Wenn Flavio Briatore, Ron Dennis, Colin Kolles und Jean Todt in der offiziellen Freitags-Pressekonferenz der FIA Platz nehmen, dann kann man viele Themen erwarten. Wird Briatore an diesem Wochenende seinen Vertrag verlängern? Wer ersetzt Fernando Alonso? Wird Midland verkauft? Wie kam es zum Montoya-de la Rosa-Wechsel? Macht Michael Schumacher weiter? Wie sieht es mit dem Testfreitag im kommenden Jahr aus? Einige dieser Fragen wurden gestellt, ein paar sogar beantwortet. Das wichtigste Thema waren jedoch die Motorenregeln für die kommenden Jahre - denn am Sonntag läuft um Mitternacht das allerletzte Ultimatum der FIA an die Hersteller ab; wenn bis dahin keine Einigung erzielt werden konnte, treten die von der FIA vorgeschlagenen Regeln in Kraft.
"Ich weiß nicht, ob ich diesbezüglich optimistisch sein kann", gab sich Jean Todt entsprechend skeptisch. "Es ist sehr schwierig alle unter einen Hut zu bekommen - deshalb war es oftmals die FIA, die die letzte Entscheidung getroffen hat."
Die Optionen sind laut Todt recht simpel: "Entweder wir finden eine Einigung, also das so genannte Indianapolis Agreement ab Januar 2007, oder wir können uns nicht einigen und dann gelten die Technischen Regeln der Saison 2008."
Dem stimmte Flavio Briatore zu - das ist bekanntlich nicht bei allen Themen so. "In Indianapolis waren sich alle einig und ich bin sehr enttäuscht, dass es hier Bewegungen gegeben hat, denn für uns war der eingefrorene Motor sehr gut und alles war perfekt." Sollte es nicht zu einer Einigung kommen, würden im kommenden Jahr alle unglaublich viel Geld ausgeben, bevor diese Entwicklungen 2008 verpuffen würden. "Das wäre absolut dumm. Aber wir haben noch drei Tage und werden darin vielleicht eine Lösung finden."
MF1-Boss Colin Kolles sieht das ähnlich wie Flavio, obwohl es gerade sein Team ist, das sich gegen das Agreement stellt, so lange es keine finanzielle Entschädigung in Form von kostengünstigen Kundenmotoren gibt. "Es ist völliger Unsinn große Summen für 2007 auszugeben", so Kolles. "Die Vorschläge, insbesondere von den unabhängigen Teams, sind mehr als fair. Wir verlangen keinen kostenlosen Motor - wir möchten nur Motoren zu vernünftigen Preisen."

Für Kolles spielt es "keine Rolle", ob es zu einer Lösung kommen wird. "Wir sind in beiden Fällen zufrieden." Denn sollte es keine kostengünstigen V8-Motoren geben, werde man einfach mit V10-Triebewerken an den Start gehen. Für dieses Vorgehen kritisierte ausgerechnet Kolles seit Jahresbeginn die Scuderia Toro Rosso. "Die Hersteller werden damit nicht so glücklich sein, also sollten sie sich das besser überlegen."
An diesem Punkt kommt Ron Dennis ins Spiel: "Was Jean und Flavio gesagt haben ist richtig", sagte der McLaren-Boss. Dennis ist sich sicher, dass man die Hersteller über das Wochenende problemlos unter einen Hut bringen könne. Aber auch im Kampf um kostengünstige Kundenmotoren sieht er eine Chance. "Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob nicht wiederum andere die Chance ausnutzen möchten, um ihre kommerziellen Ziele zu verfolgen." An der technischen Front und beim Preis könne man aber garantiert eine Lösung finden.
An Colin Kolles schickte er zugleich eine kleine Warnung: "Die V10 waren für ein Team gedacht und das wurde auch entsprechend klar dokumentiert [nämlich für Minardi]. Deshalb kann nicht jedes Team einfach damit fahren."
Über den Sport wurde in der PK letztlich auch noch gesprochen. Wird Ferrari auch in Magny Cours mit Renault mithalten können? "Ich mache mir wegen Ferrari keine Sorgen", wehrte Briatore ab. "Indy war für uns nicht gerade fantastisch, aber wir liegen immer noch vorne. Michelin war dort eben etwas konservativer. Jetzt kämpfen wir gegen Ferrari und warten wir einfach einmal ab, was bis zum Saisonende passieren wird." Für Renault sei es nur noch wichtig regelmäßig auf dem Podium zu stehen und bei jedem Rennen zu punkten. "Wir haben in Indianapolis noch gepunktet und wenn das schon ein Desaster wäre, dann wäre es ein ziemlich normales Desaster."
Briatore ist jedenfalls fest davon überzeugt, dass man seinen Vorsprung gegen Ferrari verteidigen könne. "Wir haben es ja auch gegen McLaren geschafft." Jean Todt verwies derweil den angeblich um 20 Millionen erhöhten Entwicklungsetat ins Reich der Fabeln. "Das ist bullshit", so der kleine Franzose. "Es ist noch zu wenig!", warf Briatore ein, dem Todt noch einmal entgegenhielt: "Es ist absolut nicht wahr."



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