Für Gabriel Bortoleto war Austin ein langes Formel-1-Rennen. Nach einem Start von Platz 21 wegen einer Motorstrafe waren Punkte bei regulärem Rennverlauf nie realistisch, und doch ist das Ergebnis mit P13 schlechter als es hätte sein sollen. Sechs Runden vor Schluss tauchte er nämlich unangekündigt vor der Audi-Box auf und verschenkt einen Platz. Eine bizarre Panne hatte sich ereignet.
Davor war Bortoleto eigentlich ein sehr gutes Rennen gefahren. Aus der letzten Reihe kommend kämpfte er sich in der ersten Rennhälfte auf der Strecke mit mehreren guten Überholmanövern bis auf den zwölften Rang nach vorn: "Es war kein einfaches Rennen. Ich tat, was ich konnte, ich habe viele Autos überholt."
"Natürlich musst du dafür deine Reifen hart rannehmen, und wenn du dann bei freier Fahrt die Pace brauchst, hast du die halbe Sekunde nicht mehr, weil du dir die Reifen abgefahren hast", lautet Bortoletos Fazit. Nachdem sich das Rennen ohne viele Ausfälle in der Spitzengruppe sehr statisch entwickelte, schien die Aufholjagd sechs Runden vor Schluss mit 12 Sekunden Rückstand auf Teamkollege Nico Hülkenberg ohne Zählbares beendet.
Audi-Fehlkommunikation bei Bottas-Ausfall
Da rollte der Cadillac von Valtteri Bottas mit technischem Defekt nach Kurve 10 aus. Es war ein sehr langwieriger Ausfall. Bottas war schon im ersten Sektor langsam, ehe er endgültig an einer Öffnung nahe der Leitplanke abstellte, wo das Auto relativ schnell zu bergen sein würde. Trotzdem würden Streckenposten dafür eingesetzt werden müssen. Ein kurzes Virtuelles Safety Car bahnte sich an.
Das beobachtete auch die Audi-Box und wollte sich gegen alle Szenarien absichern. Was, wenn ein Safety Car statt einem Virtuellen Safety Car käme? Sollte man Bortoleto dann für einen potenziellen Schluss-Sprint von drei bis vier Runden an die Box holen und neue Reifen geben? Vorausschauend fragte man ihn auf der Gegengerade, ob er dafür eine Frontflügel-Änderung wollte.
Bortoleto, der den ausrollenden Bottas da schon gesehen und passiert hatte und nun die Frage nach der Frontflügel-Anpassung bekam, wollte basierend auf einer nicht ganz eindeutigen Formulierung zwei und zwei zusammenzählen und fragte zwei Kurven vor der Boxeneinfahrt: "Wenn VSC oder SC kommt, stoppe ich dann?" Keine Antwort kam. Stattdessen wurde knapp fünf Sekunden später das VSC aktiviert, als Bortoleto wenige Meter vor der Boxeneinfahrt war.
Das Funk-Protokoll zwischen Gabriel Bortoleto und der Audi-Box
| vor Kurve 12 | |
|---|---|
| Box: | "Gabi, wir brauchen Flap für den nächsten Stopp. Wie viele Klicks für Balance? Werden nur 5 Runden sein." |
| Bortoleto: | "Ich brauche zwei Klicks." |
| Kurve 17 | |
| Bortoleto: | "Wenn VSC oder SC kommt, stoppe ich?" |
| nach Kurve 19 | |
| VSC | BOR biegt ab. |
| Box: | "Bleib draußen." |
| Bortoleto: | "Ah, Mann! Bin in der Boxengasse!" |
| Boxenstopp | |
| Bortoleto: | "Mann, was war das?" |
| Box: | "Die Fenster waren zu, Gabi." |
| Bortoleto: | "Ja, aber das sagst du mir nicht? Ich habe dich gefragt. Du fragtest sogar nach dem Flap." |
| Box: | "Ich habe nach dem Flap gefragt ... - werden wir nach dem Rennen analysieren." |
Bortoleto hatte eine knappe Sekunde Zeit gehabt, selbst zu entscheiden - und bog ab: "Ich habe das etwas falsch verstanden. Ich habe mit meinem Ingenieur über den Flap im Falle eines Virtuellen Safety Cars oder Safety Cars gesprochen, aber die Fenster waren geschlossen, und dann habe ich gestoppt, obwohl ich nicht stoppen sollte."
Gabriel Bortoleto verschenkt einen Platz: Was muss Audi ändern?
"Geschlossenes Fenster" bedeutet, dass Bortoleto nach hinten eigentlich keinen Platz hatte, um zu stoppen und keine Position zu verlieren. So gingen Arvid Lindblad und Esteban Ocon vorbei: "Es hat mir nicht viel gekostet, ich habe Esteban gleich überholt, aber geholfen hat es definitiv nicht, die Position gegen Arvid habe ich verloren." Bortoleto wurde auf P13 statt auf P12 abgewunken.
"Ein bisschen eine Fehlkommunikation", nennt es Bortoleto gegenüber Motorsport-Magazin.com. "Das müssen wir uns anschauen." Es hätte schlimmer kommen können, denn zum Glück waren die Audi-Mechaniker zu dem Zeitpunkt im Anbetracht der Situation bereits auf Standby und konnten sofort aktiviert werden, als Bortoleto am Funk meldete, er sei abgebogen. Mit einer Standzeit von nur 2,66 Sekunden war der Reifenwechsel selbst wenigstens blitzsauber.
"Auf der Funk-Seite müssen wir das aussortieren", räumt Audi-Rennleiter Allan McNish ein. Oft melden Teams ihren Fahrern proaktiv bei einem drohenden VSC am Funk von sich aus "VSC-Fenster offen" oder "VSC-Fenster geschlossen", um dem Fahrer die Entscheidung abzunehmen und genau so ein Szenario zu vermeiden, bei dem in etwas wie eine simple Nachfrage zu Frontflügel-Änderungen zu viel hineininterpretiert wird.



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