Nicht weil Red Bull unlängst ein so genanntes "Love-In" veranstaltet hat, sondern wegen einiger Aussagen namhafter Hersteller-Vertreter sowie der Übernahme durch die CVC und deren guten Absichten durfte man bislang der Hoffnung frönen, dass die Formel 1 noch vor dem Saisonbeginn oder gar schon vor dem Jahresende ihren Frieden finden könnte. Und ihren Frieden findet sie in so fern, als dass ein Gespenst namens GPMA oder Hersteller-Serie von der Bildfläche verschwindet. Honda-Teamchef Nick Fry erklärte beispielsweise, dass die Chancen gut stehen würden, dass man sich in der neuen Saison "auf das Racing, den Sport und die Unterhaltung konzentrieren" könne, weil man sich zuvor auf eine gemeinsame Zukunft und vor allem eine einzige Rennserie geeinigt hat.

Auch für RenaultF1-Präsident Patrick Faure stand am Beginn des Monats fest, dass der Jahreswechsel zu einem "Wendepunkt" in Sachen Hersteller-Serie werden würde - denn um eine solche ins Leben zu rufen, benötigt man Zeit. "Wir können mit der neuen Serie nicht noch länger warten, da wir Strecken unter Vertrag nehmen müssen", stellte Faure klar. Kurz gesagt deutete Faure an, dass zum Jahresende die Entscheidung gefällt wird: Hersteller-Serie oder keine Hersteller-Serie. Der Formel 1 würde eine Klärung in dieser leidigen Frage jedenfalls mehr als nur gut tun...

Doch wer die Formel 1 der letzten Jahre beobachtet hat, wird sich nicht mehr wundern, wenn McLaren-Teamchef Ron Dennis nun wieder etwas völlig anderes in den Raum stellt. Der Brite erklärte gegenüber Autosport, dass man es in Sachen "Wendepunkt" anscheinend doch nicht so eilig habe. "Wir haben bis zum Ende des Jahres 2007 ausreichend Zeit, um die Probleme aussortieren zu können", sagte Dennis.

Zwar wäre die Entwicklung positiv: "Jeder nähert sich dem anderen. FIA-Präsident Max Mosley ist einen beträchtlichen Schritt auf uns zugegangen und auch wir haben versucht, der FIA entgegenzukommen." Doch eine endgültige Klärung der Frage sieht Ron Dennis "nicht vor den nächsten drei bis sechs Monaten". Der Hintergrund: Die CVC respektive die neu gegründete Gesellschaft Alpha Prema hat zwar die SLEC-Mehrheitsrechte übernommen, die Hersteller stehen der Firma aufgrund deren Leistungen in der Moto GP-Serie auch positiv gegenüber - aber: Noch ist die Übernahme nicht von der EU oder der FIA abgesegnet worden, weshalb man sich laut Dennis "noch nicht an einen Tisch setzen kann". Zudem scheint es Probleme bei den Übernahmeverhandlungen mit der verbliebenen Eignerbank Lehman Brothers zu geben.

Und so wird sich die Formel 1-Welt wohl oder übel damit abfinden müssen, dass es die lustigen, spannenden und vor allem überhaupt nicht verwirrenden Geschichten rund um die drohende Hersteller-Serie auch im Jahr 2006 geben wird. Die Friedenspfeife darf getrost wieder eingepackt werden.