Auch wenn der Australien GP in diesem Jahr nicht den Saisonauftakt darstellt, erwartet uns ein heißes Rennen. Zwar nicht im Hinblick auf die Temperaturen, aber sehr wohl auf der Rennstrecke. Wir analysieren für Sie noch einmal die sieben wichtigsten Schlüsselfaktoren des dritten Saisonlaufs.

1. - S wie Startaufstellung

Vor zwei Wochen herrschte in Malaysia zu diesem Zeitpunkt noch Chaos: Wer startet wo und warum? Niemand wusste es so wirklich. Diesmal steht die Startaufstellung hingegen in Stein gemeißelt fest. Ganz vorne steht zum dritten Mal in seiner Karriere Jenson Button, der zudem Honda die erste reinrassige Pole der Japaner seit Italien 1968 schenkte.

Fisichella peilt Platz 1 in Kurve 1 an., Foto: Sutton
Fisichella peilt Platz 1 in Kurve 1 an., Foto: Sutton

Neben Button wird der Vorjahres-Pole-Mann und Vorjahres-Sieger Giancarlo Fisichella ins Rennen gehen. Sein Teamkollege Fernando Alonso steht zusammen mit Kimi Räikkönen in Reihe 2. Die dritte Startreihe belegen Juan Pablo Montoya und Ralf Schumacher.

Dahinter gehen Mark Webber und dessen Ex-Teamkollege Nick Heidfeld von den Rängen 7 und 8 ins Rennen. Die Plätze 9 und 10 komplettieren Jarno Trulli sowie Michael Schumacher, der von Jacques Villeneuves Motorwechsel profitiert und einen Platz nach vorne rückt.

2. - S wie Start

Angesichts der wenigen Überholmöglichkeiten auf dem Kurs im Albert Park stellt der Start wieder einmal einen wichtigen Schlüsselmoment dar. Wenn alles wie in Malaysia verläuft, müssten die Renault-Piloten dafür die besten Karten haben. Man erinnere sich nur an den Superstart von Fernando Alonso.

"Wenn wir einen guten Start hinlegen, dann können wir morgen sehr stark sein", weiß auch Fisichella um die Raketenstarts seines R26. "Das Ziel ist es als Erster in die erste Kurve zu gehen. Das wird nicht einfach, aber ich werde mein Bestes geben."

Aber auch Alonso könnte dem Pole-Sitter Button gefährlich werden. Die McLaren sind höchstwahrscheinlich mit viel Sprit unterwegs und dürften deshalb eher ihr Augenmerk nach hinten richten. Andererseits hatte Alonso in Malaysia auch das schwerste Auto des Feldes, als er seinen Megastart fabrizierte.

Die Reifen spielen eine entscheidende Rolle., Foto: Sutton
Die Reifen spielen eine entscheidende Rolle., Foto: Sutton

Ralf Schumacher fürchtet derweil keine Gefahr aus der australisch-deutschen Reihe hinter ihm: "Das ist schwer zu sagen. Bis jetzt waren wir das gesamte Wochenende schneller als Webber und Heidfeld, also würde es mich wundern, aber man soll ja nie nie sagen."

3. - S wie Setup

Der Kurs von Melbourne besteht überwiegend aus öffentlichen Straßen. Deswegen besitzt er eine ungewöhnliche Fahrbahnoberfläche, die sich im Lauf des Wochenendes erheblich verändert, je mehr Gummi auf die Ideallinie aufgetragen wird. Der Albert Park Circuit ist eine Abfolge starker Beschleunigungsphasen und harter Bremsvorgänge in den buckligen Bremszonen vor den Schikanen. Diese Faktoren bestimmen sowohl die Abstimmung des Chassis als auch des Motors.

Bei der Aufhängung ist in Melbourne mehr noch als auf permanenten Rennkursen ein Kompromiss gefragt aus einem Setup, das steif genug ist, um in den Schikanen schnelle Richtungswechsel zu erlauben und weich genug, damit das Auto beim harten Bremsen stabil bleibt, ohne die Räder zu blockieren.

Das Abtriebslevel im Albert Park ist mittel bis hoch und soll den Piloten die bestmögliche Traktion beim Herausbeschleunigen aus den langsamen Kurven verleihen. Der Kurs in Melbourne weist sechs wichtige Bremszonen auf, in denen aus rund 300 km/h verzögert wird. Die Bremsen werden also stark beansprucht. Zu heiße Bremsanlagen neigen zum Oxidieren, weswegen die Bremskühlung besondere Beachtung findet.

Die Wettervorhersagen sind gut., Foto: Sutton
Die Wettervorhersagen sind gut., Foto: Sutton

Der Straßenkurs war wie üblich von Beginn des Wochenendes an besonders "grün", also mit wenig Grip versehen, aber mit viel Staub und Schmutz ausgestattet. Der samstägliche Regen hat diesen Zustand keinesfalls verbessert. Insbesondere die Abnutzung der Reifen, aber auch die Aufwärmphase bis zur richtigen Betriebstemperatur spielen deshalb eine wichtige Rolle.

Mit einem Vollgasanteil von 69 Prozent zählt Melbourne zu den anspruchsvolleren Kursen für das Triebwerk. Statt hoher Spitzenleistung ist im Sinne der Beschleunigung aus niedrigen Touren ein gutes Drehmoment gefragt. Durch die relativ niedrigen Temperaturen und den hohen Luftdruck (um 1010 Millibar) entwickeln die Motoren mehr Leistung als zum Beispiel in den ersten beiden Rennen. Dadurch werden einige bewegliche Teile größeren Belastungen ausgesetzt. Deswegen ist auch im herbstlichen Australien die Kühlung dieser Komponenten von großer Bedeutung.

4. - S wie Strategie

Mit der Rückkehr der Reifenwechsel erlebten wir in diesem Jahr auch die Rückkehr der Dreistoppstrategien. Für den Australien GP erwartet Renault-Chefstratege Pat Symonds erneut zwei oder drei Stopps.

"Strategisch bieten sich Zwei- und Dreistopp-Taktiken an, da werden wir einige interessante Variationen erleben", sagt der Brite. "Entscheidend wird es neben dem Start sein, möglichst schnell die Michelin-Pneus optimal ans Arbeiten zu bekommen und zum richtigen Zeitpunkt anzugreifen."

Tanz McLaren wieder aus der Reihe?, Foto: Sutton
Tanz McLaren wieder aus der Reihe?, Foto: Sutton

Die silberne Ausnahme von der Strategieregel könnte abermals McLaren Mercedes sein, die im Qualifying wohl wieder einmal mit einem schweren Auto unterwegs waren und somit vielleicht nur einen Stopp wagen oder zumindest einen langen ersten Stint fahren werden.

5. - S wie Sonntagswetter

Während es am Samstagmorgen noch regnete, sagen die Wetterfrösche für den Sonntag keine Niederschläge voraus. Zum Rennstart werden Temperaturen um die 17 Grad und ein bewölkter Himmel erwartet. Die befürchteten Schauer sollen aber ausbleiben. Die Hoffnungen auf das erste Regenrennen des Jahres müssen demnach höchstwahrscheinlich verschoben werden.

6. - S wie Sprit

Für jede im 3. Qualifying-Teil absolvierte Runde innerhalb der 110%-Marke der eigenen Bestzeit, dürfen die Piloten in Melbourne rund 3 kg nachtanken. Da Jacques Villeneuve bereits vor dem Qualifying wusste, dass er 10 Startplätze verlieren würde, drehte er nur fünf Runden und konnte seine Strategie entsprechend anpassen. Jarno Trulli war im 3. Quali-Teil wegen technischer Probleme gar nicht mehr auf der Strecke. Deshalb musste sein Team die nachzufüllende Tankmenge schon im Voraus bekannt geben.

Fahrer Runden im 3. Qualifying Benzin in kg
Jenson Button 14 41
Giancarlo Fisichella 14 41
Fernando Alonso 15 44
Kimi Räikkönen 14 41
Juan Pablo Montoya 14 41
Ralf Schumacher 14 41
Mark Webber 12 35
Nick Heidfeld 14 41
Jacques Villeneuve 5 15
Jarno Trulli 18

7. - S wie Spannung

Der Australien GP bietet jede Menge Spannungsmomente. Auf der grünen Insel konzentrieren sich natürlich alle darauf, ob Jenson Button nach der dritten Pole Position endlich seinen ersten GP-Sieg einfahren kann. Das gleiche Ziel verfolgt bekanntlich auch sein Arbeitgeber Honda.

Renault-Chefrenningenieur Pat Symonds erwartet einen Dreikampf zwischen Renault, Honda und McLaren. "Ich denke, der Kampf um den Sieg wird sich hier auf ein Duell zwischen uns, dem Honda-Piloten Jenson Button und den beiden McLaren von Juan Pablo Montoya und Kimi Räikkönen zuspitzen", sagt er vor dem Rennen.

Keine großen Siegchancen rechnet man sich derweil bei Ferrari aus. Dort klagte Michael Schumacher, dass sein Auto schlicht und einfach "zu langsam" sei. Trotzdem wird der siebenfache Champion von Startplatz 10 alles versuchen, um zumindest noch auf das Podium zu gelangen.