Die Nachricht am Samstagvormittag kam für das gesamte Formel-1-Paddock überraschend: Esteban Ocon wird beim Mexiko-GP nicht mehr an den Start gehen und für das restliche Wochenende bei Haas von Reservefahrer Ryo Hirakawa ersetzt. Details zu den Hintergründen wurden bei der Bekanntgabe keine genannt, nur eine Information ließ sich das Team dann doch entlocken, nämlich, dass es keine gesundheitlichen Gründe für das Aus gebe.

Schnell wurde klar, dass es sich um eine disziplinarische Maßnahme handelt. Nur mit welchem Hintergrund? Laut einer Meldung der französischen 'L'Equipe' sei der Haas-Fahrer nach einem Streit sogar handgreiflich gegenüber Teamchef Ayao Komatsu geworden. Während die Teamseite nach wie vor über die Hintergründe des Rauswurfs schweigt, meldete sich direkt nach dem Ende des Qualifyings Ocon selbst zu Wort.

Aus bei Haas: Jetzt spricht Esteban Ocon

Der Franzose äußerte sich in einem Beitrag in den sozialen Medien und bestätigte in diesem, dass es am Freitagabend zu einer Meinungsverschiedenheit gekommen sei. Ocon bestritt allerdings die darüber hinausgehenden Meldungen einer angeblichen Handgreiflichkeit.

"Gestern Abend kam es aufgrund unterschiedlicher Sichtweisen zu einer Diskussion zwischen allen involvierten Beteiligten. Ich bestätige zwar, dass es dazu gekommen ist, weise jedoch jegliche Berichte oder Vorwürfe entschieden zurück, wonach zur Beilegung von Meinungsverschiedenheiten jeglicher Art körperliche Gewalt angewendet worden sei", heißt es in dem Posting.

"Ich verurteile Gewalt in jeder Form aufs Schärfste und bin der festen Überzeugung, dass Meinungsverschiedenheiten stets mit Professionalität, Respekt und gegenseitigem Verständnis behandelt werden sollten", so Ocon weiter, ehe er forderte, dass man weitere Spekulationen unterlassen möge.

Zuvor hatte Ocon im zweiten Freien Training zum Mexiko-GP sich gegen einen Teambefehl zur Wehr gesetzt. Seine Renningenieurin Laura Müller hatte ihm mitgeteilt, dass er seinen Longrun auf Medium-Reifen anstelle der Softs absolvieren werde. "Nein, nein! Ich will ihn mit den Softs machen. Tut mir das nicht an", ärgerte er sich daraufhin und forderte später ebenfalls am Funk: "Ich bin an diesem Wochenende an der Reihe, kommt schon." Dem Wunsch wurde kein Gehör geschenkt.

Wie bereits seit Ende September fix ist, wird Ocon Haas am Ende der Saison verlassen. Sein Nachfolger wird der Brasilianer Rafael Camara. Zuvor war Ocon im Laufe der letzten eineinhalb Jahre teils deutlich von seinem Teamkollegen Oliver Bearman abgehängt worden, was er häufig auf mysteriöse Performance-Probleme und inkonstante Teile des Boliden zurückführte. Probleme, welche vom Team zumindest teilweise auch bestätigt wurden.

In den letzten Wochen hatte sich Ocon zunehmend offensiv darum bemüht, verbal die Werbetrommel zu rühren, um im klammen Formel-1-Fahrermarkt doch noch ein Cockpit abgreifen zu können. Im Moment ist nur noch jenes bei Cadillac frei verfügbar, realistischer erscheint jedoch eine Rolle als Ersatzfahrer.

Wie geht es mit Esteban Ocon weiter?

Ob die Formel-1-Karriere als Stammfahrer oder zumindest als Haas-Fahrer mit dieser unrühmlichen Episode in Mexiko zu Ende geht, ist noch nicht final geklärt. Sowohl das Team als auch Ocon berufen sich darauf, dass weitere Informationen zu gegebener Zeit veröffentlicht werden.

Wer ihn bei den verbleibenden vier Rennwochenenden der F1-Saison ersetzen könnte, ist unklar. Ryo Hirakawa war in Mexiko die naheliegendste Option, da er ohnehin schon im ersten Training im Einsatz war. Am kommenden Wochenende überschneidet sich aber das Formel-1-Wochenende in Brasilien mit dem Finale der Langstrecken-WM in Monza, wo Hirakawa mit Toyota um die WM fährt.

Ein vorgezogenes Debüt von Camara in der Formel 1 wäre eine denkbare Lösung, genauso wie ein Einsatz von Haas-Ersatzfahrer Jack Doohan. Der Australier war schon 2024 zu einem vorzeitigen F1-Debüt bei Alpine gekommen, als Ocon ein Rennen vor dem Ende der Saison vor die Tür gesetzt wurde.

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