Kann man wirklich mit einem Formel-1-Wochenende zufrieden sein, an dem man nach drei Trainings-Bestzeiten weder Pole noch Sieg holt? Nicht wirklich, scheint die nüchterne Antwort von Charles Leclerc und Lewis Hamilton nach einem Ferrari-Rennen in Austin, das zwar gut, aber nicht gut genug war. Nur Teamchef Fred Vasseur vermag positiv zu bleiben.
"Also wenn man sich FP1, FP2 und FP3 anschaut, dann waren wir sehr stark", seufzt Leclerc, der dann aber nur von Startplatz vier losgefahren war und 13,078 Sekunden hinter Kimi Antonelli Zweiter wurde, nachdem er im Rennen Max Verstappen und spät auch noch einen mit alternativer Strategie fahrenden Lando Norris hatte überholen müssen, um überhaupt aufs Podium zu kommen.
"Letztendlich war es in Q3 extrem schwierig, die Reifen ins Temperaturfenster zu bekommen, und da haben wir wohl unsere Sieg-Chance verloren", urteilt Leclerc und kann das enttäuschende Qualifying so schnell nicht abhaken. Erst im letzten Segment war es für Ferrari dort schiefgegangen, mit Leclerc plötzlich unfähig, seine Zeit zu verbessern, und nur auf P4, mit Hamilton auf P5.
Ferrari verschätzt sich in Austin mit Strategie
Mit diesen Startplätzen wurde das Rennen auf dem falschen Fuß begonnen. "Von Platz vier und fünf startend mussten wir bei der Entscheidung zwischen einem und zwei Stopps aggressiv sein", erklärt Fred Vasseur, warum das Team dann auch auf die sich letztendlich als schlechter herausstellende Zweistopp-Strategie im Rennen setzte.
Leclerc versuchte mit einem frühen Stopp in Runde 15 Druck nach vorne auszuüben: "Ich dachte sogar an einem Punkt, dass der Sieg möglich sein würde, als ich sah, dass Kimi an der Einstopp festhielt. Basierend auf unseren Zahlen würde er gegen Rennende etwas mehr zu kämpfen haben. Aber er hatte dann gegen Ende nie zu kämpfen." Antonelli fuhr eine blitzsaubere Einstopp ins Ziel, dank eines Hard-Reifens, der sich rückblickend als deutlich besser herausstellte als es Ferrari erwartet hatte.
Wie frustrierend ist das Ferrari-Ergebnis in Austin?
"Ich habe andauernd meinen Ingenieur gefragt, wie schnell Kimi war, aber ich war wohl etwas zu optimistisch", trauert Leclerc. Und die schlechte Startposition untergrub seine Bemühungen trotz eines schnellen letzten Stints zusätzlich. Auf den neuen Reifen holte er nach seinem zweiten Stopp ab Runde 41 vier Runden lang im Schnitt eineinhalb Sekunden auf Antonelli auf. Dann musste er Verstappen und Norris überholen.
"Ich habe wohl ein bisschen zu viel Zeit mit Max und Lando verloren, aber sogar mit freier Fahrt wäre ich denke nicht bis zu Kimi gekommen", räumt Leclerc ein. Der Fokus muss zwingend zurück auf das Qualifying gelenkt werden. Die schlechte Startposition sattelte Leclerc schließlich im ersten Stint direkt mit einem Vier-Sekunden-Defizit und 15 Runden im Verkehr: "Schaut man auf das ganze Wochenende, sind wir einfach nicht robust genug."
"Wir müssen verstehen, was wir in Q3 anders hätten machen können", stimmt auch Fred Vasseur zu, will sich davon aber nicht die Laune komplett vermiesen lassen. "Die Frustration wird einfach zu managen sein. Insgesamt haben wir gemeinsam gut abgeliefert." Mit den Plätzen zwei und vier holte das Ferrari-Duo in Austin schließlich als Team die meisten Punkte: "Die Pace war gut, von Freitagmorgen bis zur letzten Runde war die Rennpace da."
Lewis Hamilton sucht zu lange Lösung für Frontflügel-Rätsel in Austin
Bei Lewis Hamilton waren es noch zusätzliche nervige Details, mit denen er sich relativ zu Leclerc noch weiter ins Hintertreffen manövriert hatte. Er war mit einem anderen Basis-Setup ins Wochenende gestartet, hatte am Freitag damit zwei Trainings erfolglos herumgepfuscht: "Es hängt hauptsächlich mit dem Flap zusammen, wie steil du den Frontflügel stellst. Ich denke, wir haben ihn zu flach gestellt, permanent, aus irgendeinem Grund."
Das ganze Rennen litt Hamilton an Untersteuern. Beim ersten Stopp ließ er den Flap um vier Stufen steiler stellen, beim zweiten Stopp erneut: "Und sogar dann bin ich noch vier Stufen zu flach. Das ist verrückt. Zwölf Stufen zu flach. Wir müssen uns wirklich anschauen, wie wir zu diesem Punkt gekommen sind."
"Schon mit der Balance aus dem letzten Stint wäre ich bis zum Schluss mit dabei gewesen", meint Hamilton. So scheiterte er um 1,030 Sekunden am drittplatzierten Verstappen: "Aber das war alles eine Folge der ersten zwei Stints. Da habe ich so viel Boden verloren. So viel Zeit darf ich in Zukunft nicht einbüßen. Ich bin zufrieden damit, wie ich gefahren bin - es hat nur eben zwei Stints gebraucht, das Auto zum Einlenken zu bringen."



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