Liebe motorsport-magazin.com-User,
Wie Sie als Formel 1 Interessierte in den letzten Tagen hier bei motorsport-magazin.com gelesen und festgestellt haben werden, gab es am vergangenen Montag bei einem Teamchef-Meeting mehr als nur eine Überraschung.
Für mich war es sogar der Donnerknall des Jahres: Eine bereits beschlossene Regeländerung wurde aus nicht nachvollziehbaren, fadenscheinigen Gründen zurückgenommen und selbst Tony Purnell von Jaguar fand dafür keine Worte mehr.
Wenn Michael Schumacher und seine Kollegen das neue Qualifying-System bereits bei den letzten Testfahrten in Barcelona üben und dann am Montag der Salto rückwärts kommt, dann fehlen allerdings auch mir die Worte!
Hier hat die Formel 1 in ihrem Egoismus und ihrer Uneinsichtigkeit bei der Darstellung sowie Festlegung der Zukunft des Sports ein kapitales Eigentor geschossen.
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich liebe diesen Sport und diese Show und ich bin auch gerne mit Haut und Haaren Formel 1 Kommentator, aber die nun beibehaltene Samstagsregelung und insbesondere das 1. Qualifying sind nicht wirklich spannend. Und ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass es auch nur für einen einzigen Zuschauer aufregend sein könnte nur ein einziges Auto alleine auf der Strecke fahren zu sehen.
Sicherlich präsentierte sich die Formel 1 früher im alten Qualifying-Format mit 20 bis 30 Minuten Leerlauf zu Beginn der Session, doch gab es dafür am Ende nicht nur jede Menge Fahraction, die teils spannender und packender als die meisten Rennen war, sondern gab es letztlich auch eine Pole die tatsächlich eine Pole war und ließ sich für jedermann klar ersichtlich feststellen, wer mit leichtem Auto der Schnellste war – und das war meistens Ayrton Senna.
Entsprechend wird mit der Ablehnung des geänderten Qualifying-Formats dem Qualifikationstraining nicht nur der ehemalige und verdiente Stellenwert auch weiterhin verwehrt, sondern hat man auch eine extreme Chance der Neugestaltung und Neugliederung der Formel 1 für die Zukunft verpasst.
Deswegen möchte ich derzeit erst gar nicht an die weiteren Problemfelder wie den Streit um V10 oder V8-Motoren sowie die Uneinigkeit der Hersteller denken. Denn mit einer Erneuerung des Qualifying-Systems hätte man ein klares Zeichen für die Zukunft der Königsklasse des Motorsports setzen können. Hier hätte man in die Gänge kommen können. Doch leider wurde diese Chance kläglich weggeworfen.
Es ist auch nicht zu erwarten, dass FIA-Präsident Max Mosley am Freitag in der internationalen Pressekonferenz in Magny Cours sich großartig zu diesem Dilemma äußern oder etwas Wesentliches dazu sagen wird. Trotzdem wurde am vergangenen Montag ein maßgeblicher und sehr schwerwiegender Fehler begangen, als man den von Bernie Ecclestone für Silverstone vorgeschlagenen Qualifying-Modus aus heiterem Himmel ablehnte.
Wenn noch nicht einmal für eine dringend notwendige Regeländerung zu Saisonmitte Einstimmigkeit unter den Teamchefs und Verantwortlichen zu erzielen ist, wie möchte man dann die Zukunft der Formel 1 gestalten???
Ich sehe Uneinigkeit, Egoismen, Arroganz, Engstirnigkeit und in Folge dessen jede Menge Probleme in den nächsten Jahren auf diesen Sport und seine Macher zukommen.
Ich möchte meinen Lieblingssport hier bei Leibe nicht schlecht reden, aber die Fehlentscheidung vom Montag hat mich tief erschüttert und ich muss nach all dem leider mit Bedauern feststellen: Die Formel 1 fährt mit Vollgas – aber in die falsche Richtung!

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