MotoGP

MotoGP: Die größten Transferflops der Geschichte

Unser Rückblick auf die Highlights unserer Printausgabe 2019. Heute: Nicht jeder Fahrer passt zu jedem Team. Einige Piloten lernten das auf die harte Tour.
von Markus Zörweg

5 Cal Crutchlow - Tech3 Yamaha zu Ducati

2013 war das Jahr des kometenhaften Aufstiegs von Marc Marquez. Davon etwas überschattet schaffte aber auch ein anderer Mann den Sprung in die MotoGP-Spitze. Cal Crutchlow fuhr mit Tech3 Yamaha vier Mal auf das Podium, stand zwei Mal auf der Pole Position und musste sich in der Endabrechnung nur den vier Außerirdischen Marquez, Lorenzo, Pedrosa und Rossi geschlagen geben. Die Belohnung für die konstante Leistungssteigerung im Yamaha-Kundenteam schien es für Crutchlow 2014 zu geben. Er unterschrieb bei Ducati und war endlich Werksfahrer in der Königsklasse. Doch was als Traum begann, endete für Crutchlow als Albtraum. Er schaffte es nur in der Hälfte der Rennen ins Ziel, das Mittelfeld war in dieser Saison sein zuhause. Schon in der Sommerpause warf der Brite entnervt das Handtuch und verkündete seine Trennung per Saisonende. Er ging zu LCR Honda, wo er seither wieder regelmäßig an der Spitze mitmischt und bereits drei Grands Prix gewinnen konnte.

4 John Hopkins - Suzuki zu Kawasaki

'Hopper' sorgte 2007 auf der Suzuki GSV-R für Furore. Er erzielte einen vierten Gesamtrang und war damit eine der heißesten Aktien auf dem MotoGP-Transfermarkt für das Folgejahr. Suzuki hätte Hopkins gerne behalten, doch der entschied sich für einen Wechsel zu Kawasaki. "Der Grund dafür ist wohl nicht unsere Performance. Es geht um kommerzielle Dinge", sagte Suzuki-Teamchef Paul Denning damals zum Abgang des talentierten US-Amerikaners. "Es ist wirklich enttäuschend für uns, ihn zu verlieren." Enttäuschend verlief 2008 dann aber nicht für Suzuki, das mit Chris Vermeulen und Hopkins-Ersatz Loris Capirossi immerhin drei Podien einfahren konnte, sondern viel mehr für Hopkins selbst. Der stürzte auf den 16. Rang in der WM ab. Mit Saisonende stellte Kawasaki sein MotoGP-Projekt ein und beendete damit auch Hopkins' Karriere in der Königsklasse. Hopkins schlug sich in den Folgejahren in der WSBK und der amerikanischen sowie britischen Superbike-Meisterschaft durch, große Erfolge waren ihm aber nicht mehr gegönnt.

3 Sete Gibernau - Gresini Honda zu Ducati

Sete Gibernau war in den frühen 2000er Jahren der große Gegenspieler des damals alles überragenden Valentino Rossi. Von 2003 bis 2005 gewann er acht Rennen, stand insgesamt 24 Mal auf dem Podium und wurde zwei Mal Vizeweltmeister. Ein Wechsel zu Ducati für die Saison 2006 sollte es dem damals 32-Jährigen ermöglichen, sportlich noch einmal durchzustarten. Doch daraus wurde nichts. Während Teamkollege Loris Capirossi drei Rennen gewann und in der WM Dritter wurde, blieb Gibernau ohne eine einzige Podiumsplatzierung. Die Saison hatte für ihn nicht schlecht begonnen, doch beginnend mit dem Katalonien GP ereilte den Spanier eine unglaubliche Verletzungsserie. In Barcelona brach er sich das Schlüsselbein und einen Handknochen und verpasste zwei Rennen. Nur zwei Rennen nach seinem Comeback musste er wieder pausieren, da sich die Platte an seinem Schlüsselbein verschoben hatte. In Estoril wurde er schließlich von Casey Stoner in eine Kollision verwickelt, brach sich einen Mittelhandknochen und beschädigte die Platte am Schlüsselbein erneut. Er verpasste das Saisonfinale in Valencia, das zu allem Überfluss sein Ersatz Troy Bayliss gewann. Gibernau beendete daraufhin seine Karriere.

2 Marco Melandri - Aprilia WSBK zu Aprilia MotoGP

Aprilia wagte 2015 die Rückkehr in die MotoGP. Marco Melandri bekam einen der zwei Plätze im Team. Eine gute Wahl, dachte man. Acht Jahre Erfahrung in der Königsklasse auf Maschinen von Honda, Yamaha, Ducati und Kawasaki konnte Melandri vorweisen, fünf Rennen hatte er dabei gewonnen und war einmal Vizeweltmeister geworden. 2010 hatte er sich erstmals aus der MotoGP verabschiedet und fand in der Superbike-WM zu alter Stärke zurück, 2014 gewann er dort für Aprilia sechs Rennen. Da das italienische Bike im ersten Jahr des MotoGP-Comebacks im Wesentlichen eine etwas verbesserte Version des Superbikes war, rechnete man mit einem problemlosen Wechsel Melandris. Das Gegenteil war der Fall. Er bot eine der schlechtesten Leistungen, die man in der MotoGP je gesehen hatte. Nach acht Rennen, in denen Melandri zwei Mal ausfiel und ansonsten nie besser als 18. wurde, war sein Abenteuer in der Königsklasse schon wieder Geschichte. Von 2017 bis zu seinem Karriereende 2019 fuhr Melandri wieder erfolgreich in der Superbike-WM.

1 Valentino Rossi - Yamaha zu Ducati

WM-Titel in der Königsklasse mit drei Herstellern - das hatte in der Geschichte der Motorrad-Weltmeisterschaft noch kein Pilot geschafft. Valentino Rossi machte sich 2011 auf, das zu ändern. Nach drei Gesamtsiegen auf Honda und vier auf Yamaha sollte auch die Krönung auf Ducati folgen, wo man seit 2007 auf einen WM-Titel wartete. Rossi auf Ducati - die italienischen Motorsportfans waren auf Wolke sieben. Die Ernüchterung folgte aber auf den Fuß. Die erste Ausfahrt auf der Desmosedici war ein Schock, Rossi fand kein Gefühl für die zickige Diva aus Borgo Panigale. Daran änderte sich über zwei Jahre hinweg wenig. 'Il Dottore' konnte in seinen WM-Saisons 16 und 17 erstmals kein Rennen gewinnen, insgesamt drei Podien waren das höchste der Gefühle. Rossis Karriere schien zu Ende. Doch er kehrte 2013 zu Yamaha und - was damals kaum jemand für möglich hielt - in die MotoGP-Elite zurück. Sieben Saisons und zehn Grand-Prix-Siege später gibt Rossi nun im Alter von 40 Jahren immer noch Vollgas in der Königsklasse.

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