Die kleine, im britischen Northampton agierende Motorenschmiede Cosworth mutierte gleich am Beginn der Saison zum Schreckgespenst der Automobilgiganten. Für das Kundenteam Williams erbaute Cosworth einen Achtzylindermotor, der immer noch als stärkster und am höchsten drehender Formel 1-Motor hoch gelobt wird. Dieser wurde mit einem Budget entwickelt, das einem Bruchteil der von den großen Konzernen Mercedes, BMW, Renault, Honda oder Toyota eingesetzten Summen entspricht. Für die Konzerne ist das eine Demütigung - für Cosworth ist es Werbung pur.
Verlängert Williams?
Dennoch ist bis heute ungeklärt, wie es mit den Cosworth-V8 weitergehen wird. Williams hat bekanntlich nur einen Einjahresvertrag mit Cosworth unterschrieben - der britische Traditionsrennstall soll mit Toyota verhandeln, die in Köln stationierten Japaner könnten Williams ab 2007 mit Kundenmotoren versorgen. Dabei geht es auch um die anfallenden Kosten und um jene Unterstützung durch einen Automobilgiganten, die viele in der heutigen Zeit als überlebensnotwendig betrachten. Andererseits ist der "Cossie"-Motor derart gut, dass es sich Williams durchaus auch anders überlegen und den Vertrag mit Cosworth verlängern könnte.
Darauf hofft auch Bernard Ferguson, seines Zeichens der Kommerzielle Direktor von Cosworth - gegenüber Autosport erklärte er: "Derzeit versuchen wir, für Williams den bestmöglichen Job abzuliefern. So könnte es ihnen recht schwer fallen, woanders hin zu wechseln. Zugleich ist Williams für uns auch eine gute Auslage, um uns den anderen Teams präsentieren zu können."
Die Kostenfrage
Zu den Kosten sagt Ferguson: "Es ist nicht ungewöhnlich, wenn man schätzt, dass ein Hersteller zwischen 100 und 200 Millionen Euro für die Entwicklung eines Motors ausgibt. Dann ist es doch recht seltsam, wenn jeder diese Motoren für 10 Millionen Euro pro Jahr haben möchte. Und wenn du über diesen 10 Millionen liegst, sehen sie dich an, als ob du ein Halsabschneider wärst. Wir können unseren Kunden ein, wie wir glauben, sehr konkurrenzfähiges und preiswertes Angebot machen. Wir haben hohe Entwicklungs-Kosten - unser Preis hängt auch davon ab, wie viele Kunden wir haben. Wir sind kein Hersteller und wir tun auch nichts anderes als Rennmotoren bauen. Die Formel 1 ist für uns keine Marketing-Plattform, um Waschmaschinen oder ähnliches zu verkaufen."

Bei Williams würde man bereits an dem nächstjährigen Fahrzeug arbeiten und daher wäre auch die Frage des Motors recht bald zu klären - nicht nur in Grove, dies würde prinzipiell alle Teams betreffen, fügte Ferguson hinzu. "Ich denke, irgendwann im Juni sollten alle Deals abgeschlossen sein."
Doch auch bei einem Wechsel von Williams, hin zu Toyota, sieht Ferguson die Zukunft von Cosworth in rosaroten Farben - wer Leistung bringt, darf bekanntlich auch in der vom Geld beherrschten Formel 1 auf eine Zukunft hoffen. Und so knüpft auch Cosworth im Hintergrund eifrig Kontakte - die Motorenschmiede plant, unabhängig von Williams zu expandieren. Ferguson verriet nur so viel: "Ideal wäre, wenn wir zwei konkurrenzfähige Teams ausrüsten könnten."
Comeback von Red Bull-Cosworth?
Die britischen Kollegen haben vernommen, dass es Verhandlungen zwischen Cosworth und Red Bull Racing geben würde. Die roten Bullen haben zwar einen Motorenausrüster-Vertrag mit Ferrari bis Ende 2007 - doch in der Formel 1 ist bekanntlich nichts unmöglich. Zum einen könnten sich die Verhandlungen auf den Zeitraum ab 2008 beziehen - zum anderen kamen in Imola, wo am letzten Wochenende der GP von San Marino abgehalten wurde, Gerüchte auf, wonach man an einer anderen Version basteln würde.

Die Scuderia Toro Rosso, zu 50 Prozent ebenfalls im Eigentum der roten Bullen, hat derzeit noch einen Vertrag über Cosworth-Zehnzylindermotoren, den noch Vorgänger Minardi abgeschlossen hat und der bis Ende 2007 gültig ist. Zum einen wäre Cosworth erfreut, wenn sich die Scuderia zu einem Wechsel hin zu V8-Motoren entschließen würde - "Ich wäre mehr als glücklich, wenn sie sich zu diesem Wechsel entschließen und mit uns verhandeln sollten, aber das muss von Toro Rosso ausgehen", sagte Ferguson - zum anderen könnte man die Italien-Affinität der in Faenza ansässigen Scuderia erhöhen, indem Toro Rosso die Ferrari-Motoren nehmen und Red Bull Racing auf Cosworth-V8-Maschinen umsteigen würde. So zumindest haben es die Imola-Spatzen von den Dächern gepfiffen.
Midland? Prodrive?
Zu der leidigen V10-Diskussion sagte Ferguson: "Toro Rosso ist mit den V10-Motoren in einer Situation, in der sie nur verlieren können. Wenn sie vorne sind, sagt jeder, dass sie einen Vorteil hätten. Dabei stimmt das nicht. Wir haben sehr lange an der Äquivalenz-Regelung gearbeitet und es geht dabei um eine Gleichheitsregelung und nicht um eine 'Ein Toro Rosso muss immer hinten stehen'-Regelung."
Neben Williams und den beiden Red Bull-Teams gibt es für Cosworth noch weitere Möglichkeiten. Sollte beispielsweise Williams tatsächlich auf Toyota-Motoren umsteigen, könnte Cosworth dafür das derzeitige Toyota-Kundenteam Midland mit Motoren versorgen. Außerdem soll auch das neue Prodrive-Team, dem für die Formel 1-WM 2008 gute Chancen auf den zwölften und letzten Slot zugerechnet werden, den Einsatz von Cosworth-Motoren in Erwägung ziehen. Die kleine Motorenschmiede Cosworth hat also auf jeden Fall eine Zukunft in der von Automobilkonzernen beherrschten Formel 1.

diese Formel 1 Nachricht