Max Mosley und Bernie Ecclestone. Sie sind Freunde, manchmal Gegner und vor allem eines: Zwei der mächtigsten Männer in der Königsklasse des Motorsports.

"Ich würde Max einen Blankoscheck geben", sagt Mr E. über seinen Freund Mr M. "Wenn ich mal von einem Bus überfahren würde und meine Familie hätte Probleme", fügt Mosley hinzu, "dann würde ich ihr raten, zu Bernie zu gehen."

Viele bezeichnen M&E deshalb als eine Art Mafia. "Falsch", erwiderte Ecclestone im Gespräch mit auto motor und sport. "Wir sind nicht nur eine Art Mafia, wir sind die Mafia."

Als solche müssen sie sich um ihre Familie kümmern - selbst wenn diese sie teilweise als lästige Doktoren abtut. "Die Teams sollten die gleichen Ziele haben wie wir", sagt Mosley. "Sie benehmen sich aber wie ein Patient, der jeden guten Rat des Arztes in den Wind schlägt. Wir müssen uns um sie kümmern."

Bernie hat den Rennställen deshalb "schon vor Urzeiten" vorgeschlagen, das Risiko zu teilen. "Ich nehme mir 30 Prozent, der Rest ist für Euch. Sie haben das abgelehnt", erinnert er sich. "Alles, was sie wollten, war Rennen fahren und dafür eine garantierte Summe kassieren. Erst als die Formel 1 ein Profitcenter wurde, kamen sie und wollten mehr Geld."

Für diesen Zweck gründeten sie mit der GPWC und deren Nachfolge-Organisation GPMA sogar eine eigene Interessengruppe, die eine Konkurrenzrennserie vorbereiten sollte. Das Ergebnis der jahrelangen Verhandlungen und Streitereien ist seit einigen Wochen bekannt: Es wird keine Piratenserie geben.

"Es kam, wie es kommen musste", gab sich Mosley davon nicht überrascht. "Der Ausgang dieses Streits stand immer fest. Es war nur eine Zeitfrage, wie viel Ärger wir bereit waren zu ertragen."

Die Paten vor dem nächsten großen Deal., Foto: Sutton
Die Paten vor dem nächsten großen Deal., Foto: Sutton

Einen Sieger kann Ecclestone nach der Einigung dennoch nicht ausmachen. "Es gibt keine Gewinner, sondern nur Verlierer. Wir haben in den letzten fünf Jahren der Formel 1 sehr geschadet." Und zwar nicht nur, weil viel Geld in die Entwürfe einer eigenen Serie und in Mineralwasser bei den vielen, vielen Meetings floss. "Die Teams haben viel Geld verloren, weil die Sponsoren aus Zweifel, wie es weitergeht, gezögert haben. Wir haben grundlos einen Sport mit stabilen Abläufen destabilisiert."

Ab sofort soll alles besser werden: Die Teams erhalten 50% aller Einahmen und womöglich auch noch etwas mehr vom verlangten Einfluss bei gewissen Entscheidungen. "Vielleicht hätten sie ein noch besseres Ergebnis erzielt, wenn sie anders verhandelt hätten", fügt Ecclestone hinzu, dem seinerseits von den Herstellern eine Hinhaltetaktik vorgeworfen wurde. So zog er ein Angebot über 60% der Einnahmen zurück, weil nicht die Teams, sondern die Automobilhersteller unterschreiben sollten. Diesen Schritt wollten die Hersteller aber nicht gehen.

"Bei CVC [dem neuen Rechteinhaber] sitzen Geschäftsleute, die ein Risiko abwägen müssen", begründete Ecclestone den "Abschlag". "Eine Unterschrift von BMW ist ihnen mehr wert als eine von BMW-Sauber."

Den Anstoss zur Einigung habe RenaultF1-Präsident Alain Dassas gegeben. "Er hat verstanden, dass weiteres Streiten zu nichts führen würde, und dass er mehr erreicht, wenn er den ersten Schritt tut. Das hat die anderen in die Ecke gedrängt, auch zu handeln." Bei allem Lob für den neuen RenaultF1-Präsidenten muss jedoch bedacht werden, dass er erst seit einigen Wochen im Amt ist. Schließlich schied sein Vorgänger Patrick Faure erst nach Saisonbeginn vorzeitig aus seinem Amt aus.

Doch egal wie: Wie die Formel 1-Politik wirklich funktioniert, beschreibt Ecclestone in einer Erinnerung an ein Treffen mit Enzo Ferrari: "Der alte Herr sagte einmal zu mir in Maranello: 'Ecclestone, passen Sie auf. Hier", und dabei zeigte er auf die Tischplatte, 'findet der Sport statt.' Dann ging sein Finger unter den Tisch und er meinte: 'Da werden die Geschäfte gemacht.'"