2026 könnte für Aprilia ein geschichtsträchtiges Jahr werden. Erstmals könnte der budgetschwächste Hersteller einen Weltmeistertitel in der Königsklasse der Motorrad-Weltmeisterschaft erobern, möglicherweise sogar gleich drei davon: Aktuell ist man in den MotoGP-Wertungen für Fahrer, Teams und Konstrukteure auf Siegeskurs.
Aprilia sieht 2026 historische MotoGP-Chance
"Das ist eine Chance, die wir nicht verlieren wollen", stellte Aprilia-Team-Manager Paolo Bonora am Freitag in Aragon unmissverständlich klar. "Unser Bike ist zweifelsohne gut, aber wir wissen auch, dass unser Konkurrent auf einem sehr hohem Niveau arbeitet." Gemeint ist natürlich Ducati, das mit Marc Marquez und Fabio Di Giannantonio die Krönung für Aprilia noch verhindern könnte.
Aprilia dominierte die Anfangsphase der Saison eindrucksvoll. Ducati machte anschließend Boden gut, seither schlägt das Pendel von Rennwochenende zu Rennwochenende in eine andere Richtung aus. Die RS-GP scheint die Nase im direkten Vergleich mit der Desmosedici GP immer noch leicht vorne zu haben, doch der Vorsprung ist marginal. Um diesen zu konservieren oder im Idealfall sogar auszubauen, gibt Aprilia Vollgas.
MotoGP-Ressourcenfrage: 2027er-Prototyp oder 2026er-Updates?
Da die MotoGP 2027 zu einem völlig neuen Technischen Reglement wechselt, waren in der zweiten Halbzeit der laufenden Saison keine großen Entwicklungsschritte an den aktuellen Motorrädern mehr zu erwarten. Der Fokus der Hersteller gilt mittlerweile ganz klar den neuen 850ccm-Prototypen. Das gilt zumindest für vier von fünf Werken: Denn Aprilia bringt auch nach der Sommerpause noch konsequent neues Material an das Motorrad.
Zuletzt in Silverstone waren es aerodynamische Anbauen im Bereich der Schwinge. An diesem Wochenende in Aragon verfeinert Aprilia das Aero-Konzept im Heckbereich weiter: Der Höcker der RS-GP präsentiert sich im neuen Kleid. Er verfügt über einen komplexen Flügel mit zwei übereinanderliegenden Flaps, die fließend in die vertikalen Endplates an beiden Seiten übergehen.
Dass eine derart intensive Weiterentwicklung der 2026er-Maschine parallel zur Aufbauarbeit im 2027er-Projekt ein brutales Arbeitspensum für die Aprilia-Mannschaft bedeutet, ist auch Team-Manager Bonora bewusst: "Wir haben zwei Projekte in unserer Firma laufen und treiben beide gleichzeitig auf maximalen Level voran. Das ist ein harter Job, aber wir wollen das so. Wenn es sein muss, arbeiten wir acht Tage die Woche und 25 Stunden am Tag."
Aprilia-Boss beruhigt: Prüfen Zeitplan ständig!
Klar ist aber auch: Jeder Hersteller hat seine Limitationen. Läuft Aprilia also Gefahr, auf der Jagd nach dem MotoGP-Titel 2026 die Entwicklung der neuen Motorradgeneration aus den Augen zu verlieren? "Wir checken jeden Tag, ob wir im Zeitplan liegen. Und momentan sieht es gut aus", gibt sich Bonora selbstbewusst.
KTM-Testfahrer, der die neue Motorradgeneration bereits selbst bewegte und auch die Prototypen der Konkurrenz im Einsatz sah, rechnet hingegen mit einem klaren Vorteil für Ducati beim Start in die neue Ära. Warum, das erfahrt ihr in unserem Video:



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