Kaum hatte Michael Schumacher seinen vierten Saisonsieg in Magny Cours eingefahren, erinnerte sein Titelrivale Fernando Alonso an den letzten roten Doppelschlag in Imola und am Nürburgring; danach gelang der Scuderia nicht der erwünschte Hattrick, stattdessen schlugen Alonso und Renault zurück. Nach den Siegen in Indianapolis und Magny Cours planen die Franzosen für den Deutschland GP in Hockenheim einen ähnlichen Gegenschlag. Ob dieser in der Hitze von Hockenheim in der Höhle der Rotkäppchen gelingen wird?

Renault: 17 Punkte-Vorteil

Der Vorsprung der Franzosen schmilzt: Nur noch 17 WM-Zähler liegt Fernando Alonso vor Michael Schumacher und in der Teamwertung trennen die Gelb-Blauen nur noch 21 Zähler von der Scuderia Ferrari. Das große Problem waren zuletzt die Reifen: Sowohl in Indy als auch in Magny Cours war Bridgestone den Franzosen von Michelin überlegen, vor allem die Hitze macht den Mannen aus Clermont-Ferrand zu schaffen. In Hockenheim wird es nicht minder heiß sein, doch die Franzosen bauen auf die vergangene Testwoche und die Fortschritte aus Jerez. Zudem hofft Chefingenieur Pat Symonds, dass einige neue Motorenteile dem RS26 zu noch mehr Power verhelfen können.

Massa soll sich diesmal vor Alonso halten., Foto: Vodafone
Massa soll sich diesmal vor Alonso halten., Foto: Vodafone

Ferrari: 17 Punkte-Rückstand

Wenn die Teststrategie von Ferrari ein Hinweis auf deren Selbstvertrauen ist, dann sind sie mittlerweile tatsächlich zu alter Stärke zurückgekehrt. Früher war es normal, dass Ferrari nicht mit der Konkurrenz testete, sondern seine Testkilometer in trauter Einsamkeit in Fiorano, Mugello oder Monza abspulte. In der letzten Woche war man an drei Tagen alleine in Le Castellet tätig. Überspitzt formuliert könnte man also sagen: Die Roten sind zurück an der Spitze und wollen sich jetzt nichts mehr abschauen lassen - oder haben sich genug von den anderen abgeschaut... Ob der Verlust der so genannten Masse-Dämpfer, welche die FIA in der letzten Woche verboten hat, tatsächlich ein Vorteil für Ferrari ist, muss sich erst noch herausstellen. Angeblich sollen die Bridgestone-Teams durch geringere Reifenvibrationen weniger von dieser speziellen Dämpfer-Art profitieren als die Michelin-Rennställe.

McLaren: Mindestens ein Sieg im Rückstand

McLaren Mercedes verfolgt immer noch ein großes Ziel: Sie wollen die Saison nicht ohne einen GP-Sieg beenden - und vielleicht auch noch Kimi Räikkönen halten. Das Heimspiel in Hockenheim wäre eine perfekte Bühne für den ersten Saisontriumph der Chrompfeile, allerdings sind Ferrari und Renault noch immer stärker einzuschätzen. Nichtsdestotrotz hat Hockenheim schon einige verrückte Rennen gesehen und zeigte McLaren bei den Jerez-Tests gute Ansätze in Form von Tagesbestzeiten. Vielleicht schlägt ja in Hockenheim die große Stunde von Kimi Räikkönen oder Pedro de la Rosa.

Rubens Barrichello darf sich keine Sieghoffnungen machen., Foto: Sutton
Rubens Barrichello darf sich keine Sieghoffnungen machen., Foto: Sutton

Honda: Viel zu weit im Rückstand

Vor der Saison träumte man in Brackley von regelmäßigen Siegen und dem WM-Titel. Nach der Saisonmitte muss sich das Honda-Werksteam mit Rang 4 in der Teamwertung begnügen und fährt man noch immer dem ersten Sieg hinterher. Zwar will man bei den Jerez-Tests einige Fortschritte erzielt haben, aber einen großen Sprung darf man deshalb nicht erwarten. Vielmehr wird der Kampf um Platz 4 immer härter: Mit Honda, Toyota und BMW Sauber kämpfen gleich drei Teams um die Verfolgerrolle der Top-3. Wenn die letzten Rennen als Maßstab dienen, hat Honda davon die schlechtesten Karten.

Toyota: Kampf dem Rückstand

Beim Saisonstart in Bahrain fuhr Toyota weit hinter den eigenen Erwartungen her. Mittlerweile haben die Weiß-Roten ihren Rückstand verkürzt und sich bis auf WM-Rang 5 nach vorne gearbeitet. Mit etwas mehr Glück und einer besseren Zuverlässigkeit könnten sie bis Saisonende zumindest ihrem Erzrivalen Honda Konkurrenz machen; und Ralf Schumacher träumt ja noch immer von weiteren Podestplätzen und vielleicht dem ersten Sieg. In Hockenheim sollte bei einer Fortsetzung des Aufwärtstrend zumindest eine weitere Punkteplatzierung möglich sein - jede Platzierung vor den Renault würde Ferrari umso mehr freuen...

BMW Sauber: Ein Punkt zurück

In Frankreich lief es für BMW Sauber nicht nach Plan: Nick Heidfeld konnte nur einen WM-Zähler an Land ziehen, weshalb Toyota an den Weiß-Blauen vorbeizog. Für den Rest der Saison erwartet Mario Theissen deshalb einen harten Fight gegen die Japaner. Am liebsten würde man diesen Kampf wohl nur noch auf dem alten Hockenheimring austragen, dessen Streckencharakteristik BMW vor einigen Jahren etliche Erfolge bescherte. Aber auch der umgebaute Kurs sollte dem F1.06 liegen.

Christian Klien fährt um sein Cockpit., Foto: Sutton
Christian Klien fährt um sein Cockpit., Foto: Sutton

Red Bull: Ein Punkt im Vorteil

David Coulthard bezeichnete sein Team zuletzt selbst als "Aasgeier". Wenn es unter den Top8 keine Ausfälle gibt, hat Red Bull Racing derzeit keine Chance auf WM-Punkte. Dennoch liefert man sich ein enges Duell gegen Williams: Die Briten liegen mit nur 10 Zählern genau einen Punkt hinter den roten Bullen. Wer diese Statistik in Hockenheim verbessern kann, steht allerdings noch in den Sternen.

Williams: Sechs Mal ohne Punkte

Der erfolgreichste Rennstall der 90er Jahre erlebt eine schwierige Durststrecke: Seit dem Europa GP ist Williams ohne Punktgewinn. Technische Probleme, Reifenprobleme, Unfälle und fehlender Speed brachten die Mitternachtsblauen um den Lohn ihrer harten Arbeit. Obwohl man das Reifenproblem bei den Tests in Jerez gelöst haben möchte, scheinen mehr als ein paar Glückspunkte nicht drin zu sein - selbst da Williams seine letzten beiden WM-Zähler ebenfalls auf deutschem Boden holte: Auf dem Nürburgring.

Toro Rosso: Ein Punkt ist da, wann folgt der zweite?

Das zweite Red Bull Team zeigt seit Wochen einen klaren Aufwärtstrend - ausgezahlt hat sich dies nur einmal: In Tonio Liuzzis erstem WM-Punkt beim Großen Preis der USA. Dennoch waren die Jungbullen an den letzten Rennwochenenden viel näher an der Konkurrenz und vor allem an ihrem Schwesterteam dran. Aus eigener Kraft reicht das aber nicht für den zweiten Punktgewinn.

Der M16 erhält mit dem SA06 einen neuen Gegner., Foto: Sutton
Der M16 erhält mit dem SA06 einen neuen Gegner., Foto: Sutton

MF1 Racing: Die Angst vor dem SA06?

Drei Sekunden möchte Aguri Suzuki mit dem neuen SA06 gutmachen, damit wäre Super Aguri eine ernsthafte Gefahr für die Midland-Truppe. Bislang kann jedoch noch niemand sagen, ob der SA06 tatsächlich um so viel besser als der SA05 ist. Bei Midland baut man deshalb auf die eigenen Fortschritte am M16, der durch neue Teile ebenfalls um einiges schneller werden soll. Der Kampf um die rote Laterne könnte ab Hockenheim erst richtig entbrennen.

Super Aguri: Weg mit der Laterne

Das japanische Dream Team ist wieder da: Ab dem Deutschland GP sitzen mit Takuma Sato und Sakon Yamamoto wieder zwei Japaner in den beiden weißen Super Aguri Boliden. Franck Montagny muss mit der Rolle des dritten Mannes Vorlieb nehmen. Das Roll-Out des neuen Autos verlief in der letzten Woche glatt und die ersten neuen Teile sind schon für den Türkei GP geplant. Jetzt muss der SA06 nur noch die hohen Erwartungen seines Chefs erfüllen...