MotoGP / Kolumne

Edgar Mielke: Edgar Mielke nimmt Abschied von Luis Salom - Mielke: Flag 2 Flag - Mach's gut mein Freund!

Luis Salom war nicht nur ein hervorragender Rennfahrer, sondern vor allem ein herzensguter Mensch. Edgar Mielke durfte das aus nächster Nähe miterleben.
von Edgar Mielke

Motorsport-Magazin.com - Das unreale Empfinden, als ich am Freitag per Telefon die Nachricht aus Barcelona bekam, werde ich nie in meinem Leben vergessen. Luis Salom ist tot. Der Schock hält immer noch an und die Gedanken drehen sich nur um einen der großartigsten Typen, die ich in meinem Leben kennen lernen durfte. Und die folgenden Zeilen fallen schwer. Es soll auch kein Nachruf sein. Kein Nachruf dieser Welt könnte Luis gerecht werden. Deshalb hab ich mich nach langem Nachdenken dazu entschieden, eine gemeinsame Episode aus der Freundschaft zu 'Mexicano' zu beschreiben. Denn ich möchte, dass die, die Ihn nicht so gut kannten wie ich, wissen, was Luis Salom für ein besonderer Mensch war. Und bevor ein empörter Aufschrei erfolgt: Dies geschieht mit ausdrücklicher Genehmigung seiner Familie und aller im Folgenden erwähnten Personen.

Die Geschichte beginnt, als es gelang, meine beiden leider gehandicapt zur Welt gekommenen Freunde Dominique und Patrick Siede mit meinem Freund Luis bekannt zu machen. Die beiden Zwillinge, die an spastischer Tetraparese leiden und auf Ihre Rollstühle angewiesen sind, verstanden sich auf Anhieb blendend mit dem Rennfahrer mit der Nummer 39. Und Luis Salom war ebenso begeistert vom schwarzen Humor und dem MotoGP-Fachwissen der beiden. Offenbar hatten sich da ein paar Seelenverwandte getroffen. Luis Salom hatte wie immer vor nichts Angst. Auch nicht vor dem, für ihn völlig normalen, Umgang mit zwei körperlich schwer benachteiligten, aber geistig hellwachen Individuen. Ohne jegliche Scheu entwickelte der Rennfahrer ständig neue Ideen, um seinen neuen Fans die Kraft zu geben, ihr Schicksal etwas besser zu meistern.

Edgar Mielke knüpfte die Freundschaft zwischen Luis und den Zwillingen - Foto: Ozan Kutay

Dazu muss man wissen, dass Luis Saloms geliebter Bruder ebenfalls ein Handicap hat . Und dies hat Luisito vielleicht geprägt. Behinderungen? Nein, es gab für Luis Salom keine behinderten Menschen. Lediglich gehandicapte. Und okay, weder sein Bruder noch seine Freunde Dominique und Patrick werden jemals in der Lage sein, ein Rennen zu fahren. Dann macht es eben Luis für sein Umfeld. Und holt Podestplätze. Und gewinnt Rennen. Auch für die, die ihm wichtig waren. Denn Luis Salom war einer, der gerne gegeben hat. Und zwar Freude, Liebe und vor allen Dingen Kraft. Er hatte die Fähigkeit, Menschen zum Lachen zu bringen und etwas glücklicher zu machen. Im Falle der Zwillinge im Rollstuhl ist ihm das auf jeden Fall beeindruckend gelungen. Knie-Slider und ähnliche Dinge waren ab sofort tolle Geschenke für die beiden Jungs, die mit ihren von schwarzem Humor geprägten SMSen Luis oft zum Lachen brachten.

In memoriam: Mielke interviewt Luis Salom: (02:35 Min.)

Die gemeinsamen Treffen waren immer absolute Highlights für alle Beteiligten. Und daraus wurde mehr. Viel mehr. Luis sorgte mit seiner Mutter Maria dafür, dass die Twins, wenn immer es möglich war, etwas erlebten. Etwas Besonderes teilen konnten. Und der Freundeskreis wuchs über die Jahre. Ausgehend von der Kraftquelle Luis Salom kamen noch etliche andere dazu. Luis' Teamkollege Jesko Raffin, dessen Chef-Techniker Michael Ferger und Salom-Manager und Freund Marco Rodrigo. Sicherlich auch durch seine Erfahrungen mit seinem Bruder in den eigenen vier Wänden sensibilisiert, wusste 'Mexicano' ganz genau, was er da tat. Wenn er den Jungs 'Gute Nacht' wünschte genauso, wie wenn er Ihnen T-Shirts mit seinem Logo schenkte. Wer das Privileg hatte, das beobachten zu dürfen, kam nicht umhin, beeindruckt zu sein. Von der Kraft, die Luis Salom der ganzen Familie Siede gab. Die ebenfalls ordentlich zurückgegeben hat. In der Schule wurde mal eben kurz die beste Zeichnerin für eine Kohle-Zeichnung aktiviert, die Luis auf dem Bike in Action zeigte. Beim am Sachsenring ansässigen Modelabel 'Born 2B Awesome' wurden spezielle Salom-Shirts und Mützen angefertigt. Ein extrem positives und erfreuliches Energiefeld, welches in beide Richtungen funktionierte. Mit unvergesslichen Momenten.

Mit allen Wassern gewaschene Fahrerlager-Haudegen wie Tony Congram von der IRTA hatten Tränen in den Augen, als Luis Salom seine beiden Freunde am Sachsenring aus dem Rollstuhl ins BMW-Safety-Car beförderte, um ihnen eine Runde Sachsenring mit ihm zusammen zu ermöglichen. Viele haben diese Aktionen mit bekommen, weil es öffentlich war. Aber Luis Salom hat es geschafft, dass jedem klar war, dass es keine Image-Geschichten eines Profis waren, um Punkte in der Wahrnehmung und bei der öffentlichen Darstellung zu sammeln. Eher dezent hat er über seine Beziehung zu den Zwillingen auf seinen Social-Media-Kanälen berichtet. Das Private war viel wichtiger. Und vor allen Dingen der gegenseitige Respekt.

Luis Salom umrundete mit den Twins den Sachsenring im Safety Car - Foto: Nancy Siede

Als einer der Dorna-Offiziellen die beschriebene Safety-Car-Fahrt verhindern wollte, wurde Luis Salom mal kurz unwirsch. Und zu dem Vulkan, der er manchmal, zum Beispiel nach einem Sturz, für jeden Zuschauer sichtbar auf der Rennstrecke wurde. Und so fuhr Luis Salom zusammen mit Lucio Cecchinello und den Twins Safety Car am Sachsenring. Und beschrieb Ihnen dabei, wie es dort auf der Strecke mit dem Bike ist. Eine durch nichts zu ersetzende Erfahrung für alle Beteiligten. Die Twins, bewaffnet mit den neuen Uhren im Luis-Salom-Design, hatten einen unbeschreiblichen Spaß. So nah ran waren sie an Ihr Lieblings-Hobby MotoGP noch nie gekommen. Die, die nur zugeschaut hatten, wie Luis' Mutter und der Verfasser dieser Zeilen, trafen sich zum gemeinschaftlichen Heulen hinter dem nächsten LKW. Tränen der Freude. Quasi 'Ziemlich beste Freunde' im MotoGP-Fahrerlager. Wer den Film gesehen hat, weiß was gemeint ist.

Das wird nie wieder so sein. Die Energiequelle Luis Salom ist erloschen. Was bleibt, sind die Erinnerungen, und Luis hätte gewollt, dass alle Beteiligten nach vorne schauen. Und mit einem Lächeln im Gesicht an die erlebten Momente denken. Denn sie waren wunderschön. Als er den Twins seine Lederkombi schenkte genauso, wie der Moment, als er sich von seinem gerade am Sachsenring erkämpften Pokal getrennt hat. Abseits der Kameras wohl gemerkt. Ein privates Geschenk unter Freunden. Ich behaupte, es gibt nicht viele Profis, die so etwas tun, um Schwächeren Kraft und Mut zu geben.

Luis übergibt seinen Pokal an Dominique und Patrick - Foto: Edgar Mielke

Luis Salom ist nicht zu ersetzen. Was bleibt, ist der Stolz, diesen außergewöhnlichen Menschen gekannt haben zu dürfen.

Danke Luis.

Euer Eddie


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