Formel E

Formel E: Dicke Luft bei Daniel Abt nach verlorenem Sieg

Daniel Abt fühlt sich beim Finale in New York um den Sieg gebracht. Stattdessen jubelt Audi-Teamkollege Lucas di Grassi. Jetzt geht es um den Team-Titel.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Dicke Luft bei Daniel trotz Podestplatz beim Formel-E-Finale in New York! Der Audi-Pilot fühlte sich beim Samstagsrennen in den USA offenbar um den Sieg gebracht. Den sicherte sich stattdessen Teamkollege Lucas di Grassi und machte damit den zweiten Doppelsieg des deutschen Herstellers in dieser Saison perfekt.

Dabei hatte es lange nach dem dritten Sieg von Abt ausgesehen. Bis zur 23. Runde führte der Kemptener das Rennen souverän an. Ein kleiner Fahrfehler in Kurve 6 ermöglichte di Grassi den Angriff - der entthronte Formel-E-Champion nutzte seine Chance eiskalt und gewann wenig später sein zweites Rennen in Folge.

Abt musste sich stattdessen mit dem zweiten Platz begnügen. Kurz nach Rennende war der 25-Jährige derart angefressen, dass er nicht einmal TV-Interviews geben wollte. Erst später auf der Pressekonferenz meldete sich Abt zu den Vorfällen rund um seinen Teamkollegen zu Wort.

Abt: Falsche Kommunikation?

Abt: "Vor dem Boxenstopp wusste ich, dass Lucas hinter mir war. Uns wurde gesagt, dass wir nichts riskieren und es locker angehen lassen sollen. Dann kamen wir an die Box und auch danach wurde uns gesagt, die Positionen zu halten. Leider war das nicht der Fall. Ich weiß nicht, ob es sich da um falsche Kommunikation oder irgendwas handelte."

Abt weiter: "Ich bin ein bisschen enttäuscht. Natürlich habe ich einen Fehler gemacht. Aber ohne den Call hätte ich mich ganz anders verteidigt. Ich freue mich für Audi, aber ich kann nicht hier sitzen und wie verrückt grinsen."

Di Grassi: Daniel hat einen Fehler gemacht

Abt blieb in der Folge dicht an di Grassi dran, für einen Konter reichte es aber nicht mehr aus. Ein schwerer Unfall von Virgin-Pilot Alex Lynn zehn Runden vor Schluss samt anschließender Safety-Car-Phase kostete weitere Zeit. Beim Re-Start verteidigte di Grassi die Führung hatte beim Zieleinlauf weniger als eine Sekunde Vorsprung auf seinen deutschen Teamkollegen.

Di Grassi zur heiklen Situation und seinem entscheidenden Überholmanöver: "Daniel hat einen Fehler gemacht beim Anbremsen auf Kurve 6. Er kam ein bisschen weit raus in den Staub, seine Reifen waren dann schlecht für das neue Streckensegment mit der dreifachen Rechtskurve. Ich wusste, dass das ein guter Moment für den Angriff war und da habe ich ihn überholt."

Formel E New York 2018: Wiederholung des 1. Rennens: (06:48 Min.)

Audi auf eigenem Planeten

Die Pace beider Audis, die in New York völlig überlegen waren, sei laut di Grassi während des Rennens ähnlich gewesen. Der Drittplatzierte Sebastien Buemi meinte später, Audi sei wie auf einem eigenen Planeten gefahren.

"Der zweite Stint war ein bisschen merkwürdig", sagte di Grassi weiter, der das Rennen vom elften Platz aufgenommen hatte. "In der Formel E macht es keinen Sinn, wie in anderen Serien einen Vorsprung herauszufahren. Wenn etwas passiert, hast du dafür Energie verbraucht. Bei einem Safety Car ist der Vorsprung dann weg und du hast keine Energie mehr übrig. Ich wollte sicherstellen, dass Daniel so weit hinter mir ist, dass er nicht angreifen kann."

Und weiter: "Er hat mich angegriffen, aber ich habe mich verteidigt. Dann kam der große Unfall von Lynn. Danach war es ein Vollgas-Rennen, ganz anders als davor. Einfach nur Vollgas. Ich konnte eine Lücke von 1,5 Sekunden herausfahren und diese in den letzten Runden bewahren."

Audi kämpft um erste Team-Meisterschaft

Nun gilt es für Abt, den Ärger über den verlorenen Sieg so schnell wie möglich zu verdauen. Am Sonntag (21:00 Uhr live auf Eurosport) steht das zweite Rennen in New York auf dem Plan. Audi hat gute Chancen, die vierte Saison der Formel E mit dem Gewinn der Team-Meisterschaft zu beenden. Der Rückstand auf Spitzenreiter Techeetah mit dem neuen Fahrer-Champion Jean-Eric Vergne beträgt nur noch fünf Punkte. Für Audi wäre es der erste Team-Titel in der Elekto-Rennserie, nachdem zuvor dreimal Renault siegreich gewesen war.

"Wenn wir ein sauberes Rennen haben, stehen unsere Chancen gut, den Titel zu gewinnen", sagte Abt. "Ein weiterer Doppelsieg wäre toll, dann können wir sehr stolz sein. Natürlich hätten auch wir gern um die Fahrer-Meisterschaft gekämpft, aber der Titel ging an Jean-Eric Vergne. Er hat es verdient, er ist eine tolle Saison gefahren."


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