Mit allzu optimistischen Ansagen hatten sich die Stuttgarter bedeckt gehalten, Bernd Schneider sprach dem Norisring das Prädikat "Mercedes-Strecke" ab. Erst beim freien Samstagstraining legte man das vornehme Understatement mit den Plätzen eins bis drei vorsichtig ab, im Rahmen des Qualifyings folgte die klare Ansage: An Mercedes scheint in Nürnberg wie schon so oft kaum ein Weg vorbeizuführen.
Bereits beim ersten Durchgang des abendlichen Qualifyings balgten sich die HWA-Piloten um Position eins - ungestört von den Abt-Audi-Vertretern, die sich ihrerseits mit dem Einzug in die zweite Session abmühten. Das gleiche Bild präsentierte sich den staunenden Fans in Runde zwei: Mit Leichtigkeit sicherte sich das Mercedes-Neuwagenquartett den Einzug in die dritte und letzte Runde, Jamie Green und Bruno Spengler proklamierten ihren Anspruch auf die Pole Position.
Eine offenbar perfekte Abstimmung, die den Stuttgarter DTM-Boliden einen beträchtlichen Topspeedvorsprung auf den Geraden sicherte, ermöglichte auch in der finalen Runde einen markeninternen Kampf um die Pole Position, den schließlich der altbekannte Qualifying-Spezialist Jamie Green für sich entschied. Bruno Spengler, schon im vergangenen Jahr auf dem Norisring aufblühend, wurde von Titelanwärter Bernd Schneider kurz vor Schluss auf Rang drei verwiesen, Mika Häkkinen gelang nach einem problematischen Testfreitag eine deutliche Steigerung bis hin zu Platz fünf.
Ebenso wie HWA wusste man auch bei Persson zu überzeugen: Routinier Jean Alesi beeindruckte mit einem vierten Platz - und darf sich mit etwas Glück Hoffnungen auf einen Podestplatz in seinem Jahreswagen machen. Während Mathias Lauda auf Platz 15 nur knapp am ersten Einzug eines 2004er-Fahrzeugs in die zweite Session scheiterte, blieb Alexandros Margaritis mit Platz 13 ebenso hinter seinen Möglichkeiten zurück wie der vom Pech geplagte Stefan Mücke auf Rang 19, der somit zum vierten Mal in Folge die zweite Session verpasste. Am Freudentaumel im Mercedes-Lager vermag dies kaum etwas zu ändern - selbst im Falle eines chaotischen Rennens sollte man morgen mit etwas Geschick die Oberhand behalten können.
Mercedes-Sportchef Norbert Haug übt sich dennoch in Bescheidenheit: "Ein Fünffach-Sieg ist nicht so einfach, wie wären schon mit einem einfachen zufrieden. Es ist nur ein Etappensieg, wir sind noch nicht auf dem Gipfel." Auch der zweitplatzierte Bernd Schneider, dessen Ausgangsposition angesichts eines siebten Platzes von Titelrivale Tom Kristensen im Grunde keine Wünsche offen lässt, äußert sich zurückhaltend:
"Hier am Norisring geht es relativ eng zur Sache und man ist schnell einmal ausgeschieden, ohne dass man zu langsam war", beschreibt der Saarländer die Unwägbarkeiten des Kurses am Dutzendteich, "sondern vielleicht weil man die neuen Reifen nicht im richtigen Moment drauf hatte, weil man dachte, es geht noch mit angefahrenen." Mit derartigen taktischen Fehlern sollten die Zuschauer mit Blick auf die Stuttgarter dennoch nicht rechnen...

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