Formel 1 / Kolumne

Mark Sutton: Der doppelte Hochseilakt

Auf den High-Speed-Kursen in Monza und Spa erlebte Mark Sutton gleich auf mehrere Weisen einen Hochseilakt der Gefühle.
von Mark Sutton

Motorsport-Magazin.com - Es war unglaublich am Donnerstagmorgen des Italien GP auf der alten Monza-Steilwand herumzulaufen. Das habe ich seit meinem ersten Besuch vor 15 Jahren nicht mehr gemacht.

Das Gefälle ist einfach erstaunlich. Man kann kaum darauf laufen und muss fast herunterkrabbeln. Die Leitplanken an der Außenseite sind alle locker, verrostet und verfallen. Es ist eine Schande, denn es wäre großartig hier mit historischen Autos entlang zu fahren.

Ich grub einige Action-Bilder des Grand Prix von 1961 aus und die Steilkurve sieht einfach genial aus. Ein echter Drahtseilakt auf der Todeswand!

Was mir dabei auffällt: Die Streckenposten stehen direkt hinter einer Schicht von Leitplanken. Wenn ein Auto abfliegt, dann werden sie direkt getroffen. Die Sicht ist aber unglaublich. Glücklicherweise haben sie die Steilkurve nie abgerissen.

Spulen wir jetzt aber ins 21. Jahrhundert vor: Red Bull stellte in der Energy Station den Sony AIBO vor. Für alle die ihn nicht kennen: Das ist ein Roboterhund, der mit künstlicher Intelligenz ausgestattet wurde. Er rennt herum, bellt und sammelt Sachen auf. Es ist mehr ein Haustier als ein Spielzeug.

Mit mehr als 1.000 Pfund für ein Standardmodell ist er auch ziemlich teuer. Man kann ihn auch auf die Stimme seines Besitzers programmieren. Dank einer Videokamera kann es auch sehen wo es hingeht.

Den Red Bull Kids Tonio Liuzzi und Christian Klien gefiel das sehr und ich bin mir sicher, dass einige glückliche Kinder damit ein sehr exklusives Weihnachtsgeschenk bekommen werden.

Michael Schumachers Unfall sah ich am Freitag vom Fototurm in der Parabolica - ich war also zur richtigen Zeit am richtigen Ort! Heutzutage ist der Turm etwas wackelig, aber sie haben in diesem Jahr eine neue Außentreppe installiert, was ein großer Fortschritt war.

Von dort kann man einige großartige Bilder schießen, da man die Autos sowohl auf dem Weg in die Kurve als auch aus der klassischen Parabolika-Sicht fotografieren kann. Als Schumacher seinen Unfall hatte stürmten alle wie verrückt nach unten. Glücklicherweise war ich am zweitschnellsten.

Er war schon aus dem Auto ausgestiegen, aber ich bekam ein Foto wie er auf die Reifenstapel kletterte und danach folgte ich seinem Weg. Er blieb dort und ging nicht an die Box zurück. Auf diese Weise bekam ich einige großartige Portraits von ihm.

Belgien

Wir kamen am nächsten Mittwoch in Belgien bei Sonnenschein an - leider war dies kein Vorzeichen für das Wochenende. Ich absolvierte meine Routinerunde durch den Paddock und war überrascht, dass trotz des Tabakwerbeverbots die Ferrari-Box mit dem verbotenen Marlboro-Logo ausgestattet war.

Einige Teammitglieder sahen uns davon Bilder machen. Deshalb überklebten sie den Namenszug mit Klebeband, was etwas amateurhaft aussah.

Ich verstehe nicht, warum sie nicht die non-tobacco-Aufkleber dabei hatten. Aber egal, es ist immer gut Ferrari beschäftigt zu halten!

Als es am Freitag anfing zu regnen fiel das zweite Training sprichwörtlich ins Wasser. Aber selbst bei schlechtem Wetter müssen wir weiter fotografieren. Und wir bekamen einige schöne Bilder von den Fahrern, wie sie in den Boxen warteten.

Als das Wetter später an diesem Tag besser wurde, ging Red Bull mit Louise Goodman von ITV Fallschirm springen. Tonio war im Nassen gecrasht, weswegen ihm Christian Horner sagte: "Du gehst jetzt Fallschirm springen. Da kommst Du nicht raus!"

Ted Kravitz konnte sich mit einer Reihe von Ausreden herauswinden, aber Louise sagte, dass es eine fantastische Erfahrung gewesen ist.

Während des Rennens war ich wieder an der richtigen Stelle um den Schumacher/Sato Unfall in der La Source zu sehen. Schumi war ziemlich wütend als er zu Sato herüber ging. Er trug noch seinen Sitzgurt und schmiss ihn auf den B·A·R und gab Sato aus gutem Grund einen Klaps auf den Kopf.

Dieser Unfall fasste den ganzen Frust dieser Saison zusammen. Gerade als das Wetter in Spa ihm in die Hände spielte, wurde er durch Umstände die er nicht kontrollieren konnte aus dem Rennen geschmissen. Letztes Jahr holte er hier seinen 7. Titel. Was ein Jahr doch für einen Unterschied machen kann.

Ihr Mark Sutton


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