Formel 1 / Kolumne

Sven Heidfeld: Großbritannien: So viel Pech für nur einen Fahrer

Nach dem Silverstone GP beleuchtet Sven Heidfeld das große WM-Duell zwischen Kimi Räikkönen und Fernando Alonso.
von Sven Heidfeld

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Im Vergleich zum ehrlich gesagt einschläfernden Frankreich GP, war das elfte Saisonrennen in Silverstone wieder ein bisschen besser. Auf Kimi kann man sich eben immer verlassen. Nur leider kann er sich nicht immer auf seinen Motor verlassen.

Es ist einfach Wahnsinn wie viel Pech ein Fahrer haben kann und unglaublich, dass das schnellste Auto noch immer nicht die Meisterschaft anführt. Schließlich sitzt darin ja ein mindestens gleichwertiger Fahrer zum aktuellen WM-Spitzenreiter Fernando Alonso.

Trotz der 26 WM-Punkte Rückstand glaube ich dennoch daran, dass Kimi in diesem Jahr Weltmeister wird. Neben der eigenen Technik steht dem Finnen vor allem das Punktesystem im Weg. Entsprechend muss er darauf setzen, dass auch Alonso zumindest einmal ausfällt und durch einen gleichzeitigen Sieg seinerseits alles enger zusammenrückt.

Der Spanier macht es allerdings geschickt: Er holt immer das Beste heraus, macht wenig oder fast gar keine Fehler, riskiert weder zu viel noch zu wenig und holt auf diese Weise das Optimum heraus.

Aber auch Kimi fährt ein Superrennen nach dem anderen und ist im Qualifying klar besser als sein Teamkollege. Zudem glänzt er immer wieder mit solchen Superrunden wie in Magny Cours oder Silverstone, wo er trotz einer immensen Spritladung noch absolute Topzeiten fährt.

Leider hat er in dieser Saison schon viel zu viel Pech gehabt. Allerdings hätte es auch noch schlimmer kommen können. Nämlich dann, wenn die letzten beiden Motorschäden nicht im Freien Training, sondern im Rennen passiert wären. Dann wäre der WM-Titel schon jetzt endgültig verloren gewesen.

So konnte er immerhin auch aus der zweiten Hälfte der Startaufstellung noch auf das Treppchen fahren und eine gewisse Schadensbegrenzung betreiben. Dies spricht natürlich, abseits der Zuverlässigkeitsprobleme, für die tolle Arbeit, die McLaren Mercedes in diesem Jahr geleistet hat.

Der Sieg seines Teamkollegen Juan Pablo Montoya war hingegen der Lohn für eine steigende Formkurve in den letzten Rennen. Nach einem schwachen Anfang, seiner Verletzungspause und einigen Technikproblemen sagen jetzt viele, dass bei ihm der Knoten geplatzt sei. Aber Montoya ist kein Fahrer mehr, bei dem der Knoten platzen müsste. Er hat schon früher Grand Prix gewonnen und ist auf alle Fälle schnell. Ein bisschen wird ihn sein erster McLaren-Sieg, nach den vielen Niederlagen gegen Kimi, aber dennoch beflügeln.

Was lässt sich sonst noch über den Frankreich GP sagen? Ferrari fährt immer noch hinter der Musik her. Sie waren zwar ein bisschen besser, aber viel hat sich nicht geändert. Sie waren noch immer einfach zu langsam. Das gleiche gilt für BMW-Williams, die ebenso unverändert langsam waren.

Nichtsdestotrotz legen die Teams in diesem Jahr im Vergleich zu den vergangenen Saisons eine noch einmal erhöhte Entwicklungsgeschwindigkeit an den Tag. Sie bringen nicht nur immer wieder einmal kleinere Verbesserungen, sondern führen gleich komplett neue Autos oder komplett neue Aerodynamikpakete ein.

Die große Herausforderung für die Formel 1 Teams ist es also derzeit am aktuellen Auto zu arbeiten und gleichzeitig das neue Auto für die kommende Saison zu entwickeln. Somit entscheidet sich in diesen Tagen nicht nur die WM 2005, sondern werden auch schon die ersten Weichen für 2006 gestellt.

Euer Sven Heidfeld


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