Dass der schwache V4-Motor von Yamaha auf der ewig langen Start-Ziel-Geraden von Mugello ein Problem werden könnte, war ohnehin klar. Doch die Piloten erleben in Italien auch darüber hinaus ein Debakel. Fabio Quartararo gibt das Wochenende bereits am Samstag auf.
Fabio Quartararo gibt auf: Will mit nur nicht verletzen
"Es ist traurig. Vor fünf Jahren bin ich hier fast eine halbe Sekunde schneller gefahren. Von FP1 an war das Gefühl sehr schlecht. Die Front rutschte nur herum. Ich versuchte zu pushen, aber jetzt habe ich eigentlich nur noch die Einstellung, dass ich nicht stürzen möchte. Ich will mich nicht verletzen. Wir wissen, dass wir verloren sind", lautete die Abrechnung von 'El Diablo' nach dem MotoGP-Sprint in Mugello. Den Bericht zum Rennen gibt es hier:
Der Franzose ist eigentlich dafür bekannt, dass er auch aus dem schwachen Motorrad noch einiges herausholen kann. 37 WM-Punkte belegen dies eindrucksvoll. Aber in Mugello gibt er einfach auf. Die M1 verhält sich so schlecht, dass sie kein Risiko rechtfertigt: "Natürlich gehört es zu meinem Beruf, mein Bestes zu geben. Aber in den schwierigen und gefährlichen Kurven habe ich heute nicht zu 100 Prozent gepusht. Es ist doch egal, ob ich 15ter, 16ter oder zwölfter werde, besonders im Sprint."
Yamaha in Mugello katastrophal: Kein Grip, kein Gefühl, keine Motorleistung
Die Aufgabe jeglichen sportlichen Ehrgeizes brachte natürlich eine erneute Nachfrage unserer Journalistenkollegen mit sich. Doch der Weltmeister von 2021 ruderte nicht zurück. Er rechtfertigte sich erneut: "Es gibt Situationen, da macht ein Kampf um Rang 12 Spaß. Aber in diesem Rennen, wenn du fast zwei Sekunden pro Runde verlierst, dann willst du gar nicht mehr pushen. Wenn du näherkommst und du das Gefühl hast, dass noch was Gutes gehen kann, dass du zu 100 Prozent gelangen kannst, dann willst du pushen. Selbst wenn du langsam bist, kann es Spaß machen, das Limit zu finden. Jetzt ist es aber nur ein Albtraum. Deswegen ist es nicht nötig, es zu übertreiben."

Letztlich kam er auf Platz 14 ins Ziel, mit über 20 Sekunden Rückstand nach elf Rennrunden. Sein Motorrad ist in Mugello ein einziges Defizit: "Erstmal ist natürlich der Motor extrem langsam. Aber dann ist da auch das Einlenken und der Grip, den wir hier leider einfach nicht haben auf dieser Strecke, obwohl wir ihn bräuchten." Wo diese Misere nach ermutigenden Leistungen der letzten Rennen herkommt, bleibt auch nach zwei Tagen in der Toskana ein Rätsel. Nur eines schließt Quartararo aus: "Es hat nichts mit der Natur des V4-Motors zu tun. Alle fahren damit und was die anderen Bikes können, liegt nicht am V4."
Alex Rins niedergeschlagen: Pushe höllisch und bin Letzter
Sowohl freitags als auch samstags stand Quartararo auch erstmals in dieser Saison im Schatten von Teamkollege Alex Rins. Doch wer nun glaubt, dass sich der Spanier über den markeninternen 'Sieg' freut, der liegt falsch. "Nein, heute bin ich ehrlicherweise nicht glücklich. Gestern war ein guter Tag, wir schafften es ins Q2. Heute haben wir unsere Zeit von gestern nochmal verbessert, eine 45.0. Aber dann kam ich in die Box und sah auf dem Monitor, dass ich als Letzter auf P12 lag. Das war hart zu akzeptieren, weil ich höllisch gepusht hatte und an mein Maximum ging", berichtete er von seinem Qualifying.
Da hilft es auch nichts, wenn er schneller als die anderen Leidensgenossen ist: "Ich fühle mich wohl auf dieser Strecke und kann einen kleinen Unterschied zu meinen Kollegen rausholen, aber selbst so...wenn du alles gibst, und du siehst dich auf dem letzten Platz. Das ist niederschmetternd."

Schwerfällige Yamaha macht ihre Fahrer fertig: Weiß nicht, wie ich das Rennen schaffen soll
Selbst ein Lob aus der Chefetage konnte die Nummer 42 nicht aufheitern: "Sumi-San [Takahuro Sumi, der Motorsportleiter von Yamaha, Anm. d. Red.], unser Boss aus Japan, hat mir heute zu meiner Leistung gratuliert. Ich habe ihm gesagt: Danke, aber ich bin nicht zufrieden. Ich bin die beste Yamaha, aber das ist nicht genug. Ich möchte das Motorrad verbessern. Ich will ein besseres Bike. Vielleicht ist es auch meine Schuld, dass das meine Einstellung ist. Aber so ist es. Ich gebe auch zuhause jeden Tag alles dafür, um ein besserer Fahrer zu werden. Dann komme ich hierher und finde ein Limit vor."

Auf diesem Motorrad scheint alles Training der Welt nichts mehr zu helfen. Alex Rins graut es bereits vor dem Sonntag: "Es ist Grip am Heck, an der Front, das gesamte Einlenken. Das Bike ist extrem schwerfällig. Ich weiß gar nicht, wie ich das Rennen morgen schaffen soll. Meine Arme sind von heute schon hinüber. Das wird echt hart." Bei solchen Aussagen ist dann wohl auch nachzuvollziehen, warum Quartararo das Wochenende einfach nur noch unbeschadet überstehen möchte.
Während bei Yamaha der Hut brennt, ist Aprilia obenauf. Vom unglaublichen neuen Topspeed-Rekord von Jorge Martin können Quartararo und Rins nur träumen:



diese MotoGP Nachricht