Theoretisch ist es ein Glücksfall für einen jeden Ex-DTM-Meister: Nachdem der Konkurrent dem eigenen, unermüdlichen Kampf zum Trotz die eigene Titelverteidigung zu verhindern wusste, kehrt er als amtierender Meister der DTM den Rücken. Beste Voraussetzungen, um den Titel in der folgenden Saison zurückzuerobern...

In der Praxis verhält es sich allerdings anders: Nachdem sich der amtierende DTM-Meister Gary Paffett schon jetzt gut im Formel-1-Testcockpit bei McLaren-Mercedes eingelebt hat, darf sich Mattias Ekström einer vermeintlich einfachen Saison 2006 längst nicht sicher sein - wenngleich dies kaum am Talent des Schweden liegen dürfte. Im Interview mit motorsport-magazin.com sprach Mattias Ekström über die mögliche Gegnerschaft.

Das respektvolle Verhältnis, das auch die fairen Kämpfe Ekströms und Paffetts auf dem Asphalt prägte, macht sich dabei auch heute noch bemerkbar. "Ich freue mich natürlich für Gary und wünsche ihm viel Erfolg", lässt Ekström in Richtung Paffett ohne Neid verlautbaren und erkennt im Wechsel Paffetts auch eine Bestätigung für das hohe Niveau der DTM: "Es ist eine tolle Sache, dass nicht nur Fahrer aus der Formel 1 in die DTM kommen, sondern auch umgekehrt."

Mit Paffett verband Ekström ein kameradschaftliches Verhältnis, Foto: Sutton
Mit Paffett verband Ekström ein kameradschaftliches Verhältnis, Foto: Sutton

Ein allzu deutliches Schielen auf den neuen Arbeitsplatz des früheren Konkurrenten verhindern dabei auch die motorsportlichen Vorlieben des 27-Jährigen: "Die Formel 1 hat mich noch nie wirklich interessiert. Wenn man, so wie ich, in den schwedischen Wäldern aufgewachsen ist, dann schlägt das Herz eher für den Rallyesport." Ebenso wenige Formel-1-Ambitionen wie der langjährige Abt-Audi-Pilot hegt mittlerweile auch einer seiner möglichen Hauptkonkurrenten aus der kommenden Saison, hat er doch trotz seiner früheren Nähe zu finnischen Wäldern eine erfolgreiche Formel-1-Karriere schon längst abgeschlossen:

Auf seine potenziellen Widersacher im Mercedes-Lager angesprochen kommt dem achtfachen DTM-Rennsieger zuerst der Doppelweltmeister aus der F1 in den Sinn: "Es ist schwierig, sich da auf einen Namen festzulegen. Aber ich bin mir sicher, dass Mika nicht mehr allzu lange lernen möchte, sondern angreifen wird." Das skandinavische Duell beim dritten Saisonlauf in Spa-Francorchamps, das schließlich Häkkinen für sich entschied, scheint Eindruck hinterlassen zu haben...

In Spa kämpften Ekström und Häkkinen um den Sieg, Foto: Sutton
In Spa kämpften Ekström und Häkkinen um den Sieg, Foto: Sutton

Dennoch liegt es Ekström fern, sich nur auf den Finnen zu fokussieren: "Es war ja nicht nur Gary, der in den vergangenen Jahren Siege eingefahren hat. Es gibt noch eine ganze Reihe anderer starker Fahrer, die immer noch dabei sind." Während die Einschätzung des 51-fachen DTM-Starters in Bezug auf den noch sieglosen Jamie Green, mit dem es in der vergangenen Saison mehr als einmal zu viel diskutiertem Lackaustausch kam, interpretierbar ist, scheint Mattias Ekström auch die in der vergangenen Saison eher glücklosen Routiniers wie Bernd Schneider oder Jean Alesi nicht abzuschreiben - wenngleich letzterer in der kommenden Saison im Jahreswagen sitzen könnte:

Diese wiederum könnten bedingt durch das aktuelle Technische Reglement, das für die Neufahrzeuge die Entwicklung weit gehend einfriert, durchaus ein noch gewichtigeres Wort um vordere Plätze mitreden. "Mir hat der Kampf um die Siege im vergangenen Jahr eigentlich schon gereicht...", kommentiert Ekström zunächst scherzhaft, "aber im Ernst: Natürlich wäre es schön, wenn noch mehr Autos an der Spitze mitkämpfen würden. Mal abwarten, wie sich das neue Reglement auswirkt."

Sollte sich allerdings die eingangs genannte Theorie bestätigen, so hätte Mattias Ekström für jenes Szenario am kommenden Wochenende erste Übungseinheiten auf sich genommen: Auch beim Rallye-WM-Lauf in Schweden, bei der der Schwede ein heimatliches Gastspiel gibt, sind naturgemäß im Fahrzeug sitzend weit und breit keine Gegner zu sehen...