Er hatte berechtigten Grund zur Hoffnung. Nach Bestzeiten im Training und dem FP2 stürmte Marco Bezzecchi am Samstagvormittag dank einer neuen Rekordrunde auch noch auf die Pole Position im Motorland. Die große Überraschung war perfekt, Marc Marquez das erste Mal seit 2022 in Aragon wieder geschlagen. Im Sprint dann aber die Rückkehr zum altbekannten Kräfteverhältnis: Marquez siegte, während Bezzecchi nur Dritter wurde. Eine Enttäuschung nach den zuvor gezeigten Leistungen? Keineswegs!

"In Aragon überhaupt an den Marquez-Brüdern dranzubleiben, ist für mich mehr als gut genug", offenbarte 'Bezz' am Nachmittag in seiner Medienrunde keinerlei Frust oder Unzufriedenheit. Stattdessen war die Freude auch über Platz drei riesengroß, der den Aprilia-Piloten in der Weltmeisterschaft von 31 auf 29 Punkte an Stallgefährte Jorge Martin heranbrachte. Und: "Wir haben morgen ja noch einen Tag. Vielleicht kann ich da noch näher an sie herankommen."

Hat Marco Bezzecchi den MotoGP-Sprintsieg in Aragon am Start verloren?

0,949 Sekunden fehlten am Samstag auf Alex Marquez, 2,089 Sekunden auf Bruder Marc. Wahrlich nicht viel, aber hätte er nicht sogar vor den Brüdern ins Ziel kommen können? Marc Marquez beschrieb nach dem Sprint in seiner Medienrunde schließlich sein riskantes Überholmanöver beim Start als rennentscheidend. Hätte Polesitter Bezzecchi gewinnen können, wenn er sich in Kurve eins nicht vom amtierenden MotoGP-Weltmeister hätte überrumpeln lassen?

"In Führung zu bleiben, hätte mir vielleicht geholfen", grübelte der 27-jährige Italiener nach Zielankunft. Letztlich kam er aber zur Ansicht, dass sich am Endergebnis wohl nicht viel geändert hätte: "Ich weiß nicht, ob das der Grund ist, dass ich Dritter wurde. Was ich aber weiß ist, dass das meine echte Pace war. Und wenn ich geführt hätte und das meine Pace war, dann wären die anderen Zwei sowieso etwas schneller gewesen. Natürlich hätte ich Kurve eins etwas besser gestalten müssen, aber ich bin auch so zufrieden mit meinem Ergebnis. Das war ein guter Tag."

Marco Bezzecchi glaubt nicht, dass er die Marquez-Brüder im Sprint hätte schlagen können, Foto: IMAGO / ZUMA Press
Marco Bezzecchi glaubt nicht, dass er die Marquez-Brüder im Sprint hätte schlagen können, Foto: IMAGO / ZUMA Press

Medium-Reifen macht Marco Bezzecchi Sorgen

Start hin oder her, die Marquez-Brüder wären vermutlich also so oder so an Bezzecchi vorbeigezogen. Was aber, wenn alle drei Piloten auf der gleichen Reifenmischung unterwegs gewesen wären? Während Marc und Alex Marquez auf den Medium-Hinterreifen vertrauten, wählte 'Bezz' schließlich den Soft. Rückblickend vielleicht ein Fehler? "Jetzt lässt es sich natürlich leicht sagen, dass der Medium heute besser war", gestand Bezzecchi, meinte aber auch: "Ich habe nie wirklich darüber nachgedacht, [den Medium zu nehmen, Anm.], weil ich mich mit dem Soft sehr wohl gefühlt und den gesamten Tag damit gut gearbeitet habe. Ich bin nicht überzeugt, dass ich mit dem Medium besser gewesen wäre. Ich bin eher überzeugt, dass ich damit schlechter gewesen wäre."

Eine erfrischend ehrliche Einschätzung, die jedoch in einem großen Problem resultiert. Bei einer Renndistanz von 23 Runden wird der Soft am Sonntag im Grand Prix mit großer Wahrscheinlichkeit keine Option sein. Stattdessen müssen diesmal dann alle Piloten - auch Bezzecchi und Teamkollege Martin - auf den Medium zurückgreifen. Geht der Blick im Aragon-GP (Start 14 Uhr MEZ, Anm.) also vielleicht eher nach hinten als nach vorne? "Das heißt zumindest einmal, dass wir morgen einen Schritt [mit dem Medium, Anm.] machen müssen", lachte Bezzecchi verlegen. Überzeugung klingt wahrlich anders.

Was meint ihr: Kann Marco Bezzecchi die Marquez-Brüder am Sonntag bezwingen oder steht vielmehr Schadensbegrenzung auf dem Programm? Sagt es uns in den Kommentaren! Über die aktuelle Lage rund um den Katar-Grand-Prix informiert euch Markus derweil in unserem neusten Video:

Nahostkonflikt trifft MotoGP-Titelkampf: Katar-GP vor Absage! (09:42 Min.)