Nach jedem Sieg leiert Ferrari in seinem Pressetext voller Stolz seine nun verbesserte Statistik herunter: "Das ist Sieg Nummer 189 aus 737 Rennen", heißt es dort. "Felipe holte seinen ersten Sieg aus sechsundsiebzig Rennteilnahmen."

Natürlich stimmten auch die Teamoberen und selbst Michael Schumacher in die Lobeshymnen auf den Siegdebütanten ein. "Wir sind sehr glücklich für Felipe", sagte Jean Todt. "Das war ein fantastisches Ergebnis für Felipe, der außergewöhnlich gut gefahren ist", fügte Ross Brawn hinzu. "Er hat eine fantastische Leistung gezeigt und den Sieg verdient", beendete Michael Schumacher den Jubelreigen.

Dennoch war selbst dem Press Release anzusehen, dass die Mundwinkel der Roten einen harten Kampf mit sich selbst ausfochten - und diesen zu verlieren drohten. Denn statt freudestrahlend nach oben zu schnellen, sanken die Mundwinkel eher gen Boden. Durch Michael Schumachers dritten Platz hinter Fernando Alonso verlor man wichtigen Boden in der Fahrer-WM. Das konnten auch der erste Sieg und der verkleinerte Rückstand in der Teamwertung nicht ausgleichen.

Entsprechend verloren die Verantwortlichen mehr Worte über die rote Niederlage von Istanbul, als über den roten Sieger Felipe Massa. "Wir hatten heute das Potenzial für einen Doppelsieg", trauerte Todt. "Die Tatsache, dass wir unser Potenzial nicht zu 100% ausschöpfen konnten, nimmt uns die Befriedigung Erster und Dritter geworden zu sein." Für Brawn war es frustrierend, dass das Safety-Car ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt auf die Strecke ging. Allerdings konnte man Massa wohl nicht noch länger draußen lassen und musste deshalb den Doppelstopp wagen. Noch frustrierender war jedoch, dass Schumachers Reifen gegen Ende Blasen warfen. "Und das zu einem Zeitpunkt, als es wichtig war die Lücke zu Alonso zu schließen."

Zu allem Überfluss musste Schumacher auch am zweiten Tag in Folge einen Fehler gestehen. "An diesem Wochenende lief es für mich nicht nach Plan - weder gestern noch heute", sagte er. "Das Auto war nervöser als am Freitag und weder die schwere Spritladung noch mein Fehler in Kurve 8 halfen dabei." Nichtsdestotrotz glaubt er "noch immer" daran, dass er den WM-Titel gewinnen kann. Auf die Hilfe seines überglücklichen Teamkollegen, für den heute ein "Traum wahr" wurde, kann er dabei sicher zählen. Massa funkte bereits kurz nach seiner Zieldurchfahrt an die Box: "Sorry for Michael."