Schritt läuft nun an: "In der ersten Phase konzentrieren wir uns darauf, die Schwellung zu reduzieren und alle Aspekte der Knochenverletzung zu behandeln. Das Ziel ist es, Beweglichkeit, Kraft und Funktionsfähigkeit wiederherzustellen. Dies erreichen wir durch Kryotherapie [Eisbehandlung, Anm. d. Red.] und manuelle Therapie. Gleichzeitig werden wir versuchen, die Knochenregeneration so gut wie möglich zu fördern, damit der Knochen allmählich an Festigkeit gewinnt. Dazu setzen wir Magnetfeldtherapiegeräte ein."

Martin will tatsächlich in Malaysia fahren, Foto: Aprilia Racing
Martin will tatsächlich in Malaysia fahren, Foto: Aprilia Racing

Letztere Therapie soll durch pulsierende magnetische Schwingungen den Zellstoffwechsel anregen und damit die Knochenheilung unterstützen. Ob dies allerdings wirklich eine bedeutende Wirkung erzielt, ist in fachmedizinischen Kreisen umstritten und wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.

Starterlaubnis in Malaysia fraglich, Schmerzen bis Saisonende sicher

Die zweite Phase erfolgt dann mit der Anreise zur Strecke von Sepang am Donnerstag. Dort steht dann die erste große Hürde bevor. MotoGP-Arzt Dr. Angel Charte muss seinem Landsmann erstmal die Startfreigabe für das FP1 erteilen. "Sollte er die Freigabe erhalten, wieder auf das Motorrad zu steigen, werden wir ein anderes Behandlungsprotokoll anwenden als das, das wir normalerweise bei ihm anwenden. In diesem Fall konzentrieren wir uns auf das Handgelenk und versuchen, die Schwellung so weit wie möglich zu minimieren, begleitet von einer Schmerztherapie", erklärt Tomas weiter.

Ob die Schmerzmittel dabei auch gespritzt werden sollen, gibt der Physio nicht preis. Klar ist nur: Wenn Martin tatsächlich fahren kann, so werden die Schmerzen ein ständiger Begleiter bis zum Saisonende sein. Normalerweise ist bei einer solchen Verletzung erst nach sechs Wochen mit Besserung zu rechnen. Außerdem werden Hitze und Luftfeuchtigkeit in Malaysia ihr übriges tun. Martins Zähne sollten sich also bereits darauf einstellen, gewaltig zusammengebissen zu werden.

Jorge Martin in der Aprilia-Box
Jorge Martin wird Schmerzen erdulden müssen, Foto: IMAGO / NurPhoto

Jorge Martin selbst gibt zu: Unmöglich, Vorhersagen zu treffen

Um Martin das Comeback zu ermöglichen, gibt es aber nicht nur medizinische Behandlungen. Auch die Ausrüstung wird modifiziert. Zum einen soll die rechte Hand mit elastischem Tape stabilisiert werden. Außerdem wird Lederkombi-Lieferant Alpinestars einen geweiteten Sonderhandschuh bringen, der wenigstens ein bisschen erträglicher passen soll.

All diese Maßnahmen können aber nicht darüber hinwegtäuschen: Jorge Martin und sein Team versuchen hier ein Wunder zu bewirken. Und das weiß auch der Fahrer selbst. "Ich erhalte die Behandlung, die ich brauche, um mich von der Verletzung zu erholen und in bestmöglicher Verfassung in Sepang anzukommen. Es ist unmöglich, irgendwelche Vorhersagen zu treffen. Wir müssen die Situation von Tag zu Tag neu einschätzen", lässt er in Aprilias offizieller Vorschau auf das Rennen in Malaysia verlautbaren. Die erste Antwort auf diese Ungewissheit gibt es am Donnerstag beim Medizincheck.

Nicht nur Jorge Martin erlebte auf Phillip Island ein Debakel. Markenkollege Ai Ogura wurde erneut vor Augen geführt, dass er im Regen desolat unterwegs ist. Warum der Japaner solche Probleme im Nassen hat, erkären wir euch hier: