Mr Suganuma, in Indianapolis lief es für Sie richtig gut - wie sieht es hier beim Heimrennen von Michelin aus?
Hisao Suganuma: Die Tatsache, dass es ihr Heimrennen ist, hat keine große Bedeutung. Allerdings sind damit einige Emotionen verbunden - wir möchten in Japan schließlich auch gut abschneiden und unseren Fans und Landsleuten zeigen, wie gut wir sind. Aus technischer Sicht macht das natürlich keinen Unterschied. Wir konnten uns in diesem Jahr sehr stark verbessern und ich hoffe, dass die Bridgestone-Teams auch hier gute Leistungen zeigen werden.
Indy war für Sie ein sehr starkes Rennen, erwarten Sie hier ein ausgeglicheneres Kräfteverhältnis zwischen Bridgestone und Michelin?
Hisao Suganuma: Ich weiß nicht welche Reifen Michelin benutzt, aber zwischen den Teams sollte es ausgeglichener sein. Wichtig war, dass wir in Indianapolis einen konkurrenzfähigen und haltbaren Reifen hatten. Das war für uns eine ziemliche Genugtuung, denn unsere Rivalen schienen nur einen haltbaren Reifen dabei gehabt zu haben. Hier spielt die Haltbarkeit keine so große Rolle, also können sie hier vielleicht zurückschlagen. Aber auch wir hatten letzte Woche einen guten Test in Jerez, weshalb die Bridgestone-Autos stark sein sollten.
Wie hart ist der Asphalt hier in Magny Cours zu den Reifen?
Hisao Suganuma: Die Strecke hat einen relativ rauen Asphalt. Aus diesem Grund sollte es theoretisch eine sehr hohe Reifenabnutzung geben, aber dem ist nicht so. Wir haben hier Reifen aus dem mittleren bis weichen Mischungsbereich dabei und müssen abwarten, wie stark das Graining sein wird. Der Asphalt ist hier sehr dunkel, so dass die Streckentemperaturen sehr hoch sein können. Am Sonntagnachmittag werden wir wohl 32 Grad Lufttemperatur und 43 bis 46 Grad Asphalttemperatur haben. Das könnte für die Reifen ziemlich hart werden.
Im Titelkampf verfolgen Sie mit Ferrari und Michael Schumacher das Trio Renault, Alonso und Michelin. Wird die Weltmeisterschaft rein über die Reifen entschieden? Kann Schumacher seinen Rückstand nur noch über bessere Reifen aufholen?

Hisao Suganuma: Beide Teams fahren nicht nur mit Reifen - sie haben auch einen Motor, ein Chassis und einen Fahrer. Der Reifen ist nur ein Teil dieses Pakets. Um stark zu sein, müssen alle Faktoren gut sein. Der Reifen ist zwar die direkte Verbindung des Autos zur Fahrbahnoberfläche und somit sehr wichtig, aber wenn das Chassis nicht gut genug ist, kann man auch den besten Reifen nicht ausnutzen. Und selbst wenn die Reifen gut sind, ist das Auto nicht besonders schnell, wenn der Motor schlecht ist. Es spielt alles zusammen und nur wenn alles passt, ist ein Auto auch stark.
Michelin war in der ersten Saisonhälfte mindestens genauso gut wie Bridgestone. Wie zufrieden sind Sie mit der ersten Saisonhalbzeit?
Hisao Suganuma: Wir sind relativ zufrieden, da wir große Fortschritte erzielen konnten. Um gegenüber unseren Rivalen einen Vorteil herauszuarbeiten, müssen wir aber noch mehr leisten.
Sie haben im letzten Jahr erstmals seit langer Zeit die WM-Krone abgeben müssen. Welche Auswirkungen hatte das auf Sie?
Hisao Suganuma: Das letzte Jahr war kein gutes Jahr für uns. In diesem Jahr wollten wir schneller werden und die Lücke zu den Konkurrenz-Teams schließen.
Zukünftig werden wir nur noch einen Reifenhersteller haben - nämlich Bridgestone. Einige der Michelin-Teamchefs sagen nun, dass Sie dann einen komplett neuen Reifen entwickeln sollten, damit niemand von den bisherigen Michelin-Kunden benachteiligt wird. Wenn wir uns nun Ihre langjährige Beziehung mit Ferrari vor Augen führen: Ist diese Forderung richtig?
Hisao Suganuma: Ferrari hat natürlich viel Erfahrung mit unseren Reifen. [überlegt lange] Aus meiner Sicht ist es aber schwierig nur deshalb einen komplett neuen Reifen zu entwickeln. Wir sind der Reifenlieferant und können nur sicherstellen, dass wir für alle Teams gute Reifen liefern. Wir werden versuchen allen Teams so gut wie möglich zu helfen und ihnen alle notwendigen Daten zur Verfügung zu stellen. Außerdem werden wir alle Teams gleich behandeln. Mehr können wir nicht machen.
Sie arbeiten nun schon extrem lange sehr intensiv und eng mit Ferrari zusammen und Sie wissen genau, was es bedeutet so eng miteinander verbunden zu sein. Ist das kein Nachteil für die neuen Teams?
Hisao Suganuma: Toyota und Williams hatten während der Wintertests noch Probleme sich an unsere Reifen anzupassen, weil wir bei den Wintertests versuchten unsere Performance stark zu verbessern. Aber im nächsten Jahr wird die Reifenentwicklung einfacher, da wir weniger technische Risiken eingehen müssen. Als Einheitsreifenlieferant können wir ohne Konkurrenzkampf einen Schritt zurück machen und dadurch dafür sorgen, dass die Reifen auch für die neuen Teams einfacher anzupassen sein werden.

Steht bereits fest, wie die Reifen aussehen werden? Wird die Spezifikation eher den 2006er oder 2005er Reifen entsprechen?
Hisao Suganuma: Das ist noch nicht entschieden. Klar ist jedoch: Sie werden rund und schwarz sein und vier Rillen haben. Alles Weitere besprechen wir momentan mit der FIA. Unsere Hauptaufgabe ist es als Einheitsreifenhersteller einen guten Service für alle Teams zu bieten und wir suchen noch nach dem besten Weg dies zu erreichen.
Die Reifenmischungen werden im nächsten Jahr sicher härter sein - wie stark wird dies die Kurvengeschwindigkeiten senken?
Hisao Suganuma: Das ist eine schwierige Frage, da dies natürlich auch von der Fahrzeugentwicklung abhängt. Die Kurven-Speeds hängen auch von der Aerodynamik ab. Selbst wenn man die Performance der Reifen einbremst, können ein starker Motor und ein hoher aerodynamischer Downforce noch für schnelle Zeiten und hohe Geschwindigkeiten sorgen. Dadurch könnten die Autos auch im nächsten Jahr wieder schneller sein. Aus Reifensicht werden wir aber tatsächlich härtere Reifenmischungen verwenden als in diesem Jahr. Allerdings diskutieren wir noch darüber, um wie viel härter die Reifen sein werden. Im Moment zählt für uns jedoch hauptsächlich der Rest dieser Saison.
Dann sehen wir uns die Situation in dieser Saison an: Die PS der Motoren wurden beschnitten, aber gleichzeitig nahmen die Kurvengeschwindigkeiten zu. Für uns liegt das an den Reifen...
Hisao Suganuma: Ja, aber es kommt nicht alles von den Reifen. Wie ich bereits sagte, hängt auch die Fahrzeugentwicklung der Teams damit zusammen. Der Downforce ist in diesem Jahr wieder auf dem Niveau von 2004 oder sogar besser und wir haben bislang weichere Reifen verwendet. Hinzu kommen die kürzeren Bremswege durch die geringeren Höchstgeschwindigkeiten auf den Geraden. Deshalb kann der Fahrer die Ideallinie in den Kurven viel präziser fahren. Alles zusammen sorgt das für die höheren Kurvengeschwindigkeiten.

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