Motorsport-Magazin.com Plus
Formel 1

Formel 1, Geldsorgen wegen Sprintrennen: Teams üben Druck aus

Die Formel-1-Teams fürchten durch das neue Sprint Qualifying Einschnitte in die Finanzplanung. Einsatzkosten und Unfallgefahr im Konflikt mit Budget Cap.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 sucht weiter nach einem Weg, die für 2021 erstmals geplanten Sprintrennen zu realisieren. Das Sprint-Qualifying soll an drei Rennwochenenden als experimentelles Format ausprobiert werden und anstelle des klassischen Zeittrainings die Startaufstellung für den Grand Prix ermitteln. Den Teams bereitet das neue Konzept trotz aller Fürsprache ziemliche Bauchschmerzen. Mercedes, Red Bull & Co. fürchten finanzielle Einschnitte bis hin zu Entlassungen.

"Wir unterstützen Stefano [Domenicali] und Ross [Brawn] gerne bei ihrer Idee, es ist den Versuch wert. Aber wir haben einfach nicht das Polster, um das anzugehen und dann festzustellen, dass es eine halbe Million oder mehr extra kostet und wir das innerhalb des Budget Caps finden müssen", mahnt Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Das Weltmeisterteam der vergangenen sieben Jahre beschäftigt nicht ganz 1.000 Mitarbeiter und steht angesichts der 2021 greifenden Budgetobergrenze vor seinen ganz eigenen Herausforderungen.

In diesem Jahr sind die Kosten für den Betrieb eines Formel-1-Teams erstmals in der Geschichte des Sports gedeckelt. Bei 145 Millionen US-Dollar ist Schluss, ausgenommen sind Kosten für Marketing, Fahrergehälter sowie die Gehälter der drei Bestverdiener im Management. "Im Moment versuchen wir, Einsparungen in der Größenordnung von 10, 20, oder 30.000 Pfund zu erreichen, um die Deckelung zu erreichen", erklärt Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Sprintrennen drohen Budget Cap zu sprengen: Entlassungen?

Die Sprintrennen sind für den bevorstehenden Kalender bei den Events in Silverstone, Monza und Interlagos geplant und sollen jeweils über eine Distanz von 100 km gehen. Auf den ersten Blick erscheint dieses Experiment keinen sonderlich großen Aufwand darzustellen, doch die Teams sehen das anders.

"Wenn du 145 Millionen durch 23 Events teilst, hast du eine ungefähre Idee, was es kostet um ein Grand-Prix-Auto einzusetzen", so Horner. "Und auch wenn ein scheinbar nur kurzes Rennen hinzukommt, bedeutet das einfach nur noch mehr Kosten die wir natürlich bei der Nutzung der Teile usw. auferlegt bekommen."

Um diese finanziellen Anforderungen zu stemmen, könnte es laut Wolff im schlimmsten Fall zu Entlassungen führen. "Das könnte bedeuten, dass wir beim Personal schauen müssen, und das will ich überhaupt nicht erst anfangen", sagt er. Darüber hinaus besteht bei den kompakten Sprintrennen die Gefahr von außerordentlichen Aufwendungen für Unfallschäden.

Für diesen Fall machte zuletzt der Vorschlag für eine Art Versicherung die Runde. Die Teams sollten damit nach den Events eine festgelegte Schadenssumme geltend machen können, für die eine Erstattung geleistet wird. "Es muss einen Zuschuss geben, der das berücksichtigt, damit wir die Deckelung noch einhalten können. Wenn es plötzlich solch ein Variable gibt, musst diese untergebracht werden", so Horner.

Teams sollen nicht für Ideen der Formel 1 ausgenutzt werden

Dem Red-Bull-Teamchef geht es aber augenscheinlich nicht allein ums liebe Geld, sondern auch um Prinzipien. Die Teams haben in den vergangenen Jahren zunehmend Mitspracherecht bei der Gestaltung der Formel 1 gewonnen. Der Brite fürchtet, dass die Rennställe vom Rechteinhaber ausgenutzt werden könnten.

"Im Grunde ist es eine Investition der Teams für die FOM, mit der wir sagen, dass wir es unterstützen, in der Hoffnung dass es funktioniert und in der Zukunft Gewinne und Interesse generiert, die in den kommenden Jahren für den Sport von Vorteil sind", sagt Horner.