"Die Lufttemperaturen in der Türkei sind zu dieser Jahreszeit üblicherweise sehr hoch, aber wie wir in Budapest gesehen haben, sind solche Traditionen da, um gebrochen zu werden", beginnt Nick Shorrock, Direktor der Formel 1-Aktivitäten von Michelin, seine Analyse des kommenden Grand Prix. "Der Istanbul Park besitzt eine sehr dichte Asphaltstruktur, die sich seit dem Debütrennen ziemlich verändert haben dürfte. Die Mischung aus langsamen und schnellen Kurven, langen Geraden und dramatischen Höhenunterschieden bezeichnen wir als ,front-limited circuit', also einen Kurs, der besonders die vorderen Pneus fordert. Darauf haben wir unsere Reifenpalette abgestimmt."
Trotz der zwei rennfreien Wochenenden war Michelin nicht untätig: "Unser Entwicklungsprogramm lief in verschiedenen Bereichen weiter. Wir haben sowohl Compounds als auch Konstruktionen daraufhin evaluiert, wie sie unseren sechs Partnerteams am besten weiterhelfen können", so Shorrock.
Die für Istanbul bereitgestellten Reifen rangieren im mittleren bis mittel/harten Sektor der Palette. "Dieses Spektrum haben wir mit unseren Partnern bei den Testfahrten in Jerez Mitte Juli festgelegt", erklärt der Formel 1-Direktor der Franzosen. "die abschließende Entscheidung über die optimalen Produkte fiel dann nach Auswertung der Daten aus Hockenheim und Budapest. Genau wie unsere Partner arbeiten auch wir hart, um ihnen die bestmöglichen Ergebnisse zu ermöglichen."
Das Rennen am Bosporus stellt auch logistisch keine geringe Aufgabe dar: Zu keinem anderen Rennen sind die Trucks aus Clermont-Ferrand so lange auf eigener Achse unterwegs wie in die Türkei.
Der Große Preis der Türkei aus Sicht der Michelin-Partner
Kimi Räikkönen, der Finne in Diensten von McLaren-Mercedes, lobt den Istanbul Park in höchsten Tönen: "Eine großartige Strecke - sie fordert den Autos viel ab und macht Spaß zu fahren. Die verschiedenen Kurventypen und Steigungen wirken sich auf das Set-up nicht besonders aus. Sie machen den Kurs nur interessanter. Es gibt gute Überholmöglichkeiten eingangs der ersten Kurve - wie ich vergangenes Jahr schmerzhaft feststellen musste - und vor dem langsamen Turn 12. Der Leistungsverlust der Reifen über die Distanz liegt im Saisondurchschnitt. Wir werden etwas härtere Mischungen verwenden als üblich - wenn auch nicht so harte wie in Silverstone und Barcelona."
Willy Rampf, Technischer Direktor von Michelin-Partner BMW Sauber F1, erklärt: "Die Reifenwahl wird recht delikat. Wegen der hohen Belastungen in Kurve 8 verwendet man vergleichsweise harte Mischungen. Die Einschätzung der Außentemperaturen ist nicht einfach. Vor einem Jahr hatten wir uns auf große Hitze eingestellt, die dann aber ausblieb. Diese Unsicherheit gibt es jetzt natürlich auch wieder."
Noch schwieriger war diese Aufgabe im Vorjahr, als beide in der Formel 1 vertretenen Reifenhersteller in der Türkei Neuland betraten. "Die Strecke macht es ihnen nicht leicht, denn sie weist einige sehr komplexe Kurven auf", erklärt McLaren-Mercedes-Geschäftsführer Martin Whitmarsh.

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