Lewis Hamilton versucht sich nach dem Rennen damit zu besänftigen, dass sein ehemaliger Mercedes-Schützling Kimi Antonelli sich zum Formel-1-Weltmeister gekrönt hat. Doch es geht nicht: "Einerseits bin ich happy, auf der anderen Seite bin ich richtig angepisst." Hamilton gibt Ferrari-Teamkollege Charles Leclerc unmissverständlich die Schuld am verpassten Doppelsieg.

Die Fakten sind schnell auf den Tisch gelegt. Hamilton war von Pole gestartet, Leclerc von Platz drei. Am Start scherte Leclerc erst hin zur ersten Kurve aus, attackierte Hamilton, steckte zurück, versuchte es hin zu Kurve vier noch einmal. Diesmal überzogen es beide auf der Bremse. Hamilton rutschte raus und verlor einen Platz an Max Verstappen.

Leclerc hingegen kürzte ab, übernahm die Führung, wurde aber bestraft. Die zusätzlichen fünf Sekunden warfen ihn beim Boxenstopp ebenfalls hinter Verstappen zurück. Das Ferrari-Duo hatte effektiv innerhalb von vier Kurven eine Doppelführung weggeworfen und Verstappen zum Sieg durchgewunken.

Lewis Hamiltons Meinung: Leclerc hat Ferrari Doppelsieg gekostet

"Wir hätten locker einen Doppelsieg geholt, die Pace war da, wenn wir einfach rein in Kurve vier die Positionen halten", ärgert sich Hamilton. Und obwohl auch er in Kurve vier von der Strecke rutschte, ist der vier Kurven lang drängelnde Leclerc für ihn der Schuldige: "Wenn dein Teamkollege gegen dich arbeitet und du so Plätze verlierst, ist das hart."

"Wenn ich von hinten komme und das ganze Risiko eingehe, und wir dann als Team dadurch etwas verlieren, dann würde ich mich verantworten müssen", sagt Hamilton. "Das betrifft sehr viele Leute. Auf der anderen Seite bin ich in Führung, und es war einfach unnötig. Wie gesagt, wir hätten einen Doppelsieg holen können, der wäre immens gewesen, für das Team, für alle in der Fabrik, die so hart gearbeitet haben, um diese Upgrades zu bringen."

"Schade, uns auf diese Art verlieren zu sehen, und es wird so weitergehen, solange niemand handelt", stinkt Hamilton die Angelegenheit inzwischen. Es ist nicht das erste Mal, dass er sich dieses Jahr über Leclerc beschwert. Besonders Monza war ein Brennpunkt gewesen. Dort war er in der ersten Schikane von Leclerc ins Kiesbett gedrängt worden.

Lewis Hamilton rechnet mit der Leclerc-Mentalität ab

"Natürlich habe ich in der Vergangenheit eng mit Teamkollegen gekämpft, und es kann nicht immer alles glattgehen, aber in neun von zehn Fällen sollte es das schon", findet Hamilton. Dass es bei Ferrari keine expliziten internen Vorschreibungen gibt, hatte er schon in Monza bemängelt. Seither hat sich daran nichts geändert: "Ich weiß nicht, was jetzt passieren muss. Wie wir das besprechen, da weiß ich noch nicht, wie ich das angehe."

Für Hamilton wirkt Leclercs Herangehensweise immer mehr wie ein fundamentales Problem: "Als ich bei Mercedes war, habe ich wie ihr alle das Hin und Her zwischen Charles und Carlos [Sainz, Hamilton-Vorgänger bei Ferrari] beobachtet. In mehreren Rennen haben sie so hart gekämpft, dass die Person vor ihnen einfach davongefahren ist. Bei den Plätzen vier und fünf ist das eine Sache, aber wenn es um eins und zwei geht und du den Sieg verlierst, ist es signifikant."

"Der Typ ist 28 Jahre alt, es ist keine Frage des Alters, es ist eine Frage der Mentalität", folgert Hamilton. "'Do or die', entweder gewinne ich, oder es gewinnt keiner. Das sollte nicht sein. Wir sollten einen Doppelsieg holen, das ist immer noch ein gutes Gefühl. In Silverstone hätte ich auch den Kamikaze gegen ihn machen können, ihn rausschießen können, uns den Sieg kosten."

"Teil unseres Jobs und unseres Vertrags ist es, als Team zu arbeiten, das wäre heute so einfach gewesen", meint Hamilton. Was Ferrari ändern muss, oder was er selbst sich an Änderungen vorstellt, will er nur hinter verschlossenen Türen besprechen. Sicher ist aber: "Es muss sich definitiv etwas ändern." Inzwischen dringend. "Bis jetzt hat sich praktisch nichts getan."

Die Ferraris von Hamilton und Leclerc am Start beim Formel-1-Rennen in Mexiko
Die beiden Ferrari Seite an Seite am Start in Mexiko, Foto: IMAGO / MAXPPP

Charles Leclerc spielt Mexiko-Szene runter: Wir kämpfen um den Sieg

Auf der anderen Seite hatte Leclerc noch nichts von Hamiltons Aussagen mitbekommen, als er sich nach dem Rennen der F1-Presse stellte: "Wir werden natürlich darüber sprechen, wenn er ... ich weiß nicht, ob er sehr unzufrieden mit dem war, was ich getan habe. Für mich war auch er absolut am Limit."

"Ich meine, wir kämpfen um den Sieg, natürlich werden wir uns beide da nicht viel Platz lassen", meint Leclerc. "Letztendlich haben wir beide in Kurve vier einen Fehler gemacht. Ist jetzt nicht so, dass wir uns berührt hätten. Wir sind beide geradeaus, das hat die Tür für Max geöffnet. Das sollte für mich kein großes Gesprächsthema sein."

Hamilton holte sich beim späten Restart des Rennens nach einer roten Flagge wenigstens den zweiten Platz hinter Verstappen zurück. Leclerc fing sich beim gleichen Restart mit einem kapitalen Verbremser einen Bremsplatten ein, und schleppte sich letztendlich auf dem vierten Platz ins Ziel.