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DTM

DTM Hockenheim: Van der Linde siegt und übernimmt Gesamtführung

Kelvin van der Linde feiert auf dem Hockenheimring seinen vierten Start/Ziel-Sieg in der DTM 2021. Titelanwärter Marco Wittmann vorzeitig ausgefallen.
von Robert Seiwert
DTM Hockenheim: Zusammenfassung zu Rennen 1 am Samstag: (04:09 Min.)

Kelvin van der Linde hat beim Samstagsrennen der DTM auf dem Hockenheimring eindrucksvoll zurückgeschlagen. Der Abt-Audi-Pilot feierte seinen vierten Start/Ziel-Sieg in der Saison 2021. Damit übernahm der Südafrikaner vor dem bisherigen Spitzenreiter Liam Lawson punktgleich den ersten Platz in der Meisterschaft.

Der junge Neuseeländer von Ferrari-Team AF Corse beendete das viertletzte Rennen des Jahres auf dem vierten Platz. Sein Teamkollege Alex Albon wurde Zweiter vor Abt-Pilot Mike Rockenfeller, dem eine eindrucksvolle Aufholjagd vom 17. Startplatz gelang. Für Rockenfeller war es gleichzeitig das viertletzte Rennen in einem Audi, er verlässt die Ingolstädter nach der Saison und 15 Jahren.

"Wir sind zurück nach zuletzt zwei harten Wochenenden", atmete Sieger van der Linde auf. "Ich hatte nach Assen das Gefühl, dass das Team ein gutes Ergebnis für die Motivation braucht. Jetzt haben wir noch drei wichtige Rennen vor uns. Wir sind gleichauf mit Liam, das wird extrem eng. Bei den Boxenstopps haben wir auf die Meisterschaft geschaut, um sicher zu sein, und auf Max und Liam reagiert."

Während sich van der Linde von der Pole Position auch von einer frühen Safety-Car-Phase nicht aus der Ruhe bringen ließ, ging es im restlichen Feld wilder zu. Eine Aufholjagd gelang Formel-1-Rückkehrer Albon, der das Rennen vom neunten Startplatz aufgenommen hatte. Ein geschickter Boxenstopp und freie Fahrt spülten den Thailänder im pfeilschnellen Ferrari bis auf den zweiten Platz nach vorne. "Wenn du einen Pace-Vorteil hast, kannst du ein bisschen länger draußen bleiben und dann mit frischen Reifen überholen", sagte Albon.

Mit großem Rückstand überquerte Lawson die Ziellinie als Vierter. Der 19-Jährige setzte sich in den Schlussminuten gegen Maximilian Götz durch, der lange Zeit auf Podestkurs lag. Der HRT-Pilot konnte sich am Ende mit seinem lädierten Mercedes nicht gegen den Titelrivalen wehren und musste Lawson ziehen lassen. Zwei Runden vor Schluss musste Götz auch noch Mike Rockenfeller vorbei lassen.

Der frühere DTM-Champion hatte in der letzten Runde noch nicht genug, überholte Lawson nach hartem Duell und führte seinen Abt-Audi dank einer späten Boxenstopp-Strategie vom 17. bis auf den dritten Platz!

Rockenfeller verhindert Platztausch bei Ferrari

Mit seiner Aufholjagd half Rockenfeller indirekt auch Abt-Teamkollege van der Linde, schließlich schnappte er Lawson wichtige Punkte weg - und verhinderte, dass es zu einem Platztausch zwischen den beiden Ferrari kommen konnte. Einen derartigen Plan hatte das Team nämlich vor dem Rennen geschmiedet, wie Albon bestätigte.

"Es gab die Idee, Liam im Rennen vorbeizulassen", so der künftige Williams-Pilot. "Aber als Rocky ankam, galt es, das Risiko abzuwägen und nicht zu viel zu verlieren. Für uns machte es mehr Sinn, dass er (Lawson) nicht überholt. Das war die richtige Entscheidung. Du kannst jemanden eigentlich nur vorbeilassen, wenn er direkt dahinter ist. Es gab nur eine Gelegenheit, aber Rocky kam schnell heran."

In einem Rennen mit zahlreichen Überholmanövern auf dem badischen Traditionskurs überquerte Esteban Muth mit seinem T3-Lamborghini die Ziellinie als Sechster. Wegen einer 5-Sekunden-Zeitstrafe wegen eines Boxenstopp-Vergehens für ihn sowie Teamkollegin Esmee Hawkey fiel der junge Belgier aber bis auf Platz acht zurück.

Den sechsten Platz übernahm Daniel Juncadella (GruppeM-Mercedes), Mercedes-Markenkollege Philip Ellis (Winward) und der bestrafte Muth komplettierten die Top-8. Vincent Abril (HRT) und Timo Glock als einzig verbliebener BMW ergatterten die letzten Punkte. DTM-Debütant Marvin Dienst, der Maxi Buhk bei Mücke-Mercedes in Hockenheim vertritt, schrammte als Elfter knapp an Zählbarem vorbei. Das zweite neue Gesicht in der DTM, Lucas di Grassi (Abt-Audi), wurde 15.

Wittmann erstmals ohne Punkte

Titelanwärter Marco Wittmann erlebte unterdessen einen Tag zum Vergessen. Nachdem der BMW-Pilot im Qualifying nicht über den 13. Platz hinausgekommen war, erhielt er schon in der Startphase einen Rempler samt Schaden an der Frontpartie. Mit seinem angeschlagenen Walkenhorst-M6 fuhr Wittmann in der Folge chancenlos hinterher und stellte das bereits überrundete Auto in Runde 24 vorzeitig ab.

Für Wittmann war es der erste Ausfall in der DTM-Saison 2021. "Wir hatten einen relativ großen Schaden am Auto", sagte er bei Sat.1. "Der resultierte in erster Linie vom Unfall in Turn 6, als ich im Sandwich war und nicht ausweichen konnte. Wir haben geschaut, ob wir das Rennen fahren können. Durch den Schaden hatten wir aber keine Pace."

Hockenheimring-Feature: Heimat der DTM!: (02:13 Min.)

Auer-Ärger nach frühem Unfall

Nach einem turbulenten Start kam es in der Spitzkehre zu einer folgenschweren Kollision. Der von Platz fünf gestartete Arjun Maini räumte seinen Mercedes-Markenkollegen Lucas Auer beim Kampf um die zweite Position unsanft ab. Für den Inder war das Rennen sofort beendet, Unfallopfer Auer musste seinen Winward-Mercedes wenig später ebenfalls abstellen.

"Brutal!", ärgerte sich der Neffe von DTM-Boss Gerhard Berger bei Sat.1. "Ich war mitten in der Kurve und dann fliegt irgendjemand in mich rein. Das ist 'ne Spitzkehre, irgendwann musst du bremsen. Da muss ich mich fragen: 'Was macht der hier?' Das ist wirklich bitter." Im Nachgang bestrafte die Rennleitung Maini mit einer Rückversetzung um 5 Plätze für das Sonntagsrennen.

Am Sonntag folgt das 14. und drittletzte Rennen der DTM-Saison 2021. Das Saisonfinale steigt nur eine Woche später zum ersten Mal auf dem Nürnberger Norisring (08.-10. Oktober 2021).

DTM-Meisterschaft 2021 nach 13/16 Rennen (Top-4)

Position Fahrer Team Punkte
1 Kelvin van der Linde Abt-Audi 188
2 Liam Lawson AF Corse-Ferrari 188
3 Marco Wittmann Walkenhorst-BMW 165
4 Maximilian Götz HRT-Mercedes 165

DTM Hockenheim: So lief das Rennen am Samstag

Die Startaufstellung: Kelvin van der Linde deklassierte die gesamte Konkurrenz mit einem Vorsprung von mehr als vier Zehntelsekunden und erzielte seine vierte Pole Position in der DTM-Saison 2021. Lucas Auer sicherte sich nach seiner Pole zuletzt in Assen als Zweiter erneut einen Platz in der ersten Reihe. Liam Lawson belegte mit seinem Ferrari den dritten Platz. Dahinter folgte eine Mercedes-Armada um Daniel Juncadella, Arjun Maini, Maxi Götz und Vincent Abril auf den Positionen vier bis sieben. Nico Müller, Alex Albon und DTM-Debütant Marvin Dienst komplettierten die Top-10. Titelanwärter Marco Wittmann kam als bester BMW-Fahrer nicht über P13 hinaus.

Das Wetter: Am Samstag erwarteten Fahrer und Fans sonnige Bedingungen mit knapp 20 Grad Außentemperatur (Strecke: 30 Grad). Auf der badischen Traditionsstrecke durften Zuschauer unter Einhaltung der 3G-Regelung erneut auf die Tribünen sowie ins Fahrerlager.

Der Start: Pole-Setter Kelvin van der Linde behauptete die Führung mit Kontakt gegen Verfolger Lucas Auer. Daniel Juncadella schnappte sich Liam Lawson und damit P3. Dann knallte es in der Spitzkehre! Der von P5 gestartete Arjun Maini rammte Auer in die Seite - das vorzeitige Aus für den Inder mit anschließender Safety-Car-Phase. Götz nutzte das Chaos in der Spitzengruppe und verbesserte sich auf den zweiten Platz hinter van der Linde. Liam Lawson, Philip Ellis (von Startplatz 12) und Juncadella folgten auf den Plätzen drei bis fünf. Gaststarter Marvin Dienst schnellte mit seinem Mücke-Mercedes von P10 auf die sechste Position nach vorne. Auch Sophia Flörsch gelang ein Riesen-Sprung von P19 auf P11. Marco Wittmann verlor unterdessen vier Plätze und beendete die erste Runde als 17.

Der Re-Start zur 5. Runde: Beim fliegenden Re-Start in den engen Zweierreihen verteidigte sich van der Linde trotz Angriffsversuchs souverän gegen Götz. Dahinter folgten Lawson, Ellis und Juncadella, während es diesmal gesitteter in der brenzligen Spitzkehre zuging. Dienst fiel von P6 bis auf den achten Platz zurückfiel, während Esteban Muth im T3-Lamborghini (von P11 gestartet) dessen Position einnahm. Ein Raketenstart gelang auch Timo Glock: von Startplatz 15 bis auf P7 in den ersten Runden!

Die Boxenstopps: Maximilian Götz von Platz zwei und Philip Ellis eröffneten zur erstmöglichen Gelegenheit in Runde 6 den Boxenstopp-Reigen. Der Führende Kelvin van der Linde reagierte eine Runde später und kehrte vor Götz auf die Strecke zurück. Auch Liam Lawson, Vincent Abril, Marvin Dienst und Esmee Hawkey absolvierten ihre Pflicht-Boxenstopps in Runde 7.

Einen Umlauf später ließen Daniel Juncadella und Sophia Flörsch frische Michelin-Slicks aufziehen. Es folgten Dev Gore (Runde 9), der zwischenzeitlich Führende Esteban Muth (Runde 12) sowie in Runde 13 Alex Albon. Zu diesem Zeitpunkt fuhren nur alle drei BMW von Marco Wittmann, Timo Glock und Sheldon van der Linde sowie die drei Audi von Mike Rockenfeller, Lucas di Grassi und Nico Müller auf ihren Startreifen.

Die Zwischenfälle: DTM-Rückkehrer Hubert Haupt erhielt eine Durchfahrtsstrafe wegen eines Frühstarts mit seinem HRT-Mercedes. In Runde 10 erwischte Nico Müller in der Sachskurve die linke Seite von Timo Glocks BMW und drehte sich auf der Strecke. Die beiden T3-Lamborghini von Esteban Muth und Esmee Hawkey erhielten wegen Vergehen beim Boxenstopp jeweils 5-Sekunden-Zeitstrafen.

Die Ausfälle: Für Arjun Maini war das Rennen bereits in der Spitzkehre nach dem Start beendet. Der GetSpeed-Mercedes erwischte Mercedes-Markenkollege Lucas Auer beim Kampf um die zweite Position. Der Österreicher fiel bis ans Ende des Feldes zurück, während Mainis zerstörter AMG-GT3 abgeschleppt werden musste. Der Unfall löste eine Safety-Car-Phase aus. Auer musste das Rennen ebenfalls wenig später beenden.

In Runde 24 musste Marco Wittmann seinen seit dem Start beschädigten Walkenhorst-BMW vorzeitig in der Box parken. Zum Zeitpunkt des vorzeitigen Ausfalls war der zweifache Champion bereits von mehreren Autos überrundet worden. In Runde 27 erwischte es mit Nico Müller einen weiteren DTM-Veteran, der wegen eines Defekts nicht die Ziellinie sah. Eine Runde zuvor hatte auch Pechvogel Sheldon van der Linde mit seinem ROWE-BMW das Rennen aufgeben müssen.


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