Rein leistungstechnisch betrachtet gehören die ersten vier Positionen in diesem Jahr eigentlich Ferrari und McLaren. Das dem nicht immer so ist, ist für die Fans und die anderen Teams klarerweise eine Wohltat. Auch Fernando Alonso hatte nach dem Freitag höchstens mit Rang fünf im Qualifying von Fuji gerechnet, nach Q1 und Q2 sogar noch mit weniger. Deswegen bezeichnete er Startplatz vier dann auch als angenehme Überraschung. "Das Auto war mit mehr Benzin an Bord besser. In Q1 und Q2 war das Auto bei der Abstimmung nicht perfekt. Normalerweise stimmen wir das Auto im dritten Training für das Qualifying ab. Heute hat es aber geregnet, also sind wir mit dem Setup von gestern gefahren, das für längere Runs mit viel Benzin war. Das hat in Q3 dann wohl ein wenig glücklich geholfen", erklärte der Spanier.

Auch eine Rolle gespielt hatten die Reifen, wobei er da keinen größeren Unterschied beim Grip zwischen viel und wenig Benzin bemerkt hatte als sonst. Allerdings war der Unterschied zwischen Prime und Option sehr groß. "Wir mussten schon in Q1 den Option nehmen, damit wir durchkamen. In Q3 begannen wir dann mit dem Prime und als wir den Option drauf taten, wurde ich sieben Zehntel schneller. Das Auto lief heute mit dem Option viel besser für uns." Für den Sonntag wollte er die Erwartungen aber klein halten, denn ihm war klar, dass der Renault auch weiterhin langsamer als die Ferrari und die McLaren ist. Er wäre schon froh, wenn er hinter ihnen ankäme, meinte er. "Für ein Podest werden wir Glück brauchen, denn heutzutage ist die Zuverlässigkeit sehr hoch, es gibt kaum Ausfälle. Wir haben die Pace nicht, also brauchen wir viel Glück."

Keine Einmischung in den WM-Kampf

Und als Zünglein an der Waage im WM-Kampf wollte Alonso auch nicht gelten, weswegen er schon prophezeite, Felipe Massa nicht zu viele Probleme machen zu wollen, sollte er attackieren. Generell konnte er nur sagen, dass in der WM noch viel passieren könne, da ein Defekt ständig möglich sei, so wie er Massa auf dem Weg zum Sieg in Ungarn passiert ist. Aus eigener Erfahrung wusste er, dass man als WM-Anwärter oder auch Favorit am Rennwochenende eigentlich immer nur bete, dass das Auto am Sonntag über die Ziellinie kommt.

Zu den Favoriten zählt Alonso aktuell zwar nicht, er hatte in den vergangenen Rennen aber den passenden Aufwärtstrend bei Renault gesehen. Zwar sei man in Singapur etwas besser aufgestellt gewesen als in Fuji, aber generell sei die Position im Feld viel besser als vor vier oder fünf Rennen. "Das sind gute Neuigkeiten für uns und ich freue mich jetzt auf das Rennen morgen, auf Shanghai und auf Brasilien. Für das Team und mich ist das eine gute Motivation", erklärte der Spanier. Dass Renault so stark werden könnte, damit hatte er zu Saisonbeginn und auch zu Saisonmitte noch nicht gerechnet. "Aber wir sind jetzt schon vier oder fünf Grands Prix konstant hinter Ferrari und McLaren, das ist besser als erwartet."

Es dürfte unvorhersehbarer werden

Und im kommenden Jahr rechnete er damit, dass alles noch enger wird, nicht nur der Rückstand von Renault zur Spitze. "Bereits die Regeländerungen der vergangenen Jahre waren gut, damit es im Feld enger geworden ist." Dazu zählte er die Einheitsreifen, die Einschränkungen der Aerodynamik und auch die Einheitselektronik. "Am Ende wird es dann vielleicht eher wie die GP2 als die Formel 1. Das wird die Rennen sehr unvorhersehbar machen und die Fans genießen das vielleicht mehr", sagte Alonso. Das Auto werde aber natürlich weiter Teil des Erfolges bleiben, nur gebe es mehr Variablen, die eine Rolle spielen. "Es gab dieses Jahr schon viele Sieger und das wird nächstes Jahr vielleicht wieder so. Man muss jetzt die kleinen Dinge finden. Vorher lag es nur am Auto, jetzt auch an Setup, Glück und einer klugen Strategie."