Ihre erste DTM-Saison war kein Triumphzug, sondern eher ein Lehrjahr. Was macht es so schwierig, ein DTM-Fahrzeug zu bewegen?
Ralf Schumacher: 2008, in meinem ersten DTM-Jahr, startete ich im Jahreswagen und die damalige Gewichtseinstufung hatte es uns Fahrern in der 2008er C-Klasse nicht wirklich leicht gemacht, vorne dabei zu sein. Prinzipiell ist die DTM aber ein großer Unterschied zur Formel 1: Zum einen ist das DTM-Auto rund 400 kg schwerer und hat etwa 250 PS weniger Leistung als ein Formel-1-Wagen, damit ist das Fahrverhalten deutlich anders. Auch muss man mit einem DTM-Auto deutlich runder fahren und den Speed mit in die Kurve nehmen. Ich bin in meinem zweiten Lehrjahr noch dabei, das volle Potenzial der C-Klasse auszuschöpfen.

In diesem Jahr zeigt die Formkurve nach oben - doch nun sind es die Piloten der Vorjahresautos, die den Top- und Mitfavoriten einen Strich durch die Rechnung machen. Ist die DTM 2009 noch einmal anspruchsvoller geworden?
Schumacher: In dieser Saison ist die Gewichtseinstufung der Jahreswagen zu den 2009er Modellen von Anfang an anders eingeteilt worden, dadurch haben nun auch die Fahrer in den 2008er Autos gute Chancen vorne dabei zu sein - wie zuletzt mein Mercedes-Teamkollege Jamie Green mit seinem Sieg auf dem Norisring gezeigt hat. Das Fahrer-Niveau ist aber seit Jahren schon wirklich sehr stark in der DTM. Ich finde, die Zuschauer vor Ort an der Rennstrecke und zu Hause an den Fernsehgeräten werden bestens unterhalten und sehen spannendsten Motorsport.

Mit Paul Di Resta haben Sie einen mehr als elf Jahre jüngeren Teamkollegen, für den es in dieser Saison gar nicht schlecht läuft. Was herrscht da vor? Der Konkurrenzkampf à la F1 oder Teamwork?
Schumacher: Klar versucht jeder schneller als der Teamkollege zu sein. Wir DTM-Fahrer bei Mercedes helfen uns aber alle gegenseitig, jeder schaut sich die Daten der anderen an, und wir tauschen uns gegenseitig aus - Geheimnisse hat keiner vor dem anderen. Einzelkämpfer würden in der DTM nicht weit kommen, davon bin ich überzeugt.

Die alte Heimat Kerpen ist vom Nürburgring eigentlich nur einen Katzensprung weit entfernt. Mit ihrer Familie leben Sie in der Nähe von Salzburg. Verbinden Sie trotzdem nach wie vor "Heimatgefühle" mit dem Ring?
Schumacher: Meine Ehefrau Cora kommt aus der Region von Düsseldorf und viele unserer Freunde und Bekannte wohnen auch rund um Kerpen, daher sind wir schon noch ziemlich häufig in der alten Heimat, auch wenn Salzburg mittlerweile unser Lebensmittelpunkt ist. Wir kommen immer wieder gerne hier in die Gegend. Und ich freue mich schon darauf, vor vielen Zuschauern und unseren Bekannten vor Ort mein Heimrennen auf dem Nürburgring zu fahren.