Das Formel-1-Rennen in Mexiko hat vor allem bei Ferrari noch einige Tage nachgehallt. Lewis Hamilton und Charles Leclerc hatten dort einen potenziellen Doppelsieg hergeschenkt, weil sie es im internen Zweikampf übertrieben. Hamilton teilte anschließend in den vergangenen Tagen mehrmals gegen seinen Teamkollegen aus und Teamchef Fred Vasseur unterstellte seinen Piloten mangelnden Respekt vor der Mannschaft aus Maranello.

Das alles barg viel Diskussionsbedarf und diese Diskussion gab es auch. Wie Teamchef Fred Vasseur in der Pressekonferenz am Freitag mitteilte, traf er sich am Donnerstagabend mit seinen beiden Fahrern, um das Thema ad acta zu legen. Dieses Gespräch bilanzierte der Franzose als positiv: "Es war ein gutes Gespräch. Ich konnte meinen Standpunkt darlegen und sie konnten ihren Standpunkt darlegen."

Hamilton fordert Ferrari-Aussprache: "Leclerc fährt gegen mich härter!" (15:30 Min.)

Charles Leclerc ging mit einer ähnlichen Stimmung aus der Unterredung hervor. "Es hat gut getan, das alles zu bereden. Gespräche helfen immer dabei, die noch vorhandene Frustration abzubauen. Das war notwendig. Jetzt habe ich das Gefühl, dass es vollständig geklärt ist. Ich denke nicht, dass wir in Zukunft noch darüber sprechen sollten."

Vasseur berichtet aus Krisensitzung: Ferraris Racing-Richtlinien unverändert

Viele weitere Details ließen sich Leclerc und Vasseur wenig überraschend nicht entlocken, schließlich fand die Begegnung ja hinter verschlossenen Türen statt. Der Teamboss stellte klar, dass Mexiko für ihn endgültig abgehakt sei: "Nun schlagen wir ein neues Kapitel auf und konzentrieren uns auf das nächste Rennen."

Allerdings wird man dieses erneut ohne eine genauere Präzisierung der teaminternen Racing-Regeln in Angriff nehmen. "Die Richtlinien sind noch immer dieselben", so Vasseur, der noch in Mexiko durchklingen gelassen hatte, dass man den Fahrern für das konkrete Start-Szenario, in dem sich Hamilton und Leclerc bekriegten, keine speziellen Vorgaben auferlegt hatte.

Diese unveränderten Richtlinien beschrieb Fred Vasseur so: "Sie müssen sich gegenseitig respektieren […], aber vor allen Dingen müssen sie die Marke, das Team und die Leute, die in der Fabrik und an der Strecke für dieses arbeiten, respektieren." Dieser Punkt war Vasseur schon am Sonntag wichtig zu betonen gewesen und er kam offenbar auch ganz zentral im Gespräch am Freitag zur Sprache. "Die Mitteilung war klar und sie wird klar bleiben", so der Ferrari-Teamchef.

Beziehung zwischen Leclerc und Hamilton angespannt? Vasseur: "Müssen nicht beste Freunde sein"

Mexiko war nicht das erste Rennen, bei dem sich in diesem Jahr die beiden Ferraris bekämpft hatten. In China lieferten Hamilton und Leclerc einen spektakulären Zweikampf, den beide feierten. In Monza hingegen lief die Situation schon etwas aus dem Ruder, als Leclerc in der Startphase Hamilton am Ausgang der ersten Schikane ins Kies drängte.

Wohl mit dieser Aktion im Hinterkopf teilte der Rekordweltmeister nach der Mexiko-Eskalation gegen Leclerc aus. Gegen Konkurrenten wie Max Verstappen und Co. fahre er nicht so aggressiv, lautete der Vorwurf. Teamchef Vasseur machte in den knappen Abständen zwischen seinen Fahrern einen Auslöser aus, schließlich begegnet man sich deshalb besonders oft auf der Strecke: "Ich denke, es hat sich ein bisschen Frustration angestaut, denn sie starten jedes Wochenende nebeneinander und da kommt es gewissermaßen zu einer Anhäufung von Ereignissen", so Vasseur.

An Hamiltons Theorie, wonach Leclerc laufend gegen Teamkollegen härter in den Zweikampf gehe, glaubt der Teamleiter nicht. Er nennt ein Beispiel: "Wenn man sich ansieht, was Leclerc in Austin im ersten Sektor getan hat… Da haben alle gesagt, dass das magisch war, und es ist ein schmaler Grat zwischen [Magie] und Aggression." Auf der ersten Runde des USA-GPs hatte Leclerc Max Verstappen in Kurve 3 überholt – eigentlich keine klassische Überholstelle.

Hamilton hatte hingegen den Singapur-GP als Referenz herangezogen, als Leclerc ebenfalls im Kampf gegen Verstappen am Start vor Kurve 1 zurückgezogen hatte, obwohl er sich zuvor innen positioniert hatte. Der Brite hatte ebenfalls am Donnerstag vor dem Brasilien-Rennen angekündigt, dass er seine Reaktion nach Mexiko nicht bereue und sich auch in Zukunft kein Blatt vor den Mund nehmen werde: "Ich werde mich niemals dafür entschuldigen, authentisch und ehrlich zu sein."

"Das war mir mit Lewis klar und ich werde das zwischen Lewis und mir behalten", verwies Vasseur auf die Unterredung am Donnerstag. Dass die Stimmung zwischen seinen beiden Fahrern aber nach wie vor nicht komplett freundschaftlich ist, konnte er auch nicht verbergen.

"Man kann die Beziehung nicht mit jener zwischen Carlos und Charles oder Lewis und Bottas vergleichen. Sie haben verschiedene Persönlichkeiten", sprach Vasseur. "Charles war in Bezug auf sein Alter und seine Erfahrung näher an Carlos dran. Aber ich erwarte ja nicht, dass sie beste Freunde sein müssen – das wäre vielleicht sogar ein bisschen negativ. Ich erwarte, dass sie sich professionell verhalten und arbeiten."

MSM-Experte Christian Danner hat auch eine klare Meinung zu der Situation bei Ferrari rund um Mexiko. Hier könnt ihr nachlesen, was er zu sagen hatte: