So ein Titelkampf ist schon eine tolle Sache. Zwei der besten und vor allem schnellsten Rennfahrer dieses kleinen blauen Planeten kämpfen mit High-Tech-Geschossen um die Krone der Königsklasse des Motorsports. Dabei ist der eine der unumstrittene Altmeister und siebenfache Champion und der andere der amtierende Weltmeister und aufstrebende Jungstar. Der eine fährt für den legendärsten Rennstall der Serie, der andere für das aktuell beste Team. Ein Traum für Marketingstrategen, Drehbuchautoren und nicht zuletzt Journalisten.

Aber ist Renault tatsächlich das beste Team mit dem besten Auto? Ausgerechnet seit dem im Vorjahr Skandal umwobenen US Grand Prix scheint sich das Blatt gewendet zu haben. Seitdem hat Michael Schumacher seinen Rückstand von über 20 Punkten auf nur noch 10 verkürzt. Beim Heimspiel in Frankreich war Renault unterlegen und auch in Hockenheim waren sie weit weg von den Roten. Nur in der Kühle und Nässe von Ungarn konnten sie an die gewohnte Form der ersten Saisonhälfte anknüpfen.

"Ich habe von Spanien bis Kanada vier Rennen in Serie gewonnen. Dann hat Michael dreimal gewonnen und ich Ungarn hätte ich gewinnen sollen - das Blatt wendet sich also wieder", glaubt Fernando Alonso. "Früher oder später werde ich meinen WM-Vorsprung wieder ausbauen können. Es ist nur wichtig am Ende zu gewinnen und meine Zeit wird noch kommen."

In Istanbul scheint es aber noch nicht so weit zu sein. Am Freitag waren die Renault weit abgeschlagen. Michael Schumacher strotzte hingegen vor Selbstbewusstsein. "Ich bin zufrieden, besonders da ich meine schnellste Zeit am Ende der Session und somit auf gebrauchten Reifen erzielt habe - das ist ein gutes Zeichen." Dies bedeute, dass die Bridgestone Reifen sehr gut funktionieren würden.

Ferrari scheint in Istanbul die Nase vorne zu haben., Foto: Sutton
Ferrari scheint in Istanbul die Nase vorne zu haben., Foto: Sutton

Dem musste sogar Alonso zustimmen. "Ferrari war stark, insbesondere Michaels Reifen", gestand der Spanier. "Sie waren sehr konstant und fuhren 29er Zeiten. Das konnten wir nicht." Also Vorteil Rot. Aber für Alonso ist noch nicht aller Tage Abend: Die Franzosen fuhren heute mit viel Sprit, um laut Chefingenieur Pat Symonds ein "Worst-Case-Szenario" im Bezug auf das Reifen-Graining zu testen. "Ferrari scheint momentan etwas zu stark für uns zu sein, aber wir können übernacht am Setup feilen." Zudem erhofft sich Alonso durch die anderen Reifen und eine normale Spritmenge einen Fortschritt. "Noch ist es nicht vorbei", mahnte er.

Alexander Wurz sieht das etwas anders. "Ferrari hat die Nase im Augenblick vorne", analysierte der Österreicher. "Die sind sehr schnell und waren auch konstant. Ich glaube, der Renault hat hier noch ein bisschen Probleme." Dafür sieht der Williams-Tester jemand anderes vorne: "Ich habe ja schon vor dem Wochenende 'superclever' behauptet, dass McLaren hier ein bisschen das Zünglein an der Waage spielen wird, weil sie hier sicherlich schnell sind und sie könnten dem Alonso im Renault durchaus wichtige Punkte wegnehmen." Noch einmal Vorteil Rot.

Für Michael Schumacher sind all dies gute Aussichten. Da macht es doch umso mehr Spaß dem Gegner zumindest öffentlich ein bisschen Mut zuzusprechen. "In Budapest hatten sie die Dämpfer ja auch nicht und da waren sie sehr stark", glaubt Schumacher, dass Renault auch ohne das dämpfende Element in der Fahrzeugnase konkurrenzfähig sein kann. Allerdings herrschten dort völlig andere Bedingungen: Einmal wegen der kühleren Temperaturen und einmal wegen des Regens im Rennen. "Wenn man die letzten Rennen Revue passieren lässt, muss man sagen, dass uns Hitze entgegen zu kommen scheint." Damit scheint der rote Vorteil wohl endgültig besiegelt zu sein.