Dass die Herren Max Mosley und Edouard Michelin in den nächsten Monaten nicht unbedingt beste Freunde werden, ist eine wahrlich wahrhaftige Aussage - und davon gibt es bekanntlich nur wenige in der Formel 1. Und noch etwas gibt es zu beobachten: Im Normalfall sind oberste Behörden vor allem in offiziellen Presseaussendungen nicht unbedingt zynisch - vor allem dann nicht, wenn es um riesige Konzerne geht, wie das beispielsweise bei Michelin der Fall ist. Die oberste Sportbehörde FIA scheint da eine Ausnahme zu sein: Der künftige Einheitsreifen wäre nicht nur fairer, sicherer und billiger - er würde auch garantieren, dass sich Probleme wie beim US-GP 2005 wiederholen würden, fügte die FIA süffisant ihren Worten zum vorgezogenen Michelin-Ausstieg hinzu. Eine verbale Ohrfeige für das winkende Bibendum...

Und so schien es völlig klar, dass damit noch nicht das letzte Wort gesprochen war. Prompt hat sich Edouard Michelin persönlich zu Wort gemeldet. Gegenüber der Gazzetta dello Sport wiederholte er jene Kritik an der obersten Sportbehörde, die er schon vor geraumer Zeit aussprach: "Die FIA ändert Dinge willkürlich, je nach Situation, was einen Mangel an Transparenz offensichtlich macht."

Michelin spricht konkret die vielzitierten "sündteuren Sparmaßnahmen" an - einen Begriff, den geneigte Motorsportfans noch viele Jahre und Jahrzehnte mit der Regentschaft von Max Mosley in Verbindung bringen werden. Und so sagt Michelin: "Nachdem wir die von der FIA angestrebte Kostensenkung unterstützt haben, erhöhte die FIA mit ihrer neuerlichen Regeländerung die Kosten um 15 Prozent: Mehr Entwicklung, mehr Testfahrten und mehr Logistik." Der Hintergrund: Nach einem Jahr des Verbots von Reifenwechseln werden diese 2006 wieder erlaubt sein. Es müssen daher wieder völlig neue Pneus gemischt werden.

Dass die Teams diese Regelung abgesegnet haben, dazu hat Edouard Michelin seine eigene These: "Wenn sich manche Teams für diese Regel entschieden haben, dann nur deshalb, weil sie sich wahrscheinlich Vorteile erhofft haben - vor allem jene Teams, die mit den Reifen unseres Konkurrenten ausgestattet werden, der sich in der vergangenen Saison zu keinem Zeitpunkt an diese Konditionen anpassen konnte."

Für Edouard Michelin ist klar, wohin die neuen Regeln und der Einheitsreifen führen - zur Einheitsserie. Michelin: "Wir hatten ein außergewöhnliches Jahr. Die guten Resultate haben das Image unserer Firma verbessert. Aber mit dem Einheitsreifen verliert die Serie zu einem Teil ihren Anspruch auf Hochtechnologie. Wir waren immer gegen ein Ende des Wettkampfs zwischen den Reifenherstellern. Diesen Kampf zu beenden, ist der erste Schritt in Richtung Einheitsmotor und Einheitschassis. Aus den Rennen werden so Promotion-Veranstaltungen."