Werkssport oder reiner Kundensport? Das war und bleibt die Frage in der DTM unter dem 2021 eingeführten GT3-Reglement. Dass die Werksunterstützung in der deutschen Traditionsserie je nach Hersteller sehr unterschiedlich ausfallen kann, hat vor allem Marken-Meister Mercedes-AMG eindrucksvoll bewiesen. Der Support für die 'eigenen' Kundenteams führte schließlich auch zum Gewinn des Fahrer-Titels durch Maximilian Götz, der vor dem Abschied beim Haupt Racing Team steht.

Es ist eine äußerst knifflige Situation für die Hersteller, deren Kundenteams in der DTM an den Start gehen. Dass Hersteller-Power zum Erfolg führen kann, ist kein Geheimnis. Dieses Spiel wollen aber nicht alle Marken mitspielen. Dazu zählt BMW M Motorsport, das in diesem Jahr mit dem brandneuen BMW M4 GT3 in der DTM debütieren wird.

BMW: Welche Teams und Fahrer in der DTM 2022?

Welche Teams den neuen Top-Kundensportler aus München einsetzen und welche Fahrer antreten, soll bestenfalls innerhalb der nächsten zwei Wochen kommuniziert werden. Als heißeste Anwärter galten zuletzt die BMW-Teams Walkenhorst Motorsport und Schubert Motorsport, wie Motorsport-Magazin.com exklusiv berichtet hat.

Zum favorisierten Kreis der Werksfahrer für die DTM 2022 zählen der zweifache DTM-Champion Marco Wittmann, Sheldon van der Linde, 2012-Meister Bruno Spengler und der Österreicher Philipp Eng.

Krack: Kein LKW mit BMW-Ingenieuren

Auf eine ausgiebige Werksunterstützung müssen die BMW-Teams jedoch verzichten, wie Mike Krack, bis 31. Januar 2022 als BMW-Motorsportleiter tätig, klarstellte. Beim 24-Stunden-Rennen in Daytona sagte der neue Formel-1-Teamchef von Aston Martin zu Motorsport-Magazin.com: "Wir werden keinen LKW mit Ingenieuren zu den Rennwochenenden schicken. Für uns ist die DTM eine Kundensportserie wie das ADAC GT Masters, die Britische oder Italienische GT-Meisterschaft. Das müssen wir auch konsequent umsetzen."

Mike Krack schwört die BMW-Mannschaft in Daytona ein -
Mike Krack schwört die BMW-Mannschaft in Daytona ein -Foto: BMW M Motorsport

Die Leitung von BMW M Motorsport hat nach Kracks Abschied zum 01. Februar 2022 die langjährige Audi-Führungskraft Andreas Roos übernommen, doch an der hausinternen Philosophie dürfte sich erst einmal nichts ändern. Krack: "Wir unterstützen die Teams mit Fahrern, auch mit technischem Support über das normale Kundensportmodell. Es ist aber keine Werksunterstützung wie früher in der DTM. Das wollen wir nicht mehr machen, weil das überhaupt nicht nachhaltig ist."

Angesichts der üppigen Testfahrten-Umfänge gewisser in der DTM involvierter Teams fürchtete Krack: "Sobald ein Hersteller geht, fällt das Kartenhaus wieder zusammen. Es ist unsere Aufgabe, das jetzt so aufzustellen, dass es nachhaltiger wird und eine Kostenspirale verhindert wird. Wir sind schon wieder auf dem Weg, wo es hoch geht. Teams testen extrem viel. Das müssen wir eingebremst kriegen."

Der brandneue BMW M4 GT3 bei den 24h Daytona 2022 -
Der brandneue BMW M4 GT3 bei den 24h Daytona 2022 -Foto: BMW M Motorsport

Krack: "Dann ist die Serie nach drei Jahren wieder tot"

Was nach einem ehrenwerten Ansatz im Sinne der dringend benötigten Kostenreduzierung im Motorsport klingen mag, hat in der Realität jedoch einen bitteren Beigeschmack: Wenn nicht kollektiv alle Hersteller in einer Rennserie mitmachen, gibt es schnell wieder Performance-Unterschiede, von denen ausgabenfreudige Marken profitieren können.

"Das ist richtig", stimmte Krack zu, will aber nicht vom eingeschlagenen Weg abweichen: "Das sind dann immer zwei, drei harte Jahre, in denen man einfach eine neue Linie durchziehen muss. Oder man sagt: 'Dann machen wir es halt auch so'. Aber dann ist die Serie nach drei Jahren wieder tot. Wir dürfen Werkssport, Werksunterstützung und Kundensport nicht zu sehr vermischen."

Mike Krack wechselt von BMW zu Aston Martin in die Formel 1 -
Mike Krack wechselt von BMW zu Aston Martin in die Formel 1 -Foto: BMW M Motorsport

Im Endeffekt zahle schließlich der Kunde das Auto eines Herstellers, um es in Rennserien wie der DTM einzusetzen. "Und wenn ich für dieses Auto zahle, möchte ich nicht, dass mir jemand sagt, was ich zu tun habe", meinte Krack. "Diese Philosophie muss man auch umsetzen. Wir haben gute Teams, die das selbst gut machen können. So wie Walkenhorst im vergangenen Jahr."