Was für ein dramatisches Finish beim Regen-Rennen der DTM auf dem Sachsenring: Ayhancan Güven (Manthey-Porsche) gewinnt den packenden Lauf am Samstag aus dem Nichts! Letzte Runde, erste Kurve, Drama: Als eigentlich Thomas Preining (Manthey-Porsche) und Jordan Pepper (GRT-Lamborghini) den Sieg unter sich ausmachen, sticht plötzlich Manthey-Pilot Güven innen rein und schnappt sich das Duo! Frei nach dem Motto: Wenn Zwei sich streiten, freut sich der Güven.

"Ich habe gerochen, dass da was passiert", sagte Güven, der seinen dritten Saisonsieg feierte. "Preining hat einen Fehler gemacht, und dann bot sich die Chance zum Manöver." Ex-DTM-Champion Preining sah in der Schlussphase wie der sichere Sieger aus, nachdem er in der vorletzten Runde Pole-Setter Pepper und dessen GRT-Lamborghini kassiert hatte. Der Manthey-Pilot flog schon vor der späten Safety-Car-Phase durchs Feld und machte nach dem Re-Start vier Runden vor Schluss munter weiter.

Thomas Preining: "Bin einfach ein Idiot"

Dann das Drama, als sich Preining auf der feuchten Piste in der letzten Kurve vor der letzten Runde leicht verbremste. "Ich bin einfach ein Idiot", sagte der Österreicher selbstkritisch. "Ich habe das Auto eine Runde vor Schluss verloren. So einen Fehler darf ich mir nicht leisten. Das ist extrem frustrierend!" Manthey-Teamkollege Güven staubte spektakulär ab, während Pepper mit Platz zwei weitere wichtige Punkte für den Kampf um die Meisterschaft sammelte.

Preining fiel vom ersten sogar auf den vierten Platz zurück und verpasste das Podium. Den letzten Platz auf dem Treppchen nahm stattdessen Jack Aitken (Emil-Frey-Ferrari) ein. Der Brite, der das Rennen vom sechsten Platz aufgenommen hatte, wurde für seine beinharten Kämpfe belohnt. Kurios: Aitken und Pepper teilen sich jetzt punktgleich den ersten Platz in der Meisterschaft! Lucas Auer (Landraf-Mercedes) kam nicht über P10 hinaus und büßte die Spitze ein. "Das war nicht unser Tag", meinte Auer. "Ich war wie eine Schnecke unterwegs."

Feller mit der Aufholjagd des Rennens

Hinter Preining belegte Jules Gounon (Winward-Mercedes) den fünften Platz mit seinem neuen Mercedes-AMG GT3. Der Franzose, hinter Pepper von P2 gestartet, musste in der Schlussphase nach den späten Boxenstopps bei abtrocknenden Bedingungen abreißen lassen. Ricardo Feller (Land-Audi) sorgte für die Aufholjagd des Rennens: Der Schweizer stürmte im kniffligen Rennen, das bei starken Regen begonnen hatte und dessen Start um 10 Minuten verschoben wurde, vom 19. Platz bis auf P6.

Marco Wittmann (Schubert-BMW) und DTM-Rookie Morris Schuring (Manthey-Porsche) komplettierten die Top-8, bis der junge Niederländer eine 5-Sekunden-Strafe (Kollision) kassierte und weit zurückfiel. Den achten Rang nahm stattdessen Fabio Scherer im Ford Mustang GT3 von HRT ein.

DTM Sachsenring: So lief das Rennen am Samstag

Die Startaufstellung: Jordan Pepper erzielte im Qualifying am Samstagmorgen seine dritte Pole Position in dieser Saison. Auch für seinen Teamkollegen Luca Engstler lief das Qualifying erfolgreich, er nahm Rang vier ein. Dazwischen schoben sich der mit einem neuen Mercedes-AMG GT3 ausgestattete Winward-Pilot Jules Gounon und Ben Green im Emil-Frey-Ferrari.

In der dritten Startreihe lauerten die beiden führenden Piloten in der Meisterschaft, Lucas Auer und Jack Aitken, auf ihre Chance. Nachdem es im Vorlauf des Rennens immer wieder zu leichten Regenschauern gekommen war, begann es in der Startaufstellung vor Rennbeginn schließlich richtig zu schütten. Der Start wurde somit bei nasser Fahrbahn ausgetragen, nachdem er um zehn Minuten verschoben worden war. Als Reaktion auf die Bedingungen wurden außerdem zwei Formationsrunden gefahren.

Der Start: Jordan Pepper kam beim Start gut weg und behauptete komfortabel die Führung. Ben Green schob sich seinerseits an Jules Gounon vorbei und eroberte den zweiten Platz. Maro Engel gewann zwar am Start gleich drei Positionen und fuhr von P10 auf P7, wurde jedoch mit einer Penalty Lap bestraft, da er beim Start zu früh aus seiner Startreihe ausgeschwenkt war. Diese warf Engel auf den 15. Platz zurück. Unter anderem profitierte auch Marco Wittmann, der sich nach Start von P12 auf dem achten Rang wiederfand. Auch sein Schubert-BMW-Teamkollege Rene Rast machte drei Positionen gut und war Zwölfter.

Die erste Rennhälfte: An der Spitze setzte sich Pepper zu Beginn leicht ab und konnte nach vier Runden mehr als eineinhalb Sekunden Vorsprung für sich verbuchen. In der vierten Runde schwang sich Gounon wieder zum ersten Verfolger des Südafrikaners auf und überholte Green. Dahinter blieb die Spitzengruppe dicht beieinander, lediglich Wittmann musste abreißen lassen und fiel nach fünf Runden bis auf zweieinhalb Sekunden hinter den Siebtplatzierten Thierry Vermeulen zurück.

Zwar regnete es wenige Runden nach Rennbeginn nicht weiter, die Strecke blieb aber weiterhin nass. In der sechsten Runde kam Gilles Magnus (Comtoyou-Aston-Martin) ins Kiesbett ab, was den Belgier von Rang 19 auf die letzte Position zurückwarf. Währenddessen lieferten sich in den darauffolgenden Runden die Titelkontrahenten Auer und Aitken ein enges Duell um die fünfte Position. Erst überholte Aitken den Meisterschaftsführenden, wurde dann wieder von Auer überholt und setzte sich schließlich endgültig durch.

Währenddessen setzten sich Pepper und Gounon immer weiter vom restlichen Feld ab, Gounon setzte den Pole-Setter aber verstärkt unter Druck. Dahinter blieben die beiden mit Erfolgsgewichten vom Nürburgring-Erfolg ausgestatteten BMW-Boliden die Bremsklötze im Feld. Wittmann verlor schließlich den Kampf gegen Preining um den achten Platz, Rast gleich vier Positionen. Somit fanden sich die beiden ehemaligen DTM-Champions nach elf Runden nur noch auf P9 und P16 wieder.

Auf Wetter-Seite kam es im Anschluss ein weiteres Mal am heutigen Samstag zu einem Wechsel: In der 13. Runde tat sich die die Sonne hervor und verstärkte das Abtrocknen der Strecke. Preining setzte seine Aufholjagd nach dem Überholmanöver gegen Wittmann fort und ging bis zum Ende der 13. Runde auch an Vermeulen und Auer bis auf den sechsten Platz vorbei. Auch sein Teamkollege Ayhancan Güven machte Fortschritte und überholte Wittmann im Kampf um Rang neun.

Richtig eng wurde es in der 17. Runde zwischen Engstler und Green im Duell um P3. Mehrere Kurven lang fuhren die beiden Piloten Rad an Rad. Nachdem es zwischenzeitlich schon danach aussah, als würde Engstler den Kampf gewinnen, scheiterte seine Attacke, wovon Green-Teamkollege Aitken profitierte und sich vorbei an Engstler auf Platz vier schob.

Der weitere Rennverlauf: Für Engstler ging es nach seinem gescheiterten Angriff auf P3 weiter rückwärts. In der 18. Runde musste er auch den furiosen Preining passieren lassen. Auch Güven lies die Manthey-Aufholjagd weitergehen und konnte sowohl Auer als auch Vermeulen überholen.

Durch die abtrocknenden Bedingungen schoben die Teams ihre Pflichtboxenstopps ungewohnt lange auf. Erst nach 19 Runden kamen Rast und Arjun Maini im HRT-Ford als erste Piloten an die Box. Beide zogen Slicks auf. Zwischen den beiden Fahrern wurde es anschließend eng in der Boxengasse, kurz fuhren beide nebeneinander. Schlussendlich musste sich Rast aber hinter Maini einsortieren.

Dass es immer noch nass auf der Strecke blieb, bewies in der 22. Runde Vermeulen, der nach seinem Boxenstopp ins Kiesbett abkam. Ähnlich erging es kurz darauf Tom Kalender (Landgraf-Mercedes). Währenddessen ging Preining an Aitken vorbei. Im Anschluss legte Vermeulen im Zweikampf mit Engel noch einen weiteren Dreher ins Kiesbett hin. Der Trockenreifen blieb für die Teams die Wahl, bis zum Ende der 24. Runde hatten alle Piloten ihre Stopps absolviert.

Zu den Gewinnern der Boxenstopp-Phase zählte Preining, der so an Green vorbeiging. Auch Güven gewann eine Position gegen Aitken, der sich zudem wieder hinter Engstler wiederfand. Morris Schuring (Manthey-Porsche), Ricardo Feller (Land-Audi) und Fabio Scherer (HRT-Ford) gehörten ebenfalls zu den Gewinnern der Boxenstopp-Phase und fanden sich nun in den Top-10 wieder. Zu den Verlierern zählten hingegen Wittmann, Auer und Engel, die nur noch die Positionen 11 bis 13 belegten.

Nachdem Green innerhalb von nur einer Runde drei Positionen eingebüßt hatte, eröffneten die nun auf P3 und P4 liegenden Manthey-Porsche die Jagd auf Pepper und Gounon. In der 28. Runde überholte Preining schließlich Gounon und verringerte den Rückstand auf Pepper schnell auf weniger als eine Sekunde. Aitken schob sich in der Zwischenzeit ein finales Mal an Engstler auf P5 vorbei. Zuvor war es zwischen Aitken und Teamkollege Green zu einem Kontakt gekommen, für den Green eine Verwarnung erhielt.

Preining jagte immer weiter Pepper, kam jedoch zunächst nicht vorbei. Zeit zum Durchschnaufen erhielt Pepper in der 31. Runde als das Safety-Car ausgerufen wurde, nachdem Nicolas Baert seinen Aston Martin von Comtoyou Racing im Kiesbett versenkt hatte und sich nicht mehr befreien konnte. Für zusätzliches Chaos sorgte das Wetter als es während der Safety-Car-Phase wieder zu regnen begann.

Dies nutzten Maini und Kalender für einen weiteren Boxenstopp wieder zurück auf Regenreifen. Der Restart ging trotz der erneut nassen Bedingungen recht gesittet vonstatten. Preining kam mit den neuen Bedingungen jedoch besser zurecht als Pepper und übernahm in der 35. Runde die Führung! Güven übernahm in der Zwischenzeit von Gounon den letzten Podestplatz, auch Aitken überholte Gounon. Maini und Kalender konnten mit den Regenreifen keinen entscheidenden Vorteil aufbauen und blieben am Ende des Feldes.

An der Spitze wurde es in der letzten Runde noch einmal völlig wild. Pepper attackierte auf Start/Ziel noch einmal Preining, in Kurve 1 kam es zum Kontakt. Güven profitierte und ging sensationell auf der Innenbahn an beiden Piloten vorbei. Preining fiel dabei sogar bis auf Rang vier noch hinter Aitken zurück. Güven gewann das Rennen vor Pepper und Aitken. Feller arbeitete sich noch bis auf den sechsten Platz vorne, Wittmann legte als Siebter im Schlussspurt noch ein kleines Comeback hin, während sich Green in der letzten Runde ins Kiesbett drehte und das Rennen nicht beendete.