Das DTM-Rennen am Samstag in Zandvoort hatte einiges an Spektakel zu bieten: Regenchaos, Unfälle, Kollisionen, eine Kontroverse um das rennentscheidende Überholmanöver. Hinzu kam auch eine Diskussion rund um das einzige Safety-Car des Rennens, welches ausgerufen wurde nachdem Thierry Vermeulen (Emil-Frey-Ferrari) in Kurve 6 zum Stillstand gekommen war und Rene Rast seinem Rennen mit einem Mauereinschlag in Kurve 8 ein vorzeitiges Ende gesetzt hatte.
Grundlage für die Diskussionen war der Zeitpunkt, zu dem das Safety-Car ausgerufen wurde – und die Frage, ob damit dem Sicherheitsgedanken im Motorsport genügend Priorität eingeräumt wurde. Vom Rast-Crash bis zur Ausrufung vergingen noch einigermaßen übliche fast zweieinhalb Minuten, während denen Rast jedoch bereits aus seinem Auto ausstieg, vom Vermeulen-Defekt allerdings gar mehr als sieben Minuten.
Safety-Car nach Rast-Crash: Kritik von Mielke und Schumacher
Eddie Mielke und Experte David Schumacher äußerten während der Live-Übertragung Kritik an diesem Vorgehen. Auch im Fahrerlager wurde die Situation kontrovers diskutiert. Besonders heikel ist das Thema, weil die Strecke zu diesem Zeitpunkt trotz abtrocknender Verhältnisse noch nass war und somit ein erhöhtes Unfallrisiko bot.
DTM-Rennleiter erklärt: So wurde Gesundheit der Fahrer sichergestellt
Die Vorgehensweise der Rennleitung hat jedoch einen Hintergrund: Das Boxenstoppfenster. Safety-Cars während diesem sorgten in der Vergangenheit immer wieder für Ärger, da dies einen massiven und in der DTM oft unüberbrückbaren Nachteil für jene Piloten liefert, die zum Zeitpunkt eines Safety-Cars bereits ihre Boxenstopps absolviert haben. „Nachdem das letzte Fahrzeug seinen Boxenstopp absolviert hatte, haben wir sofort das Safety-Car auf die Strecke geschickt. Dieses Prozedere haben wir zu Saisonbeginn mit den Fahrern und Teamchefs ausführlich besprochen und nun danach gehandelt“, rechtfertigte Rennleiter Sven Stoppe gegenüber Motorsport-Magazin.com das Vorgehen.

Und tatsächlich wurde das Safety-Car etwa eine Minute nach dem Ablauf des Boxenstoppfensters ausgerufen, bereits zuvor stand es bereit. Selbstverständlich würden wir bei einem schwereren Vorfall eine Full-Course-Yellow- oder Safetycar-Phase anordnen. Das war aber hier nicht nötig“, versicherte Stoppe zugleich. „Die beiden Fahrzeuge von Vermeulen und Rast standen gegen Ende des Boxenstoppfensters aus meiner Sicht sicher neben der Strecke beziehungsweise im Kiesbett. Durch doppelt gelbe Flaggen waren die anderen Piloten deutlich auf die Vorfälle hingewiesen worden. Wir haben dafür gesorgt, dass die beiden Fahrer ihr Fahrzeug zu einem Zeitpunkt verlassen haben, als keine anderen Fahrzeuge in der Nähe waren.“
Thiim, Güven und Paul unterstützten Rennleitung
Unterstützung erhielt Stoppe in der Pressekonferenz von den Top-3-Piloten Ayhancan Güven (Manthey-Porsche), Nicki Thiim (Abt-Lamborghini) und Maximilian Paul (Paul-Lamborghini) die Situation mit Vermeulen allerdings nicht für beanstandenswert. „Es gab ein kleines Risiko, aber nicht allzu viel, weil es schwierig ist, auf dieser Seite der Strecke (in Kurve 6; d. Red.) zu crashen“, meinte Sieger Güven.
“Natürlich ist es eine Highspeed-Zone, aber er stand auf der linken Seite“, so der Türke weiter. „Ich würde also sagen, dass es nicht so gefährlich war, obwohl es wahrscheinlich von außen nicht so toll aussah.“ Zudem rief Güven dazu auf, die Situation im Gesamtkontext des Ziels bezüglich des Zeitpunkts des Safety-Cars zu betrachten: „Wir versuchen es zu vermeiden (dass Safety-Car während dem Boxenstoppfenster auszurufen; d. Red.). Am Ende war es hier zu managen mit den Gelben Flaggen. Ich denke also es war grenzwertig, aber okay.“

Thiim pflichtete seinem Kontrahenten bei: „Thierrys Auto war in Ordnung. Wie Güven gesagt hat: Du wirst dieses Auto nicht treffen. Wenn du das tust, dann ziehe ich eigentlich meinen Hut dafür.“ Insgesamt stünde die Sicherheit jedoch im Vordergrund, weshalb er die letztendliche Entscheidung für ein Safety-Car in Kombination mit dem Rast-Unfall nachvollziehen könne.
Paul appelliert an Eigenverantwortung: Solltest nicht zu viele Risiken eingehen
Im Hinblick auf die Vermeulen-Situation appellierte der Drittplatzierte Paul zudem an die Eigenverantwortung der Fahrer. „In meiner Wahrnehmung sind sie alle Profis“, so der 25-Jährige. „Sie wissen, wenn ein Auto in der Nähe ist, solltest du nicht zu viele Risiken eingehen. Es war also in Ordnung.“
Mehr als nur in Ordnung war auch der DTM-Samstag von Nicki Thiim. Nach einem erneut schwierigen Qualifying für sein Abt-Lamborghini-Team, arbeitete sich der 36-Jährige wie Paul auf der alternativen Strategie mit Slicks nach vorne. Wie dies Thiim gelang, lest Ihr in diesem Artikel:


diese DTM Nachricht