Die Japaner sind ein stolzes Volk. Einmal bei der Ehre gepackt, lassen sie nicht locker, bevor sie ihr Ziel erreicht haben. Dies gilt insbesondere für die beiden in der F1 aktiven Hersteller Toyota und Honda. Entsprechend ist es kein Wunder, dass sowohl Toyota als auch Honda schon bald Großes zugetraut wird.

Schon als Toyota im Jahr 2002 seine erste F1-Saison absolvierte waren sich beinahe alle Experten darüber einig, dass die Japaner über kurz oder lang Erfolg haben würden. Das stand damals genauso außer Frage wie der nächste GP-Sieg und Titelgewinn von Michael Schumacher.

Ähnliche Vorschusslorbeeren erhielten die Konkurrenten von Honda: Wer eine solche Racing-History vorzuweisen hat, der muss ebenfalls fast zwangsläufig zurück auf die Erfolgsspur finden. Ganz besonders wenn der F1-unerfahrene Erzrivale mit seinem eigenen Team dieses Ziel fest angepeilt hat und dafür Millionen und Abermillionen von Yen nach Köln-Marsdorf pumpt.

Auf der Strecke lagen Honda und Toyota weit auseinander., Foto: Sutton
Auf der Strecke lagen Honda und Toyota weit auseinander., Foto: Sutton

Auf der Strecke waren an den ersten beiden Rennwochenenden des Jahres 2006 aber weder bei Honda noch bei Toyota zufriedene Gesichter anzutreffen. Bei Toyota geriet sogar der ursprüngliche Fünfjahresplan zu Beginn der 5. F1-Saison ins Wanken: Ralf Schumacher und Jarno Trulli erlebten in Bahrain ein wahrhaftiges Debakel.

Nicht ganz so schlimm war der Saisonstart für das Honda-Werksteam, das in dieser Saison zum ersten Mal zu 100% unter der Ägide der Japaner an den Start geht. Damit zog man zumindest auf diesem Gebiet mit Toyota gleich. Beide Rivalen besitzen nun ein eigenes F1-Team. Dennoch war bei Honda niemand mit den Punkte- und Podestplatzierungen der ersten zwei Saisonläufe zufrieden. Die Ansprüche der Honda-Mannschaft liegen höher. Nicht weniger als der erste GP-Sieg soll oder besser muss in diesem Jahr folgen.

Dafür leistet man sich mit Jenson Button und Rubens Barrichello das eigenen Angaben zu Folge "beste Fahrerduo" des Starterfeldes. Bislang konnte jedoch nur der teuerste Nicht-Abgang diesem Ruf einigermaßen nachkommen. Rubens Barrichello versagte in Bahrain und Malaysia völlig.

Bei Toyota dürfte das kaum als Warnsignal angesehen werden. Mit Ralf Schumacher besitzt man zwar bereits einen - so genannten - Top-Piloten samt Top-Bezahlung, aber ein weiterer Superstar würde der Konzerspitze sicherlich zusagen. Schließlich möchte man der "besten Fahrerpaarung" des Konkurrenten in nichts nachstehen. Schon 2007 könnte also Jarno Trulli einem Kimi Räikkönen oder Juan Pablo Montoya weichen. So diese denn überhaupt zu Toyota wechseln möchten. Aber da dürfte die Konzernzentrale einige schlagkräftige Argumente auf den Bankkonten liegen haben.

Duell der Kundenteams: Super Aguri vs. Midland., Foto: Sutton
Duell der Kundenteams: Super Aguri vs. Midland., Foto: Sutton

Diese Bankkonten finanzieren auch die hochmodernen Windkanäle, die derzeit bei Honda Racing in Brackley und bei Toyota Racing in Köln-Marsdorf entstehen. Ein Windkanal ist heutzutage eben nicht genug. Und Geld spielt für die japanischen Automobilkonzerne ohnehin keine Rolle. Es geht schließlich darum das Gesicht im Duell gegen den Rivalen zu wahren.

Aus dem gleichen Grund stampfte Honda im Winter das Super Aguri Team aus dem Boden: Man brauchte einen Unterschlupf für Takuma Sato, dessen Entlassung die japanischen Fans auf die Barrikaden brachte. Somit kämpfen momentan Honda und Toyota sowie Super Aguri und MF1 Racing an den verschiedenen Enden der Startaufstellung gegeneinander. Da Super Aguri angesichts der Unterstützung von Honda sehr viel mehr zugetraut wird als dem Toyota-Kundenteam von Midland, könnte sich Toyota bald ein anderes Zweitteam leisten: Frank Williams soll angeblich schon lange um Toyota-Werkstriebswerke für 2007 buhlen.

Immer auf der Fährte des anderen..., Foto: Sutton
Immer auf der Fährte des anderen..., Foto: Sutton

Für die Saison 2006 scheint Honda aber die besseren Karten zu besitzen. Wenn eines der beiden japanischen Teams gewinnen sollte, dann wohl jenes mit Sitz in Großbritannien und nicht jenes aus Deutschland. Dennoch konnte Toyota seinem Erzrivalen in der letzten Woche einen ersten schmerzhaften Stich versetzen: Der Japan GP wechselt ab der nächsten Saison von der Honda-Hausstrecke in Suzuka auf die Toyota-Strecke in Fuji.

Obwohl für die Lieblingsstrecke der meisten Piloten noch Hoffnung besteht als Asien oder Pazifik GP im Rennkalender für 2007 zu verbleiben, hat Toyota den ersten Teilerfolg gegen Honda eingefahren. Beginnt damit die Wende im Kampf der japanischen Automobilgiganten?