Porsche dominiert unter Flutlicht: Pascal Wehrlein hat sich beim ersten von zwei Nachtrennen der Formel E an diesem Wochenende in Saudi-Arabien den Sieg gesichert und übernimmt zum ersten Mal in dieser Saison die WM-Führung. Für den Deutschen, der zudem den Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde in den Top-10 einfuhr, ist es der neunte Sieg in der Elektroweltmeisterschaft und der erste nach zehn Monaten Durststrecke. Auch das Porsche-Werksteam insgesamt hatte zuletzt beim Miami ePrix im April 2025 einen Sieg eingefahren.

“Die Weltmeisterschaft ist aktuell noch nicht wichtig“, so Wehrlein im Anschluss. „Aber ich wollte diesen Sieg wirklich. Es ist eine Weile her und es ist schön, so zurückzuschlagen.“ Für Wehrlein dürfte der Triumph zu seinen dominanteren Siegen in der Formel E gehören. In der für gewohnt an der Spitze extrem engen Weltmeisterschaft konnte sich der Weltmeister von 2024 um ganze 2,677 Sekunden gegen Pole-Setter Edoardo Mortara im Mahindra durchsetzen.

Wehrlein setzt sich früh ab, Porsche untermauert WM-Führung

Wehrlein, der das Rennen von Platz drei in Angriff genommen hatte, hatte bereits früh die Führung übernommen und setzte sich nach seinem Pit-Boost-Boxenstopp mit Attack Mode zum Ende des zweiten Renndrittels zunehmend vom restlichen Feld ab. In der 22. von 32 Rennrunden lag er bereits rund drei Sekunden vorne, in der 24. Runde sogar zwischenzeitlich sieben Sekunden. Bis ins Ziel kam keinerlei ernsthafte Gefahr mehr auf.

Hinter Mortara komplettierte Miami-Sieger Mitch Evans (Jaguar) das Podium. Evans lag dabei noch einmal weitere rund viereinhalb Sekunden zurück. Wehrleins Porsche-Teamkollege Nico Müller machte auf Position vier ein überaus gelungenes Resultat für die Zuffenhausener perfekt und untermauerte damit zudem auch Porsches andauernde WM-Führung in der Team- und Hersteller-Wertung.

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Nick Cassidy schlägt wieder mit Aufholjagd zu, Maximilian Günther wird durchgereicht

Müllers Porsche-Vorgänger Antonio Felix da Costa im zweiten Jaguar-Boliden schloss die Top-5 ab. Nick Cassidy (Citroen-DS), der bislang die WM angeführt hatte, arbeitete sich nach einem schwierigen Rennen mit einer späten Attack-Mode-Strategie noch auf Rang sechs nach vorne. Selbiges galt für Sebastien Buemi (Envision-Jaguar), der sich auf Rang sieben direkt vor Cassidy-Teamkollege Jean-Eric Vergne platzierte.

Ein bitteres Rennende erlebte hingegen ein Quintett angeführt von Jake Dennis (Andretti-Porsche) auf P9. Diese Piloten hatten dem Rennen lange Zeit im Bereich der Podiumsplatzierungen ihren Stempel aufgedrückt, wurden jedoch im Schlussspurt durchgereicht, nachdem sie schon früh ihre Attack Modes verwendet hatten und so verwundbar waren. DS-Penske-Pilot Taylor Barnard staubte als Zehnter gerade so noch einen Punkt ab.

Dem Deutschen Maximilian Günther auf P11, der zu Rennbeginn noch geführt hatte, war dieses Glück hingegen wie Dan Ticktum (Kiro-Porsche, P12) und Norman Nato (Nissan, P13) nicht mehr vergönnt. Für den amtierenden Weltmeister Oliver Rowland im zweiten Nissan ging seine Strategie mit einem frühen Boxenstopp ebenfalls nicht auf. Der Brite erreichte im Ziel nur den 17. Platz und blieb somit zum zweiten Mal in Folge punktlos.

Maximilian Günther bei der Formel E in Saudi-Arabien
Maximilian Günther verpasste die Top-10, Foto: IMAGO / Andreas Beil

Abt wieder ohne Punkte, De Vries bleibt bei Start stehen

Auch Lola Yamaha Abt rund um das deutsche Team Abt Sportsline blieb zum dritten Mal in Folge ohne Zähler, nachdem Routinier Lucas Di Grassi nur 16. wurde. Zane Maloney stellte seinen Boliden währenddessen bereits in der ersten Runde zwischen den Kurven 7 und 8 ab, nachdem an seinem Auto in Folge eines Kontakts mit Pepe Marti (Kiro-Porsche) die linke vordere Radaufhängung gebrochen war. Auch Marti musste nach dem Kontakt mit einem Reifenschaden an die Box kommen und fiel ans Ende des Feldes zurück. Der Vorfall, der nach einer Untersuchung der Rennleitung ohne eine Bestrafung blieb, löste eine Safety-Car-Phase aus, bevor das Rennen nach drei Runden wieder aufgenommen werden konnte.

Den Äbte, die seit 2014 mit nur einem Jahr Pause ununterbrochen in der Formel E an den Start gehen, droht derzeit das Ende in der Rennserie, nachdem Partner Lola Cars vor Kurzem die Trennung zum Saisonende bekanntgegeben hatte. Alle Details könnt Ihr hier nachlesen:

Für eine kuriose Szene sorgte gleich zu Beginn des Rennens Nyck de Vries (Mahindra), der beim sogenannten Burnout aus der Startaufstellung in seine Startbox nicht vom Fleck kam und somit für eine kurze Verzögerung des Starts sorgte. Der ehemalige Formel-1-Pilot wurde in die Boxengasse zurückgeschoben und nahm das Rennen nicht mehr in Angriff.

Pit Boost gibt Debüt 2026

Als erster Double-Header des Jahres stand in Saudi-Arabien auch das erste Rennen mit dem noch recht neuen Pit Boost auf dem Programm. Bei diesem erhalten die Fahrer bei 34 Sekunden Mindeststandzeit 3,85 Kilowattstunden zusätzliche Energie, was etwa zehn Prozent eines vollen Akkus entspricht.

Die Pit-Boost-Rennen kommen dabei in diesem Jahr mit einigen Neuerungen einher. Am signifikantesten ist hierbei, dass in diesen die Fahrer nicht mehr wie im vergangenen Jahr die üblichen zwei insgesamt achtminütigen Attack Modes zusätzlich zum Pit Boost verwenden dürfen, sondern nur noch einen sechsminütigen Attack Mode. Davon erhoffen sich die Verantwortlichen insgesamt weniger chaotische und übersichtlichere Rennen mit Pit Boost als im Vorjahr, wo die teilweise wilden Rennen nicht selten für Kritik gesorgt hatten. Zumindest im Hinblick auf das Jeddah-Rennen ging diese Rechnung auf. Der Pit Boost kommt das nächste Mal am 02. Mai in Berlin zum Einsatz.

Formel E 2026: So geht es weiter

Bereits morgen findet um 18:04 Uhr deutscher Zeit das zweite Rennen auf dem aus der Formel 1 bekannten Kurs in Jeddah statt, für welches anders als heute nur 30 reguläre Rennrunden angesetzt sind. Zudem kommt der Pit Boost im Samstagsrennen nicht mehr zum Einsatz. 2026 stehen 17 Rennen an 11 Austragungsorten im Rennkalender.