Matteo Cairoli (Emil-Frey-Ferrari) hat das bis zum Schluss unterhaltsame Sonntagsrennen auf dem Lausitzring gewonnen. Der DTM-Neueinsteiger überquerte den Zielstrich mit nur vier Zehntelsekunden vor dem Zweitplatzierten Nicki Thiim im Aston Martin Vantage GT3 Evo von Comtoyou Racing. Mit Finn Wiebelhaus (HRT-Ford) komplettierte ein weiterer Rookie das Podest beim sechsten Saisonrennen.
Der von Platz zwei gestartete Cairoli feierte im Ferrari 296 GT3 Evo bereits seinen zweiten Saisonsieg. Der 30-jährige Italiener hatte zuvor in Zandvoort sein erstes Rennen gewonnen. Nach dem dritten Rennwochenende der Saison 2026 reist Cairoli als Spitzenreiter in der DTM-Tabelle ab. Den Grundstein zum Sieg legte er während der ersten von zwei Boxenstopp-Phasen: Cairoli übernahm die Führung, weil Pole-Setter Arjun Maini (HRT-Ford) beim Reifenwechsel zu lange brauchte und mitansehen musste, wie der Ferrari vorbeischlüpfte.
Erstes DTM-Podest für Rookie Finn Wiebelhaus
Für Maini, der seine zweite Karriere-Pole erobert hatte, kam es noch bitterer: Drei Runden vor Schluss musste er sich HRT-Teamkollege Finn Wiebelhaus geschlagen geben. Der 20-Jährige setzte sich mit einem sauberen Manöver durch und errang seinen ersten Podestplatz in der deutschen Traditionsserie. "Ich hatte einen guten Start, habe beim Boxenstopp aber ein bisschen überschossen, das nehme ich auf meine Kappe", sagte Maini. "Am Ende war Finn auf neuen Reifen schneller. Er hat fair gekämpft, ich hatte keine Chance."
An der Spitze machte es Cairoli besser und wehrte sich bis zum Zieleinlauf erfolgreich gegen den heranstürmenden Thiim, der sich am Samstag noch des Sieges beraubt fühlte. "Dieser Däne hat es mir richtig schwierig gemacht", feixte der bei 31 Grad Außentemperatur völlig verschwitzte Cairoli nach der Verteidigungsschlacht am Eurospeedway. Thiim dazu: "Ich wollte nicht alles riskieren, das ist noch zu früh in der Saison. Später können wir uns in die Kiste fahren!"
DTM Punktestand: DTM Gesamtwertung 2026 als Tabelle
Lausitzring: Zwei Lamborghini Temerario in den Top-6
Hinter dem Viertplatzierten Maini gelang Mirko Bortolotti (GRT-Lamborghini) eine große Aufholjagd vom neunten Startplatz bis auf Rang fünf. Luca Engstler im Lamborghini Temerario GT3 von Abt Sportsline lief als Sechster ein und sammelte weitere Punkte für die Allgäuer nach dem zweiten Platz seines Teamkollege Marco Mapelli (heute P15) am Samstag.
Kelvin van der Linde (Schubert-BMW) machte einen Tag nach seinem 30. Geburtstag ebenfalls vier Plätze gut und überquerte den Zielstrich auf P7. "Ein ordentliches Ergebnis mit unserem Paket", fand der BMW-Werksfahrer. Van der Linde kassierte in der Schlussphase Maro Engels Winward-Mercedes, der auf P8 bestplatzierter der vier AMG-Piloten war. Marco Wittmann im zweiten Schubert-BMW und Thomas Preining (Manthey-Porsche) komplettierten die Top-10.
Jules Gounon (Winward-Mercedes), Timo Glock (Dörr-McLaren) mit seinem zweiten Ausfall am Lausitzring, Tom Kalender (Landgraf-Mercedes) und Maximilian Paul (GRT-Lamborghini) fielen vorzeitig aus. Das vierte Rennwochenende der DTM-Saison 2026 steigt auf dem Norisring in Nürnberg (03.-05. Juli) und bildet das Highlight im Rennkalender.
DTM Lausitzring 2026: So lief das Rennen am Sonntag
Die Startaufstellung: Arjun Maini bescherte dem Ford Mustang GT3 die erste Pole Position in der DTM - für den Inder in Diensten von HRT war es die zweite. Maini setzte sich im Duell 'Ford vs. Ferrari' gegen Emil-Frey-Rookie Matteo Cairoli durch. Samstags-Polesetter Nicki Thiim und Finn Wiebelhaus im zweiten HRT-Mustang teilten sich die zweite Startreihe. Luca Engstler, Thomas Preining, Maro Engel und Marco Wittmann komplettierten die Top-8 der Startaufstellung.
Der Start: Arjun Maini erwischte einen Raketenstart und konnte an der Spitze schnell einen kleinen Vorsprung herausfahren. Auch dahinter keine Platzveränderungen: Matteo Cairoli, Nicki Thiim und Finn Wiebelhaus folgten auf den Plätzen zwei, drei und vier. Größter Gewinner der Startphase war Ben Dörr, der sich vom 14. bis auf den neunten Platz verbesserte. Thomas Preining verlor unterdessen vier Positionen und fiel auf P10 zurück.
Nach der ersten Runde musste das Safety Car wegen herumliegender Fahrzeugteile von Maximilian Pauls GRT-Lamborghini auf Start/Ziel ausrücken. Beim Re-Start ging es erneut recht undramatisch und mit wenigen Kontakten zu, Maini wahrte die Führung souverän vor Cairoli, Thiim und Wiebelhaus.
Die erste Rennhälfte: Jules Gounon fiel aus zunächst unbekannten Gründen bis auf P19 zurück, auch Marco Mapelli büßte nach einem Ausritt neben die Strecke zahlreiche Positionen ein. Für Action sorgte derweil Kelvin van der Linde, der sich gegen Bastian Buus' Land-Porsche durchboxte, den zwölften Platz eroberte und Jagd auf die Manthey-Porsche machte. Wenig später musste van der Linde den Platz auf Anweisung der Rennleitung allerdings zurückgeben.
Das erste Pflichtboxenstopp-Fenster öffnete sich in Runde 7 und umgehend bogen Wiebelhaus von P6, Buus, van der Linde, Auer, Paul, Gounon, Mapelli und Baert ab. In der Box setzte sich van der Linde wieder gegen Buus durch. Cairoli bog auf Platz zwei liegend als Nächster in Runde 9 zum Reifenwechsel ab, Wittmann und Preining folgten. In Runde 10 folgten Engstler, Bortolotti, Dörr und Vermeulen.
Spitzenreiter Maini entschied sich in Runde 11 für seinen Reifenwechsel, auch Engel und Glock kamen rein. Mainis Stopp dauerte 9,3 Sekunden und damit länger als üblich - nach der Boxenausfahrt konnte sich der HRT-Pilot nicht gegen Cairoli mit wärmeren Reifen verteidigen und fiel auf den virtuellen zweiten Platz zurück. Engel (P5) kassierte eine Penalty Lap wegen eines Boxenstopp-Vergehens. Später erwischte es auch Winward-Teamkollege Jules Gounon.
Nicki Thiim absolvierte seinen Pflicht-Stopp als letzter aller Fahrer erst in Runde 15 und kehrte als Dritter hinter Cairoli sowie Maini auf die Strecke zurück. Größter Gewinner der ersten Boxenstopp-Runde war Bortolotti auf P5 mit vier Platzgewinnen.
Der weitere Rennverlauf: Maini holte kontinuierlich zu Spitzenreiter Cairoli auf und verringerte seinen Rückstand von 2 auf 0,7 Sekunden. Ansonsten blieb es recht ruhig im Mittel-Stint, während sich die Fahrer für den zweiten Pflicht-Boxenstopp in Stellung brachten. Das gesamte Feld lag zu diesem Zeitpunkt innerhalb von 34 Sekunden. 22 Minuten vor dem Ende machte Auer Action und überholte Dörr für P14. Paul preschte mit seinem GRT-Lamborghini ebenfalls am McLaren vorbei.
Zu Beginn des zweiten Boxenstopp-Reigens 15 Minuten vor dem Ende trennte Cairoli, Maini und Thiim jeweils rund eine Sekunde. Wiebelhaus auf P4 musste abreißen lassen und fuhr mit 7 Sekunden Rückstand hinterher. Dahinter klaffte zu Bortolotti auf P5 eine weitere größere Lücke von 4 Sekunden.
In Runde 28 bogen Wiebelhaus, van der Linde, Buus, Kalender, Feller, Dörr, Vermeulen, Mapelli, Baert und Paul umgehend zum Reifenwechsel ab. AMG-Youngster Kalender verbremste sich bei der Boxeneinfahrt, kam quer und nietete eine Pylone um. Zur 29. Runde folgten Wittmann, Preining und Glock. Zwischen den beiden Letztgenannten wurde es eng in der Fast Lane, wobei der BMW-Pilot die Nase vorne behielt.
Maini bog von P2 in Runde 30 zum Reifenwechsel ab, Engstler, Engel und Auer gleich mit. Spitzenreiter Cairoli reagierte im folgenden Umlauf, ebenso Bortolotti von P5. Der Ferrari-Fahrer behielt die Führung knapp aber souverän vor Maini. Unterdessen musste Paul seinen Lamborghini abstellen, auch für Gounon war vorzeitig Feierabend. Thiim wechselte erneut als letzter Fahrer in Runde 32 seine Reifen und kehrte 10 Minuten vor Schluss als Dritter zurück ins Feld.
6 Minuten vor Schluss setzte sich Thiim gegen Maini durch und übernahm den zweiten Platz. Van der Linde kassierte wenig später Engels Mercedes für Platz sieben. Es blieb unterhaltsam im engen Mittefeld: Auer überholte Buus eingangs von Kurve 1 und sicherte sich P10. Spannung auch im vorderen Feld: Drei Minuten vor Schluss hing Wiebelhaus seinem Teamkollegen Maini im Heck, kam zunächst aber nicht vorbei.
Während Timo Glock seinen McLaren in der Dörr-Garage abstellen musste, griff Thiim den Führenden Cairoli beherzt an. Der Ferrari-Pilot setzte sich aber erfolgreich zur Wehr. Wiebelhaus kassierte Maini in der drittletzten Runde auf der Außenbahn und übernahm den dritten Platz! Cairoli machte es besser und verteidigte den Sieg knapp vor Thiim bis zum Zieleinlauf.



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