Die ersten beiden Saisonstationen in Monza und Aragon liegen hinter dir. Du hast bisher ein Rennen gewonnen, wie fällt dein Fazit aus?
Antonio Felix da Costa: Der Speed ist da, das ist nicht das Problem. Wenn man den Titel in der World Series by Renault gewinnen will, muss man immer punkten. In Monza wären wir in der Lage gewesen, beide Rennen zu gewinnen, aber im ersten erlitten wir leider einen Reifenschaden und haben dadurch viele Zähler verloren. In Aragon ist es für uns einfach nicht gut gelaufen. Wir wussten, dass es schwierig werden würde zu gewinnen, aber das Podium war realistisch. Ich habe im Qualifying den dritten Platz belegt, hatte dann aber nicht genug Benzin im Tank und wurde daher disqualifiziert. Deshalb musste ich als Letzter starten und habe keine Punkte geholt.

In Aragon herrschten widrige Verhältnisse vor -
In Aragon herrschten widrige Verhältnisse vor -Foto: WS by Renault

Am Sonntag waren wir als Team wohl ein bisschen zu clever und haben den Wagen zu niedrig eingestellt, obwohl es stark geregnet hat. Ich hatte daher im gesamten Rennen Aquaplaning und keinen Speed. Normalerweise bin ich im Regen schnell, aber diesmal war ich drei Sekunden langsamer als alle anderen - das war ziemlich schmerzhaft. Aber immerhin sind wir ins Ziel gekommen und haben sechs Punkte geholt. Ich bin noch nie bei so viel Regen gefahren.

In welchen Bereichen musst du dich noch verbessern?
Antonio Felix da Costa: Als Fahrer verbessert man sich immer. Was den Speed angeht, ist es für mich schwierig zu sagen, wo ich stehe, aber ich war in den letzten ein, zwei Jahren immer konkurrenzfähig und an der Spitze.

Wie sieht dein Saisonziel aus?
Antonio Felix da Costa: Das Ziel lautet, die Meisterschaft zu gewinnen. Red Bull will das wirklich, es ist ihnen noch nie zuvor gelungen. Ich habe im letzten Jahr viele Rennen gewonnen und in diesem Jahr das zweite, daher ist es mehr als möglich. Ich brauche kein Glück, sondern einfach nur kein Pech.

Wer sind deine härtesten Gegner?
Antonio Felix da Costa: Kevin Magnussen ist sehr schnell, ebenso Stoffel Vandoorne. Dann haben wir mit Sörensen, Stevens und vielleicht Müller weitere Jungs, die ebenfalls mit dabei sind. Einige Rookies verbessern sich auch, es wird auf jeden Fall hart.

Du bist in der letzten Saison auch in der GP3 an den Start gegangen. Warum konzentrierst du dich jetzt auf die Formel Renault?
Antonio Felix da Costa: Im letzten Jahr bin ich ohne Red Bull in die Saison gestartet und wurde dann im Laufe des Jahres in das Junior Team aufgenommen. Sie ließen mich die GP3-Saison zu Ende fahren, daher hatte ich ein Doppelprogramm.

Worin bestehen die Unterschiede zwischen GP3 und Formel Renault?
Antonio Felix da Costa: Die Unterschiede sind enorm groß. In der World Series ist die Power fast doppelt so hoch, das Auto ist größer und schwerer, die Rennen sind lange und man hat einen Boxenstopp. Es gibt Karbonbremsen, mit denen man schneller fahren und später bremsen kann. Man kommt daher an ein Limit, das man nie zu vor erlebt hat.

Hast du auch mit dem Gedanken gespielt, in die GP2 zu wechseln?
Antonio Felix da Costa: In der World Series gibt es ein neues Auto, das schneller als der GP2-Wagen ist, obwohl es hundert PS weniger hat. Wir haben bessere Reifen und besseren Downforce. Das Fahrverhalten ist ähnlich der Formel 1 und es gibt Belastungen von fünf G. Daher ist das eine gute Vorbereitung.

Triumph in Macau -
Triumph in Macau -Foto: Sutton

Du hast im letzten Jahr den Macau Grand Prix gewonnen. War das dein bisher größter Erfolg?
Antonio Felix da Costa: Ich würde schon sagen, vor allem aufgrund der vielen harten Arbeit, die wir investiert haben. Man versucht, sich so gut wie möglich vorzubereiten und verbringt viel Zeit im Simulator. Zudem bin ich seit einem Jahr nicht mehr in einem Formel-3-Wagen gesessen. Ich bin direkt von den Young Driver Tests der Formel 1 in Abu Dhabi gekommen und habe prompt gewonnen. Angesichts all dieser Umstände war das ziemlich beeindruckend und ich war wirklich glücklich.

Weißt du schon, wie deine diesjährigen Formel-1-Pläne aussehen?
Antonio Felix da Costa: Momentan arbeite ich nur mit dem Team im Hintergrund im Simulator und reise zu einigen Grands Prix. Sie versuchen, mich langsam an die Formel-1-Welt heranzuführen.

Siehst du eine realistische Chance, auf ein Stammcockpit in der Formel 1?
Antonio Felix da Costa: Das Ziel ist, es nächstes Jahr zu schaffen. Entweder nächstes Jahr oder nie. Wenn wir in der World Series die Leistung bringen, können wir es schaffen und wenn nicht, schaut es schlecht aus.

Verfolgst du daher auch ganz genau, was sich bei Toro Rosso tut?
Antonio Felix da Costa: Nicht wirklich. Wenn ich mich in der World Series gut schlage, kommt der Rest von selbst. Daniel [Ricciardo] und Jean-Eric [Vergne] sind wirklich nette Kerle und ich habe auch schon einige Zeit mit Sebastian [Vettel] und Mark [Webber] verbracht - sie sind alle cool.

Wie ist deine Beziehung zu Dr. Helmut Marko?
Antonio Felix da Costa: Gut und professionell. Es ist ein harter Job für ihn, sechs oder sieben Kids unter Kontrolle zu haben und es ist ein sehr teurer Sport. Er muss einen gewissen Druck aufrechterhalten, denn Red Bull erwartet Ergebnisse. Ich denke, Helmut ist der perfekte Mann für dieses Programm.

Wie wirst du in Portugal gesehen?
Antonio Felix da Costa: Die Leute beginnen, mich mehr und mehr zu verfolgen, je näher ich der Formel 1 komme. Die Formel 1 hat keine besonders gute Geschichte in Portugal - wir hatten zwar einige Fahrer, aber keine herausragenden Ergebnisse und das Ziel besteht daher nicht nur darin, in die Formel 1 zu kommen, sondern auch den Titel für das Land zu gewinnen.

Tiago Monteiro war der letzte Portugiese in der F1 -
Tiago Monteiro war der letzte Portugiese in der F1 -Foto: Sutton

Tiago Monteiro war der letzte portugiesische Formel-1-Pilot. Stehst du mit ihm in Kontakt?
Antonio Felix da Costa: Ja, ich habe mit ihm zusammengearbeitet. Er hilft mir in Portugal und es funktioniert gut. Wir sind der letzte und der nächste Portugiese in der Formel 1.

Stehst du unter größerem Druck, je näher du der Formel 1 kommst?
Antonio Felix da Costa: Es ist ein anderer Druck und ein realistisches Ziel. Wir sind fast da und haben keinen Raum für Fehler.

Hast du ein Vorbild?
Antonio Felix da Costa: Um ehrlich zu sein nicht. Ich habe mir die Formel-1-Fahrer der Vergangenheit angesehen und versucht, mir von jedem das Beste abzuschauen. Es gibt viele gute Fahrer. Sebastian Vettel ist sehr gut und hat Dinge geschafft, die niemandem zuvor in seinem Alter gelungen sind. Ich versuche herauszufinden, warum etwas funktioniert und warum nicht und daraus zu lernen.

Das nächste Rennen findet in Monaco statt. Ist das das Highlight der Saison?
Antonio Felix da Costa: Es gibt diesmal nur ein Rennen und es ist wichtig, gut abzuschneiden. Auf alle Fälle gilt es, in die Top-3 zu kommen, aber wir wollen gewinnen. Wenn man in Monaco vor den Augen der Formel 1 gewinnt, ist es ein großer Antrieb.