Formel 1

Formel 1, Österreich: Verstappen gewinnt Thriller gegen Leclerc

Max Verstappen hat sensationell das F1-Rennen in Spielberg gewonnen. Der Red-Bull-Pilot legte eine furiose Aufholjagd hin. Umstrittene Szene mit Leclerc.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Max Verstappen hat beim Formel-1-Rennen in Österreich einen sensationellen Sieg gefeiert. Der Red-Bull-Pilot setzte sich nach einer Aufholjagd in einem Herzschlagfinale gegen Charles Leclerc durch. Für ihn war es der sechste Sieg in der F1. Motorenhersteller Honda feierte den ersten Triumph in der Hybrid-Ära. Das entscheidende Manöver zwischen Verstappen und dem Ferrari-Piloten sorgt für Diskussionen. Valtteri Bottas komplettierte als Dritter das Podium.

Leclerc kontrollierte das Rennen vom Start weg zunächst souverän, während Verstappen beim Erlöschen der Ampeln um ein Haar stehenblieb und auf den siebten Platz zurückfiel. Die Siegchancen des Niederländers schienen damit zerstört. Erst nach den Boxenstopps rehabilierte sich Verstappen.

Auf der härtesten Reifenmischung kämpfte er Vettel und Bottas nieder, um die Verfolgung des Führenden aufzunehmen. Verstappen fuhr eine Lücke von über fünf Sekunden in nur wenigen Runden zu und lieferte sich in der Schlussphase ein hartes Duell mit Leclerc. Im vorletzten Umlauf presste er sich mit einem kompromisslosen Manöver in der dritten Kurve am Monegassen vorbei, der mit der Aktion nicht einverstanden war.

Hinter Bottas entriss Vettel in der vorletzten Runde Hamilton den vierten Platz. Der Heppenheimer hatte bei seinem ersten von zwei Boxenstopps durch einen Fehler des Teams einige Sekunden verloren und sich auf einem Soft-Reifen in der Schlussphase zurückgekämpft.

Die Punkteränge: Hinter den Piloten der Top-Teams fuhr McLaren-Pilot Lando Norris nach einem souveränen Rennen als Sechster über die Ziellinie. Pierre Gasly wurde Siebter, Carlos Sainz kämpfte sich vom Ende des Feldes bis auf den achten Platz vor. Das Alfa-Romeo-Duo komplettierte mit Kimi Räikkönen vor Antonio Giovinazzi die Top-10. Für den Italiener war es der erste Punkt in der Formel 1.

Schnellste Runde: Bei der Jagd auf Leclerc sicherte Verstappen sich zu den 25 Zählern für den Sieg auch noch den Extrapunkt für die schnellste Rennrunde. Es war das erste mal, dass der Bonuszähler an den Niederländer ging.

Formel 1, WM-Stand 2019: Verstappen überholt Vettel

Der WM-Stand: Hamilton führt die WM nach neun Rennen weiter vor Bottas an, büßte in Österreich allerdings fünf Zähler ein. Verstappen ist durch seinen ersten Sieg in der laufenden Saison wieder an die dritte Position vorgerückt und liegt drei Zähler vor Vettel. Hinter den Piloten der Top-Teams liegen Sainz und Norris geschlossen auf den Positionen sieben und acht.

Die Konstrukteurs-WM führt Mercedes auch nach dem enttäuschenden Wochenende am Red Bull Ring weiter souverän an. Auf Ferrari büßte man lediglich fünf Punkte ein, auf Red Bull waren es sieben. McLaren hat seinen vierten Platz durch die doppelte Punktefahrt in der Steiermark weiter gefestigt und liegt nun 20 Zähler vor Renault.

Das Wetter: Bei 34 Grad Celsius Außen- und 49 Grad Celsius Streckentemperatur in der Steiermark fand am Sonntag die vorhergesagte Hitzeschlacht auf dem Red Bull Ring statt.

Verstappen mit Katastrophen-Start

Die Startphase: Leclerc erwischte von der Pole den besten Start und verteidigte seine Führung erfolgreich auf dem Weg in die erste Kurve. Verstappen erwischte aus der ersten Startreihe einen Horror-Start. Der Niederländer würgte seinen Red Bull beim Erlöschen der Ampeln um ein Haar ab und fiel bis auf den siebten Platz zurück. Einen grandiosen Start legte Norris hin, der in Kurve eins Hamilton kassierte.

Die beiden Briten lieferten sich ein hartes Duell, bis Hamilton beim Herausbeschleunigen aus Turn 3 die Power seines Mercedes-Motors nutzte, um wegzuziehen. Norris wurde kurz darauf im Mittelsektor auch von Räikkönen kassiert. Vettel folgte als Fünfter. Hülkenberg gehörte ebenfalls zu den Gewinnern des Starts. Er machte von Startplatz 15 drei Positionen gut.

Verstappen und Vettel kämpften sich vor

Der frühe Rennverlauf:Leclerc profitierte von den Kämpfen seine Verfolger und hatte bereits nach der ersten Runde zwei Sekunden Vorsprung auf Bottas. Hamilton fehlte nach dem Kampf mit Norris bereits der Anschluss an den Teamkollegen. Räikkönen und Norris führten das Verfolgerfeld an.

In Runde vier kassierte Vettel den McLaren von Norris bei der Anfahrt auf Kurve drei. Der Rookie leistete ohne Aussicht auf einen Kampf gegen den Ferrari kaum Gegenwehr. Zwei Umläufe später war auch Räikkönen an derselben Stelle fällig. Die Lücke auf Hamilton betrug für Vettel zu diesem Zeitpunkt bereits fünf Sekunden.

In der siebten Runde schnupfte Verstappen beim Run auf Kurve drei Norris auf. In der darauffolgenden Runde wiederholte sich das Schauspiel mit Räikkönen. Leclerc begann seinen Vorsprung auf Bottas kontinuierlich auszubauen. In Runde zehn war der Vorsprung auf knapp vier Sekunden angewachsen.

Norris und Räikkönen duellierten sich derweil um die sechste Position. In der 14. Runde nutzte der Youngster bei der Anfahrt auf Turn 3 das DRS, um am 20 Jahre älteren Routinier vorbeizugehen. Der Iceman bekam es gleich darauf mit Gasly zu tun. Der Franzose kam aber zunächst nicht in die richtige Position für eine Attacke.

An der Spitze rückte das Feld wieder etwas näher zusammen - allerdings nur hinter dem Leader. Bottas konnte die Pace von Leclerc nicht mitgehen und lag in Runde 20 fast fünf Sekunden hinter dem Ferrari. Hamilton hingegen rückte bis auf anderthalb Sekunden an den Stallgefährten heran, Vettel hatte die Lücke auf den Weltmeister von fünf auf zweieinhalb Sekunden zugefahren.

Ferrari verpatzt Vettels Boxenstopp

Die Boxenstopp-Phase: In der 21. Runde eröffneten Bottas und Vettel die Boxenstopp-Phase. Bottas wechselte von Medium auf Hard, musste nach 3,5 Sekunden Standzeit aber erst noch Vettel passieren lassen um einen Unsafe Release zu vermeiden. Der Ferrari-Vorteil verpuffte bei Vettels Stopp dann allerdings gleich doppelt. Die Reifen standen nicht bereit, woraufhin der Wechsel von Soft auf Hard 6,1 Sekunden dauerte.

Vettel kam als Achter hinter Gasly zurück auf die Strecke. Leclerc folgte eine Runde später. Mit 2,6 Sekunden lief es beim Monegassen rund. Hamilton blieb draußen und reagierte mit einer neuen schnellsten Runde auf die Boxenstopps der Konkurrenz.

Vettel ging in Runde 24 bei der Anfahrt auf Turn 3 an Gasly vorbei. Als nächstes war der Räikkönen an der Reihe. Der Ex-Teamkollege erledigte sich für den Ferrari-Piloten von selbst, als dieser wenige Kurven später seinerseits zum Boxenstopp abbog. Hamilton und Verstappen blieben zunächst weiter draußen. Der Brite klagte nach einem harten Überfahren des Kerbs ausgangs Turn 1 über ein Problem mit der Vorderachse.

Im 30. Umlauf kam Hamilton zum Service. Die Crew stand mit einem neuen Frontflügel bereit. Normalerweise wäre es zwischen ihm und Vettel eng geworden, doch durch den Wechsel des Frontflügels erstreckte sich der Stopp auf elf Sekunden. Als Fünfter kam Hamilton klar hinter Vettel zurück auf die Strecke. Verstappen reagierte in der darauffolgenden Runde. Der Niederländer griff als Vierter vor Hamilton wieder ins Renngeschehen ein.

Verstappen nicht zu stoppen

Der weitere Rennverlauf: Leclerc hatte das Rennen auch nach den Boxenstopps weiter fest im Griff. Bottas konnte den Abstand zwar konstant bei fünf Sekunden halten, doch beim Monegassen war eindeutig Pace-Management angesagt. Vettel lag vier Sekunden dahinter, Verstappen war als Vierter der einzige Pilot der Spitze, der auf seinen Vordermann aufholte. Vettels Vorsprung war auf zweieinhalb Sekunden geschmolzen.

Hinter den Top-Teams ging es zwischen Ricciardo und Sainz im Kampf um die siebte Position heiß her. Der Australier hatte noch keinen Stopp eingelegt und wehrte sich mit Händen und Füßen gegen den 19-Jährigen. Norris hatte als einziger Pilot im Feld für den zweiten Stint den Medium-Reifen gewählt. In der 42. Runde klappte es beim Run auf Turn 4 mit dem Move auf Ricciardo.

In Runde 46 war Verstappen kurz davor, ins DRS-Fenster hinter Vettel vorzustoßen. Hamilton kam auch nach dem Wechsel des Frontflügels nicht zurecht und lag 13 Sekunden hinter dem Red Bull. Verstappen griff in der darauffolgenden Runde bei der Anfahrt auf Kurve drei erstmals mit DRS an, doch Vettel verteidigte erfolgreich. Auch die zweite Attacke vor Kurve vier wehrte der Ferrari-Pilot ab.

In der 50. Runde setzte sich Verstappen vor Kurve vier gegen Vettel durch. Der Ferrari-Pilot kam gleich darauf für einen zweiten Boxenstopp zum Service. Der Wechsel von Hard zurück auf Soft erfolgte in 3,6 Sekunden deutlich schneller als der erste Boxenstopp. Vettel kam als Fünfter rund sieben Sekunden hinter Hamilton wieder aus der Box.

Verstappen knüpfte sich in der 55. Runde Bottas vor. Obwohl er kurz zuvor im Funk über Leistungsverlust klagte, erledigte er den Finnen gleich im zweiten Anlauf mit DRS vor Kurve drei. Bottas verzichtete im Gegensatz zu Vettel allerdings auch auf konsequente Kampflinie. Mit freier Bahn begann für Verstappen die Jagd auf den Führenden.

Verstappen überholt Leclerc mit hartem Manöver

Die Schlussphase: Leclerc parierte auf den neuen Gegner in seinem Nacken und zog seinerseits die Pace an. Verstappen war dennoch schneller. Bis zu einer Sekunde knüpfte der Vorjahressieger im Red Bull dem Monegassen ab, dessen erster Formel-1-Sieg in den letzten zehn Runden nach einem kontrollierten Rennen plötzlich in Gefahr war.

Sechs Runden vor der Zielflagge war Verstappen auf unter anderthalb Sekunden an Leclerc dran. Der Ferrari-Pilot lief in diesem Moment auf den zur Überrundung stehenden Gasly im zweiten Red Bull auf. Der Franzose ließ das Führungsduo passieren, Verstappen war in der 67. Runde erstmals im DRS-Fenster. Leclerc parierte den ersten Angriff vor Turn 3 erfolgreich.

Eine Runde später ging es richtig zur Sache. Verstappen ging in Kurve drei zunächst innen durch, doch Leclerc konterte beim Herausbeschleunigen umgehend und verteidigte sich abermals erfolgreich. In Runde 69 packte Verstappen die Brechstange aus und drückte sich mit Gewalt in der dritten Kurve vorbei. Leclerc wurde durch eine Berührung in die Auslaufzone geschickt.

Der Monegasse beklagte sich im Funk über das Manöver des Rivalen, die Rennleitung notierte die Szene. In der vorletzten Runde presste Vettel sich in Kurve vier noch an Hamilton vorbei und übernahm Platz vier. Verstappen gewann mit zweieinhalb Sekunden Vorsprung auf Leclerc, Bottas lag als Dritter fast 20 Sekunden hinter dem Sieger.

Die Top-Facts des Rennens

  • Verstappen siegt nach furioser Aufholjagd
  • Umstrittenes Überholmanöver um den Sieg
  • Mercedes-Serie reißt im neunten Rennen
  • Erster Honda-Sieg in der Hybrid-Ära
  • Ferrari patzt bei Vettels Boxenstopp

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