Formel 1

Formel 1 vs. LMP1: Die Königsklassen im Zeiten-Vergleich

Die Formel 1 wurde zeitentechnisch jahrelang von der LMP1-Klasse der FIA WEC gejagt. Mit den 2017er-Regeln änderte sich das wieder. Die Zeiten im Vergleich:
von Tobias Ebner

Motorsport-Magazin.com - Sie sind die beiden höchsten Klassen des Automobil-Rennsports: Die Formel 1 und die LMP1-Klasse innerhalb der FIA WEC. Seit Gründung der Langstrecken-WM zur Saison 2012 kamen die geschlossenen Prototypen der F1 Jahr für Jahr etwas näher. Doch mit den neuen Aerodynamik-Regeln, die 2017 eingeführt wurde, konnte die Formel 1 diesen Trend wieder umkehren. Die Zeiten auf den sechs gemeinsam befahrenen Strecken (Austin, Bahrain, Mexiko, Shanghai, Silverstone und Spa) im Vergleich:

Formel 1 vs. LMP1: Austin

MSM TV: Neue F1-Regeländerungen für 2017 und 2018: (2:02 Min.)

Gehen wir dabei alphabetisch vor und fangen mit dem Circuit of the Americas in Austin an. Aufgrund der Streckencharakteristik büßen die LMP1-Fahrzeuge besonders im Qualifying an Zeit ein. Hier spielt das Mehrgewicht vor allem im ersten Sektor eine tragende Rolle. 112 Prozent lag man dabei mit der Schnellsten Qualifying-Runde über der F1-Pole-Zeit. Im Rennen fällt der Unterschied geringer aus - ein Trend, den man auf jeder Strecke beobachten kann. Eine weitere Tendenz, die erkennbar wird: Die LMP1-Klasse war 2016 tatsächlich näher an der Königsklasse dran. Im Qualifying-Trimm fehlten im Vorjahr acht Zehntel weniger, bei der Schnellsten Rennrunde war man gar 2,2 Sekunden näher dran.

Jahr Formel 1
(Pole-Zeit)
LMP1
(SR im Quali)
Formel 1
(Schn. Run.)
LMP1
(Schn. Run.)
2017 1:33.108 1:44.656
(+11.548)
1:37.766 1:47.149
(+9.383)
2016 1:34.999 1:45.703
(+10.704)
1:39.877 1:47.052
(+7.175)

Formel 1 vs. LMP1: Bahrain

Bahrain GP: 360-Grad-Streckenvorstellung mit Carlos Sainz: (01:51 Min.)

Auch auf dem Wüstenkurs von Bahrain verlor die LMP1-Klasse in diesem Jahr gegenüber der Formel 1. Der Rückstand überschritt dabei im Gegensatz zu 2016 die 10-Sekunden-Grenze. Eine ganze Sekunde büßte man bei der schnellsten Qualifying-Runde ein, in Sachen Schnellster Rennrunde waren es sogar deren drei. In Prozent ausgedrückt: Die LMP1-Klasse lag 2016 noch 110 bzw. 107 Prozent über den Formel-1-Zeiten, in der abgelaufenen Saison 111 bzw. 110 Prozent.

Jahr Formel 1
(Pole-Zeit)
LMP1
(SR im Quali)
Formel 1
(Schn. Run.)
LMP1
(Schn. Run.)
2017 1:28.769 1:39.084
(+10.315)
1:32.798 1:42.862
(+10.064)
2016 1:29.493 1:38.828
(+9.335)
1:34.482 1:41.511
(+7.029)

Formel 1 vs. LMP1: Mexiko

Die kürzeste Strecke mit den niedrigsten Rundenzeiten in unserem Vergleich ist das Autodromo Hermanos Rodriguez in Mexiko. Entsprechend fallen auch die Abstände knapper aus, doch auch hier zeigt sich: Die LMP1-Klasse ist im Renntrimm näher an der Formel 1 dran, zudem büßte man 2017 im Vergleich zum Vorjahr ein. Zwei Sekunden oder etwas weniger als drei Prozentpunkte waren es im Qualifying, im Rennen dann 2,4 Sekunden bzw. etwas mehr als drei Prozentpunkte.

Jahr Formel 1
(Pole-Zeit)
LMP1
(SR im Quali)
Formel 1
(Schn. Run.)
LMP1
(Schn. Run.)
2017 1:16.488 1:24.459
(+7.971)
1:18.785 1:25.730
(+6.945)
2016 1:18.704 1:24.763
(+6.059)
1:21.314 1:25.880
(+4.566)

Formel 1 vs. LMP1: Shanghai

Welch rasante Entwicklung die Formel 1 2017 genommen hat, zeigt sich vor allem bei der Schnellsten Rennrunde auf dem Shanghai International Circuit. Hier legte man im Vergleich zum Vorjahr um 4,5 Sekunden zu, während sich die LMP1-Prototypen um gerade einmal eine Zehntelsekunde verbesserten. Entsprechend wuchs der Rückstand auch von 6,1 auf 10,5 Sekunden an. Weniger eklatant fällt der Unterschied in Sachen Qualifying aus.

Jahr Formel 1
(Pole-Zeit)
LMP1
(SR im Quali)
Formel 1
(Schn. Run.)
LMP1
(Schn. Run.)
2017 1:31.678 1:42.526
(+10.848)
1:35.378 1:45.892
(+10.514)
2016 1:35.402 1:44.307
(+8.905)
1:39.824 1:45.935
(+6.111)

Formel 1 vs. LMP1: Silverstone

High-Speed-Mekka: So geil ist Silverstone mit den neuen F1-Autos: (2:48 Min.)

In Silverstone lässt sich zumindest, was das Qualifying angeht, eigentlich kein Vergleich ziehen. Der Grund ist simpel: Am Qualifying-Tag der WEC 2016 war es eisig kalt, am Vormittag im FP3 schneite es noch, im Abschlusstraining war dann die Strecke nass. So ist für einen Vergleich nur die Schnellste Rennrunde aussagekräftig. Und obwohl sich hier die LMP1 2017 steigerte, verlor man trotzdem ordentlich an Boden. Der Grund liegt auch hier in der Streckencharakteristik, die den neuen F1-Boliden extrem zugute kommt.

Jahr Formel 1
(Pole-Zeit)
LMP1
(SR im Quali)
Formel 1
(Schn. Run.)
LMP1
(Schn. Run.)
2017 1:26.600 1:36.793
(+10.193)
1:30.621 1:39.656
(+9.035)
2016 1:29.287 1:52.911*
(+23.624)*
1:35.548 1:40.303
(+4.755)

* Regen im Qualifying

Formel 1 vs. LMP1: Spa

Die schnellste und längste der gemeinsamen Strecken ist der Circuit de Spa-Francorchamps. Trotzdem sind die Unterschiede auch nicht größer als auf anderen Strecken. 2017 büßten die Prototypen von Porsche und Toyota gut elf Sekunden auf die Königsklasse ein - im Vorjahr waren es allerdings noch ca. sieben (Qualifying) bzw. neun (Rennen) Sekunden. In Prozent ausgedrückt lag die LMP1-Klasse in diesem Jahr rund 110 Prozent über der Formel 1.

Jahr Formel 1
(Pole-Zeit)
LMP1
(SR im Quali)
Formel 1
(Schn. Run.)
LMP1
(Schn. Run.)
2017 1:42.553 1:53.658
(+11.105)
1:46.577 1:57.638
(+11.061)
2016 1:46.744 1:55.691
(+8.947)
1:51.583 1:58.431
(+6.848)

Zeiten-Vergleich: Die Schlussfolgerungen

1. Die LMP1-Klasse hält im Renntrimm besser mit: Die Formel 1 hat in Sachen Schnellste Rennrunde teilweise einen deutlich geringeren Vorsprung auf die LMP1-Klasse, als in den Qualifyings. Und das, obwohl sich die geschlossenen Prototypen im Rennen noch mit dem GT-Verkehr auseinander setzen müssen. Doch hier ist das F1-Regelwerk noch ein Stückchen restriktiver. Das Tankverbot in Kombination mit einer maximalen Benzin-Durchflussmenge und den Pirelli-Reifen spielt hier eine große Rolle.

2. Die Formel 1 hat 2017 (auch im Vergleich) deutlich zugelegt: Dass die Formel 1 die WEC aber im Jahr 2017 wieder etwas stärker abgehängt hat, verwundert trotzdem nicht. Während man in der Langstrecken-WM darauf bedacht ist, den Fortschritt der Hersteller irgendwie einzubremsen, wurden für die Königsklasse zum Jahr 2017 neue Aerodynamik-Regeln beschlossen. Die Konsequenz: die Rundenzeiten in der F1 fielen gleich um mehrere Sekunden, der Status als Königsklasse wurde damit entsprechend wieder gefestigt.


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