Der 20-fache Grand Prix Sieger Ralf Waldmann gehörte in den 90er Jahren zur Weltelite der 125ccm- und 250ccm-Klassen und wurde zwei Mal Vizeweltmeister. Noch heute ist der Ennepetaler in verschiedenen Funktionen an den Rennstrecken tätig, unterstützte 2011 zum Beispiel das Freudenberg Racing Team in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft IDM 125 als Riding Coach.

Nach dem tödlichen Unfall von Marco Simoncelli am vergangenem Wochenende in Malaysia, versuchte Waldmann eine Erklärung zu finden, hatte damit aber auch seine Mühen. Gerade das Verlieren des Helmes sorgte für Fragen. "Ich habe einen etwas verzweifelten Versuch für eine Erklärung, mehr eine Spekulation", sagte er der Welt. "Marco war berühmt für seine unglaubliche Lockenpracht. Er liebte seine 70er-Jahre-Frisur." Waldmann vermutet, dass Simoncelli deswegen ein/zwei Helmgrößen höher als mit Kurzhaarfrisur wählen musste.

Rennfahrer würden aber immer darauf achten, dass der Helm richtig eng und fest auf dem Kopf sitzt, so Waldmann. "Das hat Marco sicher auch getan, aber vielleicht haben die Haare das ja minimal verhindert. Noch mal, es ist eine Spekulation." Dass der Italiener den Helmgurt nicht richtig geschlossen habe, kann sich der Ennepetaler nicht vorstellen. "Das passiert nicht. Das Aufsetzen des Helmes ist eine der Sachen, die Fahrer akribisch machen."

Doch Waldmann betont ebenso, dass Simoncelli bei diesem Unfall auch mit einer anderen Frisur keine größere Chance gehabt hätte. Die einzige Möglichkeit um so etwas zu verhindern, sieht Waldmann derweil im Verbot von Motorradrennen. "Aber dann gibt es ganz schnell Probleme", fügt er an. Denn wo beginnt man mit dem Verbot und wo hört man auf. "Dürfen sie noch Rad fahren, wo es in diesem Jahr beim Giro in Italien einen tödlichen Sturz gab?", fragt Waldmann. Auch Bobfahren, Reiten, Bergsteigen und Marathon laufen stellt er in Frage. "Es gibt immer ein Restrisiko." - Und: "Ein Unfall mit dem Fahrrad in einer Siedlung kann genauso tragisch sein, niemand außer den Angehörigen und Nachbarn bekommt davon aber etwas mit." Der Profisport stehe halt im Rampenlicht.

Waldmann stellt aber auch klar, dass die Situationen mit den kleineren Maschinen der 125ccm/Moto3- und Moto2-Klassen nicht minder gefährlich sein können. Schließlich erreiche man in der Achtelliterkategorie auch Geschwindigkeiten von 200 km/h. "Das ist schnell genug, um sich in verdammt unangenehme Situationen zu bringen. Rennen fahren mit Tempo 50 funktioniert nicht."