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DTM / Kolumne

Klaus Ludwig: Schön für Schneider, traurig für Ekström

Überholmanöver waren am EuroSpeedway Mangelware. Klaus Ludwig fand dennoch einige interessante Themen für seine Rennanalyse.
von Klaus Ludwig

Motorsport-Magazin.com - Das zweite Saisonrennen stand unter dem Motto: Schön für Schneider, aber traurig für Ekström. Während Bernd sich verdient über seinen zweiten Saisonsieg freuen durfte, tat mir Mattias nach seinem Ausfall richtig leid. Ein solches Rennende hatte er nach dieser starken Vorstellung nicht verdient.

Sein dramatischer Ausfall wegen Benzinmangels zeigte, was der Schwede für ein unglaublich fairer Sportsmann ist. So manch anderer Fahrer hätte sich mit einem ausrollenden Auto vor den folgenden Mercedes noch einmal richtig "breit" gemacht, um Kristensen zu helfen. Nicht aber Ekström, der auf der Geraden fair Platz machte und die Konkurrenten passieren ließ.

Die Zurückeroberung des Meistertitels kann Mattias jetzt wohl abschreiben: Mit 20 Punkten Rückstand ist das ziemlich unmöglich. In der DTM werden nur zehn Rennen gefahren und davon ist bereits ein Fünftel absolviert. Für ihn kann es nur noch um Einzelsiege gehen.

Ein ganz anderes Gedankenspiel hätte sich angeboten, wenn Ekström nicht mit leerem Tank liegen geblieben wäre: Wegen zwei Punkten Unterschied wurden schon Meisterschaften verloren. Diese zwei Punke hätte Kristensen ein zweiter Platz von Ekström gekostet. Da die Meisterschaft bereits ab dem ersten Rennen zählt, wäre eine Stallorder durchaus verständlich gewesen wäre. Dr. Ullrich betonte jedoch, dass man bei Audi sportlich denke und man keinesfalls eingegriffen hätte.

Bärenstarker Margaritis

Überholmanöver entpuppten sich am EuroSpeedway auch in diesem Jahr als äußerst schwierig und nur mit Gewalt beziehungsweise Berührung durchführbar. Der beste Beweis dafür, war das Manöver von Jamie Green gegen Mika Häkkinen.

Jener Mika Häkkinen war der schnellste Mann im Feld. Sein erster Stint war richtig stark. Der enge Rennausgang beweist deshalb, wie gewaltig die Leistungsdichte in der DTM ist. Am Ende konnte sogar Alex Margaritis mit seinem Vorjahresauto zu den aktuellen Boliden aufschließen.

Dieser Alex Margaritis war wieder überzeugend. Er war der beste Mann in einem 2005er Auto, wobei es ein bisschen erstaunlich ist, dass der 05er Mercedes dem 05er Audi so überlegen zu sein scheint. Da die Vorjahreswagen-Piloten von Audi durchweg gute Rennfahrer sind, scheint der Mercedes tatsächlich im Vorteil zu sein - oder Alex Margaritis ist wirklich so sensationell gut. Wenn er diese Form in den nächsten Rennen fortsetzen kann, ist er für mich einer der besten Fahrer in seinem zweiten DTM-Jahr.

Bei Jamie Green entwickelt sich langsam fast schon ein Pole-Syndrom. Wenn man so oft hintereinander Pech und Missgeschicke hatte, wird es irgendwann schwierig das zu überwinden. Nervlich wird es für ihn dadurch keineswegs einfacher.

Die Stunde der Wahrheit für Audi

Rückblickend müssen wir noch einen kleinen Fehler aus dem Rennkommentar richtig stellen: Natürlich gibt es in der DTM keinen Lollipop-Mann, der den Fahrern das Signal zum Weiterfahren gibt. Stattdessen gibt es Klappensignale die auf die Windschutzscheibe herunterhängen.

Jeder Mechaniker hat einen Knopf an seinem Schlagschrauber. Wenn alle Mechaniker diesen Knopf gedrückt haben, wird das Auto automatisch von den Luftstempeln heruntergelassen und der Pilot fährt los. So war es auch bei Christian Abt, der danach sein Rad in der Boxengasse verlor. Das war schade für Christian, der nach Problemen am Freitag immerhin auf Platz 9 fuhr.

Im Hinblick auf das nächste Rennen in Oschersleben gehe ich davon aus, dass Tom Kristensen sehr gut sortiert sein wird. Er war dort schon letztes Jahr bombenstark. Hinzukommt dass er nach dem 2. Mercedes-Sieg in Folge ein noch einmal leichteres Auto haben wird. Unter diesen Voraussetzungen muss in Oschersleben fast schon ein 2006er Audi gewinnen.

Mit dem letzten Quäntchen Glück und einem besseren Startplatz, sollte Kristensen dazu in der Lage sein. Seine Auftritte in Hockenheim und am EuroSpeedway deuteten jedenfalls stark daraufhin.

Ihr Klaus Ludwig


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