In 77 Jahren WM-Geschichte warteten nur neun Piloten länger auf ihren ersten Grand-Prix-Sieg in der Königsklasse. Wer rein auf die nackten Zahlen blickt, könnte also schnell den Eindruck erlangen, dass Pedro Acosta kein Besonderer ist. Nur ein weiterer MotoGP-Pilot, der halt lange genug durchgehalten hat, um irgendwann doch noch einen Sieg abzustauben. Doch wer in den letzten zweieinhalb Jahren auch nur ein Rennen live verfolgt hat, der weiß: Diese Annahme könnte nicht falscher sein. Acosta zählt zu den absoluten Ausnahmekönnern - und lehrt seinen künftigen Teamkollegen bereits das Fürchten.
Marc Marquez gesteht: Pedro Acosta kann mich 2027 schlagen!
"Er ist derjenige, der mich schlagen kann", überraschte Marc Marquez am vergangenen Wochenende in einem Interview mit 'ServusTV'. Moderatorin Alina Marzi hatte den siebenfachen MotoGP-Weltmeister zuvor daran erinnert, dass er im Verlauf seiner Karriere bislang jeden Stallgefährten im Griff hatte. Ob das ab 2027 auch mit Acosta so sein werde, lautete dann ihre Frage. Und Marquez' Antwort? Kurz und knapp: "Nein. Er ist derjenige, der mich schlagen kann."

Der Respekt vor dem künftigen Stallgefährten im Ducati-Werksteam ist groß: "Ich habe eine gute Beziehung mit Ducati, wir sprechen viel miteinander. Und als sie mir zum ersten Mal mitgeteilt haben, dass sie über ihn nachdenken, habe ich ihnen gleich gesagt: Das ist euer Mann. Pedro wird nächstes Jahr und in der Zukunft einer der größten Namen sein." Eine Niederlage im teaminternen Duell kann sich der Altmeister daher gut vorstellen: "Ich werde nächstes Jahr 34 Jahre alt. Ich bin Marc und ich werde alles geben, aber wir werden sehen. Ich bin mir sicher, dass er [ganz oben, Anm.] ankommen wird."
Geht es nach Marquez, könnte es also schon 2027 zum Zeitenwandel in der MotoGP kommen, die Zukunft von der Gegenwart übernehmen. Dass Acosta seine lange Wartezeit auf den ersten Grand-Prix-Sieg in der Königsklasse noch zu KTM-Zeiten holen konnte, nahm der (noch) amtierende Weltmeister nicht unbedingt positiv auf. "Nach diesem Rennen wird Pedro auch in Motegi wieder der Favorit sein", fürchtet Marquez und traut seinem künftigen Teamkollegen trotz 72 Punkten Rückstand noch in diesem Jahr zu, um den WM-Titel mitzureden. Kein Wunder also, dass er nicht unbedingt heiß darauf scheint, sich ab kommender Saison auf identischem Material mit Acosta messen zu müssen.
Hatte KTM-Geschäftsführer Gottfried Neumeister zuletzt noch verraten, dass Acosta 2027 eigentlich nur zu Ducati wechseln wollte, um sich fortan auf dem gleichen Motorrad mit seinem Landsmann messen zu können, teilte Marquez diese Vorfreude auf den Zweikampf mit der Nummer 37 nicht wirklich. Am Sonntag nach dem Österreich-GP danach befragt, ob er auch schon Lust darauf verspüre, sich 2027 mit gleichen Waffen mit Acosta zu messen, meinte der 33-Jährige aus Cervera nur: "Das ist nicht der Kampf, in dem ich mich aktuell befinde. Ich bin in meiner Karriere schon an einem anderen Punkt."
MotoGP-Experte Tom Lüthi sicher: Acosta kann Marquez tatsächlich bezwingen
Vielleicht ein Verweis darauf, dass Marquez nach sieben bzw. vielleicht bald acht MotoGP-Titeln ohnehin nichts mehr zu beweisen hätte und ihm der Ausgang des direkten Duells mit Acosta daher egal sein kann? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Denn unser Experte Tom Lüthi glaubt schon, sich der Spanier noch etwas zu beweisen hat. Anderenfalls hätte er seine Karriere im Hinblick auf die lädierte rechte Schulter auch längst beenden können. "Er will sich selbst jeden Tag neu beweisen, dass er der Beste ist", meint der 125ccm-Weltmeister von 2005 in der neusten Ausgabe unseres Interwetten MotoGP-Magazins.
Ansehen könnt ihr euch diese hier:
Zu glauben, dass Marc Marquez im kommenden Jahr nicht alles versuchen würde, um Acosta in Zaun zu halten, wäre also der falsche Ansatz. Dennoch glaubt Lüthi, dass der scheidende KTM-Pilot gute Chancen hat, das teaminterne Duell mit Marquez in der Saison 2027 für sich zu entscheiden: "Das, was er jetzt auf der KTM zeigt und das, was er jetzt vor allem an diesem Wochenende gezeigt hat… Damit beweist er uns allen, dass er in der Lage sein wird, den Marc Marquez zu schlagen."
Mit dem ersten MotoGP-Sieg im Rücken werde Acosta jedenfalls mit einem "richtigen Boost an Selbstvertrauen" bei Ducati ankommen und dann sei alles möglich. "Bis jetzt hat es niemand geschafft, jeder ist irgendwo zerbrochen. Der eine mehr, der andere weniger", erinnert Lüthi zwar an Marquez' weiße Weste in den Duellen mit seinen Teamkollegen, aber "bei Pedro Acosta ist es schon so, dass ich glaube, dass er den Psychospielchen von Marc Marquez standhalten kann. Das war schon in der Moto3 so. […] Schon da hat er gezeigt: Ich kann das als Fahrer, ich bin stark genug. Und das hat er jetzt durch die ganze Karriere durchgezogen. Deshalb glaube ich, dass er mit dieser Einstellung im nächsten Jahr auch Marc Marquez Paroli bieten kann."
Was meint ihr: Kann Pedro Acosta Marc Marquez in der nächsten Saison im teaminternen Duell bezwingen? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren! Im MotoGP-Paddock dürften jedenfalls viele Marquez' und Lüthis These stützen. Nach seinem Debütsieg wurde Acosta zuletzt nur so von Lobliedern überschüttet. Mehr dazu von Tobias:



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