
Da keiner der Herausforderer Vettel bislang regelmäßig schlagen konnte, ist davon auszugehen, dass der Heppenheimer seinen Vorsprung verwaltet oder ihn noch ausbauen wird. Es ist kaum vorstellbar, dass Vettel seinen Titel nicht verteidigt.

In vier von fünf Rennen, die Vettel nicht gewinnen konnte, nämlich in China, Kanada, Großbritannien, und Ungarn spielte der Regen eine wichtige Rolle. Es ist nicht davon auszugehen, dass alle noch ausstehenden Rennen unter regnerischen Bedingungen ausgetragen werden.

Da die Verfolger in einen gnadenlosen Kampf um den zweiten Platz in der Meisterschaft verstrickt sind, darf es als unwahrscheinlich gelten, dass sich ein einzelner aus dem Paket herausreißen wird. Webber, Hamilton, Alonso und Button liegen nur 15 Punkte auseinander.

Wenn Vettel mal nicht gewonnen hat, wurde er Zweiter. Eine Ausnahme war das Rennen am Nürburgring, als Vettel mit Rang 4 sein schlechtestes Saisonresultat einfuhr. Da jedoch Button, Hamilton und Alonso sich die Siege untereinander aufteilten, konnte keiner entscheidend Boden gut machen, wenn Vettel nicht ganz oben auf dem Podest stand.

Vettel ist nur noch 23 Punkte von seiner Punktzahl von 2010 entfernt. 256 Punkte bedeuteten damals den WM-Titel, wenn auch äußerst knapp. Außerdem spielten auch die vergangenen Rennen dem amtierenden Weltmeister in die Karten.

Realistisch betrachtet spricht nicht viel für die Konkurrenz: Bei 85 Punkten Vorsprung müsste Vettel pro Rennen über 10 Punkte verlieren. Das bedeutet, dass der Deutsche nur noch Dritte Plätze einfahren muss ohne darauf zu achten, was die Konkurrenz anstellt.

Mark Webber hat als WM-Zweiter mit 149 Punkten zwar die rechnerisch beste Chance, Vettel noch einzuholen, doch der Rückstand von 85 Punkten ist groß. Da er im gleichen Auto wie Vettel sitzt, wird es für ihn schwierig, Vettel entscheidend Punkte wegzunehmen.

Fernando Alonso sieht eine "moralische Verpflichtung" darin, für die Millionen von Ferrari-Fans bis zum Ende um den Titel zu kämpfen. Angesichts seiner 89 Punkte Rückstand auf Vettel gibt der WM-Viertplatzierte aber auch zu, dass es der Hilfe von McLaren bedürfe, damit Vettel WM-Punkte verliert.

In den ausstehenden Rennen sind noch 200 Punkte zu vergeben, rechnet Lewis Hamilton vor. Der für seinen aggressiven berüchtigte Engländer, der mit 146 Punkten derzeit WM-Dritter ist, sagte gegenüber der Bild am Sonntag: "Sebastian hat da draußen keinen verbisseneren Gegner als mich!"

Jenson Button spricht davon, dass Red Bull erschüttert davon sei, in den letzten drei Rennen nicht gewonnen zu haben. Der Brite liegt derzeit mit 134 Punkten auf dem fünften Tabellenrang.

Die Konkurrenz fletscht die Zähne: Vettel schien in den letzten Rennen bei weitem nicht so souverän wie zu Saisonbeginn. Webber, Alonso und die beiden McLaren-Piloten haben wieder Blut geleckt.
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