Dass in der DTM 2026 doch noch ein Audi mitmischen würde, gilt schon jetzt als eine der großen Überraschungen in der laufenden Saison. Ermöglicht wurde der Gaststart beim vorletzten Rennwochenende auf dem Sachsenring (11.-13. September) durch das Team Seyffarth Motorsport. Der Rennstall aus dem 140 Kilometer entfernten Querfurt tritt mit dem 21-jährigen Lokalmatador Simon Connor Primm an, der ansonsten seit drei Jahren im ADAC GT Masters beheimatet ist.
Dass das Sachsenring-Gastspiel mit dem Audi R8 LMS GT3 Evo2 überhaupt klappen würde, damit hatte Teamchef Tobias Seyffarth selbst kaum noch gerechnet. "Vor rund drei Wochen hatten wir intern eigentlich mehr oder weniger mit der Sache abgeschlossen", sagte Seyffarth zu Motorsport-Magazin.com. "Dann haben wir durch Simon und weitere Sponsoren die Möglichkeit bekommen, das doch zu machen und den Gaststart zu realisieren."
Was bezwecken Seyffarth und Primm mit dem DTM-Start?
Es wird der erste und einzige DTM-Auftritt für Seyffarth Motorsport und Primm in der aktuellen Saison sein, weil das Team den Audi beim Finale in Hockenheim wieder fürs ADAC GT Masters benötigt. Hier teilt sich Primm den R8 mit seinem Teamkollegen Robin Rogalski. Das Duo belegt den elften Platz in der Gesamtwertung.
Dabei stellt sich die Frage: Wieso leisten sich Seyffarth und Primm den DTM-Gaststart und was wollen sie damit erreichen? Als Faustregel gilt: Die Einsatzkosten pro Auto an einem DTM-Wochenende liegen bei 150.000 bis zu 200.000 Euro, außerdem sind Gaststarter per Reglement nicht punktberechtigt. Seyffarth dementierte die Summe nicht, gab aber keine konkreten Zahlen preis.
Seyffarth: "Beraten, ob wir dafür überhaupt bereit sind"
"Wir haben uns teamintern darüber beraten, ob wir das machen wollen und ob wir dafür überhaupt bereit sind", erklärte der Teamchef, der die DTM schon aus Class-1-Zeiten kennt. "Simon ist ein sehr junger Fahrer. Er verfügt aber schon über ein sehr großes Wissen und kann uns ein sehr gutes Feedback zum Auto geben. Und durch das ADAC GT Masters wissen wir, was wir wo und wie viel drehen müssen, um vielleicht noch ein Stückchen an die Spitze ranzukommen."
Für Primm persönlich bietet sich am Sachsenring die seltene Gelegenheit, sein Talent auf großer Bühne präsentieren zu können - auch, wenn er am Freitag seine allerersten Runden in einem GT3-Auto auf dem Motorradkurs absolvierte (P18 und P20 in den Trainings). Mit einem überzeugenden Auftritt würden seine Chancen steigen, in Zukunft bei einem Hersteller zu unterschreiben. Sein DTM-Debüt darf also auch als Investment für die Zukunft verstanden werden.
Seyffarth Motorsport: DTM-Zukunft nicht ausgeschlossen
Seyffarth selbst wollte zudem eine Zukunft im festen DTM-Starterfeld zumindest nicht ausschließen und meinte mit Blick auf die Saison 2027: "Generell sage ich mir: Man weiß ja nie, wenn man Sponsoren für die kommende Saison finden würde. Die Möglichkeit besteht, auch mit Simon, die DTM-Saison zu absolvieren."
Nun gilt es erst einmal, das Rennwochenende am Sachsenring zu meistern. Seyffarth Motorsport, am vergangenen Wochenende mit dem Audi noch beim GT Masters auf dem Salzburgring unterwegs, musste das Team kurzfristig vergrößern. Der Kern bleibt die Truppe aus dem ADAC GT Masters, dazu kommen je zwei Leute von Paul Motorsport (samt Boxenstopp-Equipment) und von einem anderen Audi-Kundenteam. Auch Audi Sport hat zwei seiner Ingenieure zur Verfügung gestellt - mehr Werksunterstützung gibt es bekanntermaßen nicht.
"DTM ganz andere Hausnummer als ADAC GT Masters"
Die etwas zusammengewürfelte Mannschaft steht vor einigen Herausforderungen: den Performance-Boxenstopps (gibt es so nicht im ADAC GT Masters), den speziellen Pirelli-Slick-Reifen (konnte Seyffarth im März einmalig testen) und nicht zuletzt dem sehr umfangreichen Reglement.
Seyffarth: "Die Autos sind vom Grundprinzip her gleich. Aber die DTM ist noch mal eine ganz andere Hausnummer im Vergleich zum ADAC GT Masters. Doppelt so schwer, das reicht nicht. Ich glaube, es sind zwei Drittel, die dann noch mal draufkommen."
Der Teamchef weiter: "Ich weiß, dass wir hier nicht gewinnen können. Wir wollen aber ein solides Wochenende mit bestmöglichen Ergebnissen. Vor allen Dingen ist für uns wichtig, anzukommen, fehlerfrei und demzufolge auch straffrei durchzukommen. Und dann schauen wir mal, was Samstagnachmittag und Sonntagnachmittag auf dem Papier steht."



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