Das Formel 1 Jahr 2006 hat unverkennbar begonnen: Die meisten der neuen Autos wurden mehr oder minder glamourös präsentiert und werden momentan ausgiebig in Südeuropa getestet. Trotzdem ist es derzeit gute anderthalb Monate vor dem Saisonbeginn in Bahrain superschwer zu sagen, wer konkurrenzfähig ist und wer nicht.
Allein die Reifenfrage stellt uns vor ein derzeit beinahe unlösbares Rätsel: Hat Bridgestone den Rückstand des Vorjahres aufgeholt? Wie sehr helfen ihnen die neuen Reifenregeln mit der Rückkehr von Reifenwechsel und somit weniger langlebigen Pneus? Was hat Michelin in seinem vorerst letzten F1-Winter alles ausgeheckt?
Die Antworten auf alle diese Fragen wird wohl nur das erste Saisonrennen am 12. März in Bahrain geben können. Mehr als eine unverbindliche Einschätzung ist aktuell für Nichthellseher nicht drin.
Für mich steht demnach nur fest, dass McLaren auch in diesem Jahr wieder schnell sein wird, Ferrari sich über den Winter eindeutig verbessert hat und Renault weiter vorne dabei ist. Aber wie sehr sich beispielsweise Ferrari im Vergleich zur Konkurrenz verbessert hat, ist nicht vorherzusagen. Dass sie sich verbessern mussten und wohl auch würden, war ohnehin von Anfang an klar.
Ganz anders sehe ich die Situation bei Honda. Dort drehte man auch im letzten Jahr, damals noch als British American Racing, schnelle Wintertestzeiten und diverse Rundenrekorde. In den Rennen war man allerdings zu Beginn hoffnungslos unterlegen. Deshalb genieße ich die guten Honda-Testzeiten der letzten Tage noch mit einer gewissen Vorsicht.
Genauso sieht es bei McLaren Mercedes aus, wo viele derzeit den Motor als Schwachpunkt ausmachen. Andererseits weiß man heutzutage nicht mehr, ob ein Team wirklich am Limit testet oder nur die Konkurrenz in die Irre führen möchte. Die wirklichen Tankinhalte, Setupeinstellungen und Reifenspezifikationen kennen eben am Ende nur eine handvoll Leute.
Der beste Beweis dafür ist, dass die schnellsten Rundenzeiten derzeit von einem Ferrari F2004 samt neuem V8-Motor gefahren werden; und zwar mit der Aerodynamik des Jahres 2004. Eine richtige Aussage lässt sich vor dem Saisonbeginn also nicht treffen. Alles andere ist reine Spekulation.
Die Wahrheit über den Leistungsstand der elf Teams erfahren wir demnach erst nach dem Bahrain GP. Für einige Rennställe könnte das böse Erwachen dort aber noch schlimme Folgen haben: Denn wer nicht von Anfang an konkurrenzfähig ist und noch größere Probleme zu beheben hat, sei es an der Aerodynamik oder am neuen V8-Motor, der könnte schon aus dem Titelrennen draußen sein.
Wie schwer es ist einen Rückstand aufzuholen haben B·A·R und nicht zuletzt Ferrari in der letzten Saison bewiesen. Selbst die riesigen roten Ressourcen und die unlimitierten Testfahrten halfen der Scuderia 2005 nicht mehr auf die Bridgestones zu kommen.
In diesem Jahr soll das aber anders werden, wie Michael Schumacher unserem motorsport-magazin.com-Redakteur Juha Päätalo verriet. Denn der siebenfache Champion wagte trotz aller Vorsicht und Ungewissheit eine erste Prognose: "Renault ist zurzeit sicher das stärkste Auto, aber wir und Honda sind nicht sehr weit davon entfernt." Warten wir es ab. In 38 Tagen sind wir schlauer.

diese Formel 1 Kolumne