Nick, wie schätzt Du den Verlauf des Großen Preis von Italien aus Sicht eines Reifentechnikers ein?
Nick Shorrock: In den vergangenen Wochen haben wir bei Michelin sehr intensiv daran gearbeitet, die Performance unserer Reifen für die entscheidende Qualifying-Runde zu verbessern. Nach dem Grand Prix in Indianapolis erkannten wir, dass wir diesbezüglich in einen kleinen Rückstand von rund 0,2 Sekunden geraten waren - was sich angesichts der hohen Konkurrenzdichte, die in der Formel 1 derzeit herrscht, speziell für unser Partnerteam Renault nachteilig auswirkte und auch ihre Rennstrategie negativ beeinflusste. Nach dieser Analyse haben wir den Sommer damit verbracht, uns in diesem Bereich weiter zu verbessern. In Monza hatten wir für alle unsere Partner ein so breites Angebot an unterschiedlichen Pneus dabei wie noch nie zuvor in dieser Saison. Und diese Produkte haben sich bewährt.

Lässt sich dieser Entwicklungssprung beziffern?
Nick Shorrock: Ich denke, dass wir je nach Ausgangssituation und jeweiligem Reifen zwischen 0,1 bis 0,3 Sekunden pro Runde gefunden haben, ohne dabei Nachteile in puncto Konstanz der Leistungsfähigkeit in Kauf zu nehmen, denn dies zählt schon das ganze Jahr über klar zu unseren Stärken. Kimi Räikkönen fuhr in Italien auf den zweiten Rang, und für Fernando Alonso wäre die dritte Position trotz jener Strafe möglich gewesen, die ihn auf den zehnten Startplatz versetzt hatte. Damit können wir durchaus zufrieden sein.

Wirken sich diese Verbesserungen nur für den italienischen Grand Prix aus, oder kommen sie den Partnerteams von Michelin für den Rest der Saison zugute?
Nick Shorrock: Von dieser Weiterentwicklung werden wir auch bei den noch ausstehenden drei Formel 1-Rennen dieses Jahres profitieren, dies stimmt uns so optimistisch. Die Testfahrten in der vergangenen Woche haben den Fortschritt, den wir für Monza erzielt haben, klar bestätigt. Zum Teil lieferten die neuen Pneus sogar noch positivere Ergebnisse als in Monza.

Bis zum Finalrennen in Brasilien gibt es nicht mehr viele Gelegenheiten für weitere Testfahrten. Wie zuversichtlich bist Du?
Nick Shorrock: Sehr. In dieser Woche sind wir zusammen mit Renault noch einmal in Silverstone aktiv und führen unsere aggressives Entwicklungstempo weiter fort. Wir stehen natürlich unter Druck, aber das ist ganz normal, wenn du um die Weltmeisterschaften kämpfst. Drei Rennen vor dem Saisonende hat das Titelrennen praktisch wieder bei null begonnen. Wir setzen alles daran, um Renault den entscheidenden Vorsprung zu bieten. Aber dies ist bei weitem noch nicht alles, denn aus unserer Sicht ist es ebenfalls von großer Bedeutung, dass BMW am Ende in der Konstrukteurswertung vor Toyota liegt und Kimi Räikkönen sowie Giancarlo Fisichella in der Fahrertabelle Felipe Massa hinter sich lassen.