Nach der Galavorstellung auf dem Circuit of the Americas überschlagen sich die Medien mit Lobeshymnen auf Kimi Antonelli. "Antonelli hat die Welt in der Tasche. Für seine Rivalen ist Kimi ein Marsmensch, er ist nicht mehr einzuholen", titelte La Repubblica. The Independent schrieb: "Das Statement eines künftigen Weltmeisters" und El Pais beschrieb Antonellis Siegesfahrt als "eine Vorstellung absoluter Kontrolle, ausgeführt mit geradezu beängstigender Kaltblütigkeit."
Mit dem Formel 1-Sieg in Austin hat der Mercedes-Youngster seine WM-Führung auf 365 Punkte ausgebaut und ist damit nur noch einen Schritt vom Titelgewinn entfernt. Zu Saisonbeginn hatten viele Experten noch seinen Mercedes-Teamkollegen George Russell als Favoriten auserkoren. Zu ihnen zählte auch Emerson Fittipaldi. Auf die Frage, ob er eine derart dominante Saison von Antonelli erwartet hätte, sagte er offen: "Nein, ehrlich gesagt nicht. Ich hatte geglaubt, dass er und George enger beieinanderliegen würden."
Der Optimismus der letzten Wochen ist bei George Russell in Austin weg. Desolate Leistung, als es drauf ankommt. Ist das Update schuld? Mehr dazu in diesem Artikel:
Fittipaldi: Antonelli ist der schnellere Mercedes-Pilot
Auch wenn Russell im Verlauf der Saison Pech hatte, war für ihn Antonelli ganz klar der Schnellere. "Kimi hat ihn im Qualifying oft geschlagen, und das habe ich ehrlich gesagt nicht erwartet. So nicht. Vergessen wir nicht, dass Russell 2024 besser war als Hamilton. Diesmal wurde er überrascht und hatte am Ende gegen Kimi das Nachsehen", erklärte Fittipaldi gegenüber der Gazzetta dello Sport.
Zwischen dem Brasilianer und Antonelli gibt es einige Parallelen: Fittipaldi wurde 1972 mit 25 Jahren, 8 Monaten und 29 Tagen zum bis dahin jüngsten Weltmeister der Geschichte, nachdem er sich am 10. September in Monza den Titel rechnerisch gesichert hatte. Antonelli, der im August erst 20 geworden ist, wird diesen Rekord, den heute Sebastian Vettel hält, sehr wahrscheinlich in Mexiko brechen. Damals gab es keine so jungen Fahrer in der Königsklasse, weshalb es drei Jahrzehnte dauerte, bis Fernando Alonso 2005 Fittipaldis Bestmarke übertraf.


Die Bürde einer ganzen Nation auf den Schultern
Dazu trug Fittipaldi die Bürde einer ganzen Nation auf seinen Schultern: Brasilien hatte noch nie einen Weltmeister, in Italien wartet man seit Alberto Ascari 1953 auf den nächsten Titelträger. "Ich weiß sehr genau, wie sich das anfühlt", betont der heute 79-Jährige. Sein Rat an Antonelli: "Der einzige Rat, von dem ich sicher bin, dass er ihn nicht braucht, weil er schon sehr reif und bewusst ist: darauf zu achten, die Grands Prix zu beenden. Wenn er sich wirklich ein Ziel setzen muss, dann sollte es sein, aufs Podium zu kommen, nicht so sehr zu gewinnen. Das ist unnötig."
Das Argument, Antonelli habe mit Mercedes im besten Auto gesessen, lässt Fittipaldi nicht gelten. "Sicher ist der Mercedes ein großartiges Auto, vielen überlegen, und alle Variablen haben sich zu seinen Gunsten gefügt. Aber das reicht nicht. Wie die Amerikaner sagen: 'When the flag drops, the bullshit stops.' Wenn die Startflagge fällt, hören das ganze Gerede, die Prognosen und die Überlegungen auf. Das ist es: Kimi hat Fakten sprechen lassen", stellte er klar.
Während Kimi Antonelli in Austin feierte, herrscht bei Max Verstappen und Fernando Alonso Frust. Verstappen sauer auf Funkdesaster, Alonso watscht Albon und Williams ab. Mehr dazu im Video:



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