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DTM Hockenheim 2020 - Strategie-Analyse: Die Rast-Demonstration

Spannung bis zum Schluss beim Saisonfinale der DTM auf dem Hockenheimring! Von den Sieger-Strategien bis zu den schnellsten Boxenstopps des Wochenendes.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Die DTM-Saison 2020 endete auf dem Hockenheimring mit einem echten Titelkrimi. Rene Rast setzte sich im abschließenden Rennen gegen Nico Müller durch und errang seine dritte Meisterschaft nach 2017 und 2019. Mit seinem 24. DTM-Sieg geht der gebürtige Mindener als erfolgreichster Audi-Pilot in die Geschichtsbücher ein. Nico Müller gewann das Auftaktrennen in Hockenheim und sicherte sich die Vize-Meisterschaft zum Abschied der Class-1-Ära.

Manfred Sandbichler, Hankook Motorsport Direktor Europa: "Wir haben ein tolles DTM-Finale in Hockenheim mit einem verdienten Sieger René Rast gesehen. Nico Müller hat es mit seinem Erfolg am Samstag noch einmal spannend gemacht, doch René erwies sich am Sonntag mit einem perfekten Rennen als echter Champion und liegt nun mit drei DTM-Gesamtsiegen gleichauf mit Klaus Ludwig."

"Die Zusammenarbeit mit der DTM in der zehnten gemeinsamen Saison war wie in den Jahren zuvor sehr gut und ausgesprochen professionell. Der Hankook Rennreifen hat unterschiedliche Rennstrategien möglich gemacht und mit seiner konstant hohen Performance und Zuverlässigkeit dafür gesorgt, dass das fahrerische Können der Piloten den Ausschlag gegeben hat und die Fans bis zum Schluss spannenden Motorsport auf höchstem Niveau erlebt haben."

Die Sieger-Strategien

Rennen 1: Das Auftaktrennen war geprägt von einer frühen sowie einer weiteren Safety-Car-Phase im späten Rennverlauf. Am Ende überquerte Nico Müller die Ziellinie 0,622 Sekunden vor Rene Rast als Sieger. Zwei Situationen entschieden den Rennausgang: Zunächst gelang Müller in der Boxenstoppphase ein Undercut gegen den Führenden Rast. Der Schweizer absolvierte seinen Pflicht-Reifenwechsel in Runde 17, während sich Rast im 18. Umlauf einen neuen Satz Hankook-Reifen abholte. Rasts Boxenstopp dauerte 2,142 Sekunden länger als Müllers und so verlor er die Führung bei seiner Rückkehr auf die Strecke.

Im Verlauf des Rennens wechselte die Spitzenposition mehrfach, Rast führte nach der zweiten Safety-Car-Phase. Drei Runden vor dem Rennende übernahm abermals Müller die Führung. Rast hingegen verkalkulierte sich bei der Rundenanzahl (55 Minuten + 3 Runden) und verpasste dadurch einen letzten Angriff mit den in Hockenheim effektiven Überholhilfen DRS und Push-to-Pass.

Strategie-Analyse Rennen 1 (Top-5)

Position Fahrer Stint 1 Stint 2 Stint 3
1 Nico Müller 17 Rd. (158.563 km/h) 19 Rd. (164.178 km/h)
2 Rene Rast 18 Rd. (159.542 km/h) 18 Rd. (163.404 km/h)
3 Jamie Green 17 Rd. (158.508 km/h) 19 Rd. (164.141 km/h)
4 Loic Duval 16 Rd. (157.079 km/h) 20 Rd. (164.768 km/h)
5 Mike Rockenfeller 9 Rd. (143.501 km/h) 20 Rd. (173.663 km/h) 7 Rd. (154.042 km/h)

Rennen 2: Das Sonntagsrennen war eine wahre Rast-Demonstration. Der nun dreifache DTM-Champion führte in 29 der 37 Runden das Feld an und hatte beim Zieleinlauf 10,199 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten Nico Müller. Aus den Top-5 beim Zieleinlauf absolvierte Rast seinen Pflicht-Boxenstopp als Letzter erst in der 17. Runde. Eine ungewöhnliche Herangehensweise, weil Hintermann Müller bereits in Runde 14 neue Hankook-Reifen hatte aufziehen lassen.

Statt wie erwartet eine Runde später zu reagieren, bog Rast erst drei Umläufe später ab. Laut eigener Aussage wollte er seinen ersten Stint verlängern, um sich gegen Reifenverschleiß in der zweiten Rennhälfte abzusichern. Mit einem Polster von 16 Punkten auf Müller, hätte Rast der fünfte Platz für den sicheren Gewinn der Meisterschaft gereicht. Die Top-4 des Klassements legten ihre Pflicht-Boxenstopps beim Audi-Sechsfachsieg alle in unterschiedlichen Runden ein.

Strategie-Analyse Rennen 2 (Top-5)

Position Fahrer Stint 1 Stint 2
1 Rene Rast 17 Rd. (176.734 km/h) 20 Rd. (174.676 km/h)
2 Nico Müller 14 Rd. (176.702 km/h) 23 Rd. (174.140 km/h)
3 Jamie Green 16 Rd. (176.112 km/h) 21 Rd. (174.056 km/h)
4 Mike Rockenfeller 15 Rd. (176.144 km/h) 22 Rd. (173.856 km/h)
5 Robin Frijns 15 Rd. (175.866 km/h) 22 Rd. (173.938 km/h)

Die ungewöhnlichste Strategie

Vom letzten bis auf den sechsten Platz! Mike Rockenfeller eroberte mit der ungewöhnlichsten Strategie des Rennwochenendes auf dem Hockenheimring zumindest acht Punkte. Im Samstagsrennen fiel der von Platz neun gestartete Audi-Pilot nach der ersten Safety-Car-Phase bis auf den letzten Platz zurück. In der Hoffnung auf ein weiteres Safety Car holte sich Rockenfeller bereits in Runde 9 einen frischen Satz Hankook-Reifen an der Box des Audi Sport Team Phoenix ab.

Mit diesem Reifensatz legte der frühere DTM-Champion 20 Runden zurück und belegte Platz sieben, als das Safety Car im 30. Umlauf ein weiteres Mal ausrückte. Rockenfeller nutzte die Gelegenheit für einen weiteren Reifenwechsel, um in der Schlussphase mit besserer Performance angreifen zu können. Dadurch fiel er auf P9 zurück.

Innerhalb von fünf Runden verbesserte sich Rockenfeller tatsächlich um vier Positionen. Den fünften Platz beim Zieleinlauf verlor er allerdings nachträglich wegen einer 0,3-Sekunden-Ersatzstrafe, weil er in der letzten Runde BMW-Pilot Jonathan Aberdein abgedrängt hatte.

Mike Rockenfeller führte das Sonntagsrennen nach einem Blitzstart an - Foto: Audi Communications Motorsport

Der längste Stint

Audi-Pilot Nico Müller, BMW-Fahrer Timo Glock und Robert Kubica aus dem BMW-Kundenteam ORLEN Team ART legten im Sonntagsrennen jeweils 23 Runden in ihrem zweiten Stint zurück. Das entspricht einer Distanz von 105,202 Kilometern auf dem 4,574 Kilometer langen Hockenheimring Baden-Württemberg. Das Trio, angeführt von Müller, hatte sich bereits in der 14. Runde für einen frühen Pflicht-Boxenstopp entschieden.

Müller schloss das Rennen auf dem zweiten Platz hinter Rene Rast ab. Der Schweizer hatte den frühesten Stopp der Top-5 beim Zieleinlauf eingelegt und löste damit weitere Boxenstopps in der vorderen Gruppe aus. Müllers aggressive Strategie sollte Titelrivale Rene Rast unter Druck setzen, doch der spätere Meister verfolgte seinen eigenen Plan konsequent und holte sich erst drei Runden später einen neuen Satz Hankook-Slicks ab. Müllers Undercut funktionierte zwar und er übernahm kurzzeitig die Führung, konnte Rasts Pace in den Schlussrunden aber nicht mitgehen und musste abreißen lassen.

Nico Müller errang seine zweite DTM-Vizemeisterschaft nach 2019 - Foto: DTM

Der schnellste Boxenstopp

In Hockenheim schafften es zwei Fahrer, ihre Pflicht-Boxenstopps inklusive Ein- und Ausfahrt aus der Boxengasse in weniger als 32 Sekunden zu bewältigen. Philipp Eng aus dem BMW Team RBM gelang dies in 31,317 Sekunden beim Samstagsrennen am schnellsten.

Mit vier Zehntelsekunden Rückstand folgte Ferdinand Habsburg (31,727 Sekunden - Rennen 2) auf dem zweiten Platz in der Liste der schnellsten Boxenstopps. Das WRT Team Audi Sport zeigte sich beim Saisonfinale in Hockenheim in Spitzenverfassung bei den Reifenwechseln: Mit Habsburg und seinen Teamkollegen Fabio Scherer sowie Harrison Newey absolvierte die Audi-Kundenmannschaft aus Belgien drei der vier schnellsten Boxenstopps am Wochenende.

Die schnellsten Boxenstopps in Hockenheim (Top-10 kombiniert)

Position Fahrer Team Dauer in Sekunden
1 Philipp Eng BMW Team RBM 31.317 (Rennen 1)
2 Ferdinand Habsburg WRT Team Audi Sport 31.727 (Rennen 2)
3 Scherer Fabio WRT Team Audi Sport 32.007 (Rennen 1)
4 Harrison Newey WRT Team Audi Sport 32.058 (Rennen 2)
5 Robin Frijns Audi Sport Team Abt Sportsline 32.060 (Rennen 1)
6 Mike Rockenfeller Audi Sport Team Phoenix 32.092 (Rennen 2)
7 Ferdinand Habsburg WRT Team Audi Sport 32.125 (Rennen 1)
8 Rene Rast Audi Sport Team Rosberg 32.155 (Rennen 2)
9 Mike Rockenfeller Audi Sport Team Phoenix 32.170 (Rennen 1)
10 Nico Müller Audi Sport Team Abt Sportsline 32.218 (Rennen 1)

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